Gespräch

Plädoyer für Qualität und Überzeugungsarbeit – Tagung zur Zukunft der Kunstkritik in der Bundeskunsthalle Bonn

STAND
INTERVIEW
Wilm Hüffer

Die professionelle Kunstkritik sei durch Erosion gefährdet, sagte die Chefredakteurin der Kunstzeitschrift MONOPOL, Elke Buhr, in SWR2. „Dagegen müssen wir mit Qualität und Überzeugungsarbeit angehen.“ Grundsätzlich sei es gut, dass es heute durch Instagram und andere soziale Medien mehr Akteure gäbe, die sich für Kunst interessierten und ihre Meinung dazu auch öffentlich äußerten.

Audio herunterladen (6,7 MB | MP3)

Gleichzeitig jedoch sei fundiertes Wissen über Kunst unverzichtbar. „Und da sind Fachmagazine und ein gutes Feuilleton, sowie fachlich gute Kulturberichterstattung in Radio und Fernsehen total wichtig", so Buhr.

Mittlerweile bespielten viele Akteure ihre eigenen Kanäle. „Man rezipiert unheimlich viel Kunst vom Instagram-Account der Galerien oder der Künstler und Künstlerinnen direkt.“ Dass es da keine kritische Distanz gebe, sei total klar. Das würden sich aber nicht alle Konsumenten und Konsumentinnen vor Augen führen, bemerkte Buhr. „Insofern ist es wichtig, dass es kompetenten Journalismus gibt, der das einordnen kann.“

Eine gute Kunstkritik sei eine Kritik, die den eigenen Standpunkt reflektiere und offenlege, warum man sich für etwas interessiert. Dabei kritisierte Buhr den Schreibstil, der sich in der Kunst breit gemacht habe: „Es ist schrecklich, wie in der Kunst geschrieben wird“. Gerade die zeitgenössische Kunst habe einen schrecklichen Jargon entwickelt, wo man gar nicht genau wisse, was da gesagt werden soll. „Gespreizt ist das richtige Wort“, so Buhr. „Unsere journalistische Arbeit besteht in Übersetzung.“

Der aktuelle Kongress zur Zukunft der Kunstkritik diene dazu, dass auch die etablierten Kunstkritiker und Kritikerinnen den Sprung in die digitale Welt schafften, so Buhr. „Unser gemeinsames Ziel ist es zu vermitteln, wie fantastisch die Kunst ist und ich glaube, da kann man sich zusammentun.“

STAND
INTERVIEW
Wilm Hüffer