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Piktogramme, Vorläufer der heutigen „Emojis“, entstanden vor 100 Jahren im „roten Wien“: Die modernste Form der Piktogramme entstand Ende der 1990er Jahre: Emojis. Eine Ausstellung mit „Aha“-Effekt.

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Wien in den 1920er Jahren: Der Migrationsdruck ist groß, ebenso die Wohnungsnot, Krankheiten grassieren. In dieser Zeit werden die ersten Bildzeichen eingesetzt: Hygieneregeln, für alle lesbar, auch für Analphabeten.

Der Nationalökonom Otto Neurath entwickelt die Idee von einer Bildung für alle weiter und kreiert den Vorläufer aller modernen Piktogramme: Das Isotype, Symbole und Zeichen, die allgemeinverständlich sind.

Und die der vielsprachigen Wiener Stadtbevölkerung anhand von Schautafeln in einem „Sozialmuseum“ die gesellschaftlichen Missstände verdeutlichen sollen.

Über 40 Jahre später entwickelt Otl Aicher, Gründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm, ein Zeichensystem für die Olympischen Spiele 1972 in München. Sportpiktogramme und Symbolbilder in reduzierter Formensprache, schnörkellos funktional und bis heute gültig.

Der Grafiker Wolfgang Schmidt schuf ein Zeichenvokabular, das er „Lebenszeichen“ nannte : Auge, Ohr, Flugzeuge, alles stilisiert und völlig zweckfrei.

Die US-Amerikanerin Pati Hill schlug eine Universalsprache vor: 40 Blätter an der Wand zeigen handgezeichnete Symbole für Dinge und Personen, mit denen man kommunizieren kann. Das Problem?Vereinfachung bedeutet immer auch Stereotypisierung, Piktogramme können Klischees verstärken.

Juli Gudehus, Vorstudien zu Genesis (Foto: Pressestelle, Peter Hinschläger)
Juli Gudehus, Vorstudien zu Genesis, 1993, courtesy Juli Gudehus Pressestelle Peter Hinschläger

Ende der 1990er Jahre verbreiten sich mit Computer und Handy die modernsten Piktogramme: Emojis, die ihre Wurzeln in der japanischen Mangakultur haben.

Damals waren es gerade mal 176 Emojis, heute sind 3500 auf dem Markt,Tendenz steigend. Eine Machtfülle für das Gremium aus großen Tech-Firmen wie Facebook oder Apple, das darüber entscheidet, mit welchen Zeichen wir kommunizieren und mit welchen nicht.

Ausstellungsdesigner und Kurautor Maxim Weirich: „Welche Gruppen werden dargestellt, welches Essen, welche Arten von Tieren, welche Geschlechter, Bilder und Rollen werden hier gefestigt oder relativiert? Und man merkt an diesem jährlichen Hinzufügen neuer Emojis, was es für Kulturkämpfe gibt, was zu einer bestimmten Zeit wichtig war in einer Kultur? Wenn jetzt durch Corona ein neues Maskenemoji dazukommt, dann merkt man, dass diese Ausdifferenzierung immer den Zeitgeist widerspiegelt und in wieweit hier eine globale Gesellschaft über Zeichen und Darstellungsformen nachdenkt. Das alles ist auf den 2. Blick immer auch sehr politisch.“

Sehr politisch und sehr anschaulich: Eine Ausstellung mit „Aha“-Effekt.

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