STAND
AUTOR/IN

Der „Schwäbische Laokoon“ von Peter Lenk gehört an keinen anderen Ort als in die Landeshauptstadt Stuttgart. Die Skulptur erinnert an den Streit um Stuttgart 21. Der Künstler will sie nun heimholen an den Bodensee, weil sie in Stuttgart nicht am aktuellen Platz stehen bleiben kann. Doch die Stadt bemüht sich engagiert um einen alternativen zentralen Standort. Lenk sollte einlenken, findet SWR2 Redakteurin Susanne Kaufmann.

Audio herunterladen (2,5 MB | MP3)

Statue regt Diskussionen an

Es gibt viele Skulpturen, die den öffentlichen Raum möblieren, die aber niemanden interessieren und über die auch keiner spricht. Kunsthistorisch mögen solche Werke wertvoll sein, doch für eine Stadt sind sie es nur bedingt. Viel wichtiger sind Skulpturen, an denen man sich reibt und über die man diskutiert!

Wie über den zehn Meter hohen Schwäbischen Laokoon von Peter Lenk, jenes Denkmal mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten, der mit der Schlange kämpft – in Form eines ICE. Die Bilder auf den vier Seiten des Sockels erzählen Geschichten, danach sehnen sich die Menschen im Zeitalter von Netflix immer noch.

Standort war von Anfang an auf Zeit

Als in Stuttgart beim letzten Starkregen die Gullys überliefen, dachte mancher an den neuen Bahnhof, der unter der Erde entsteht. Lenk hat das Szenario längst modelliert: Ein Zug ersäuft im Tunnel, und daneben stürzen sich muntere Badegäste in die Fluten. Für die Stadt und den Tourismus wäre es ein Gewinn, wenn diese Skulptur in Stuttgart bliebe.

Sie bleibt es nicht, und es bleibt festzuhalten: Mehr konnte Stuttgart in dieser Angelegenheit nicht tun. Von vornherein war klar, dass der Aufstellungsort vor dem Stadtpalais nur ein temporärer sein würde, denn das Museum bespielt den Platz mit wechselnden Projekten. Ämterübergreifend suchte die Stadt einen alternativen zentralen Standort – und fand auch einen, für den vieles spricht: gelegen im Europa-Viertel hinter dem neuen Hauptbahnhof.

Lenk sollte sich mit neuem Standort anfreunden

Umgeben freilich nicht von klassizistischer Architektur, die sich der Künstler für die Putten auf seinem Denkmal wünscht. Für Lenk ist es eine neue Erfahrung, dass in der Landeshauptstadt nicht er gottgleich über den Verbleib der eigenen Skulptur entscheiden kann so wie am Bodensee, wo er lebt und wo man ihn hofiert.

Er wäre gut beraten, wenn er seinen Laokoon zumindest testweise und erst einmal vorübergehend umsetzen lassen würde auf den Stockholmer Platz — so wie die Stadt es vorgeschlagen hat. Ja, Künstler wollen Konsequenz. Und Peter Lenk ist radikal. Aber in diesem Fall sollte er über seinen Schatten springen.

Stuttgart

Stuttgarter Gemeinderat einigt sich auf Zwischenlösung S21-Skulptur zieht vorübergehend an den Bodensee

Die Statue des Satire-Bildhauers Peter Lenk zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 war Mitte Oktober vor dem Stuttgarter Stadtpalais aufgestellt worden. Nun muss sie umziehen.  mehr...

Stuttgart

Streit um Standort der S21-Polit-Satire Wie geht es mit der Lenk-Statue in Stuttgart weiter?

Der jetzige Standort war von Anfang zeitlich befristet, heißt es beim Stadtpalais, die Statue müsse weg. Künstler Peter Lenk ist darüber erbost. Und S21-Gegner machen eine Demo.  mehr...

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

STAND
AUTOR/IN