Fotografie

Datenschutz als Performance: Florian Mehnert macht Kunst mit Tracking-Daten

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Was bedeutet es wenn sich in Zeiten der Corona-Pandemie die Kommunikation und Rezeption immer mehr ins Digitale verlagern? Darum geht es im Fotoprojekt „Social Distance Stack“ des Freiburger Konzeptkünstlers Florian Mehnert.

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Zum Auftakt der Fotoserie hat er den Landesbeautragten für Datenschutz in Baden-Württemberg mit seinen Mitarbeiter*innen in den Blasen fotografiert, vor dem Hintergrund von Bewegungsprotokollen, die er mit einer Tracking-Software erstellt und visualisiert hat.

Performance des Künstlers Florian Mehnert: Social Distance Stacks (Foto: SWR, Tobias Ignée)
Die Datenschutzbehörde in Stuttgart ist die Kulisse für Florian Mehnerts Fotoshooting. Das Eingangsfoyer ist ausgelegt mit Folie, deren bunte Streifen an einen S-Bahn-Fahrplan erinnern und die Datenströme und Geodaten unsere Handynutzung darstellen – der virtuelle Raum soll so sichtbar gemacht werden. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Auf dieser Folie werden dann Datenschützer*innen einzeln in insgesamt sieben durchsichtigen aufblasbaren PVC-Kunststoffblasen platziert. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Die Gefahr dabei: durch die zunehmende Nutzung von Social-Media, Homeoffice oder Homeschooling, können auch mehr sensible oder personenbezogene Daten in falsche Hände gelangen. Für die Datenschutzbehörde ist das ungewöhnliche Shooting daher weniger eine willkommene Ablenkung vom Büroalltag, sondern viel mehr eine gute Gelegenheit, um auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Florian Mehnert zu seinem Fotosetting: „Einmal sind es die Datenschützer, die den Datenspuren nachgehen, auch in den Corona-Zeiten. Sie gehen den Datenspuren in ihren eigenen Blasen, in ihren Schutzblasen sozusagen nach. Und durch diese Corona-Pandemie ist unsere ganze Kommunikation sich viel stärker in das Digitale verlagert und auch die Rezeption hat sich in das Digitale verlagert.“ Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Spaß in der Blase, auch das geht. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Dass der Landesbeauftragte für Datenschutz Stefan Brink (blaues Hemd) mit seine Kolleg*innen mit macht, hat ein ganz bestimmten Grund: „Wenn man sich auf künstlerische Weise dem Thema nähert, hat man einen ganz anderen Zugang. Das geht sozusagen direkt ins Auge, direkt ins Blut und da muss man häufig gar nicht mehr viel erklären. Es ist nicht nur eine Ergänzung unserer Aufgabe, sondern inzwischen auch ein Teil unserer Aufgabe geworden, auch mit künstlerischen Mitteln auf die Thematik Datenschutz aufmerksam zu machen.“ Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Die Datenschützer tauschen gerne ihren Schreibtisch gegen die Kunststoffblasen mit ihren zwei Metern Durchmesser, einem großen Reißverschluss und genügend Atemluft für mindestens 30 Minuten ein. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen

Bis Ende des Jahres sollen unter anderem Fotos von älteren und jüngeren Menschen und von Musiker*innen des SWR Symphonieorchesters folgen. Die Ergebnisse will Florian Mehnert gegen Jahresende in einer Ausstellung präsentieren.

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