Patrick Angus "Private Show" im Kunstmuseum Stuttgart Expressionist der Schwulen-Szene

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Kulturthema am 1.12.2017 von Lothar Zimmermann

Patrick Angus wollte die schwule Lebenswelt malen. Ihm ging es besonders darum, die Ängste, Sehnsüchte, aber auch die Empfindsamkeit dieser Männer zu zeigen, die sich in den 70er, 80er Jahren in New York eher verstecken mussten. Im Kunstmuseum Stuttgart gibt es die erste Retrospektive dieses US-amerikanischen Künstlers, den in Deutschland und den USA bisher kaum jemand kennt. Das könnte sich jetzt ändern.

Ein Mann steht auf der Bühne. Die Hose hängt fast in den Kniekehlen, den Po streckt er den Zuschauern entgegen. „Boys do fall in love“ lautet der Titel des Bildes. Die Szene spielt im New York der 80er Jahre. Das Acrylgemälde ist eines der Schlüsselwerke von Patrick Angus und steht im Zentrum der Ausstellung. Und ist mit seinen Maßen von ungefähr 1,70 mal 1,20 Metern schon von weitem sichtbar.

"Sofort von der Qualität der Arbeiten begeistert"

Der Stuttgarter Rechtsanwalt und Kunstsammler Andreas Pucher hat es dem Kunstmuseum für die Schau zur Verfügung gestellt: "Ich wollte unbedingt ein Bild von ihm haben für meine Sammlung, weil ich sofort von der großen Qualität der Arbeiten begeistert war, aber auch von der Geschichte. Ich war empört, dass damals der Kunstmarkt dieses Riesentalent, dieses Genie nicht erkannt hat."

In den 80ern war Angus nicht gefragt

Daher ist es Pucher und seinem Lebenspartner, dem Galeristen Thomas Fuchs, ein Anliegen, Patrick Angus posthum bekannt, wenn nicht sogar weltberühmt zu machen. Anfang der 80er Jahre war abstrakte Kunst gefragt, aber nicht die Darstellung von Alltagsszenen, schon gar nicht von schwulem Leben. Es ist die Zeit, in der das HI– Virus entdeckt wird und AIDS nur unzureichend behandelt werden kann.

2011 entdecken Stuttgarter Sammler Angus wieder

Es ist die Zeit, in der Patrick Angus in New York als Künstler lebt und sich selbst infiziert. 1992 stirbt er mit 38 Jahren. Er ist weithin unbekannt, auch wenn der englische Künstler David Hockney bereits Bilder von Angus kauft. Sonst jedoch interessiert sich kaum jemand für sein Werk, bis die beiden Stuttgarter Kunstsammler 2011 auf ihn aufmerksam werden. Der Galerist Thomas Fuchs schwärmt: "Es ist die Suche nach Zärtlichkeit, die in den Arbeiten drin ist, dieses Verlangen nach menschlicher Nähe und das ist etwas was berührt."

Über den schwulen Kontext hinaus

Patrick Angus Bilder gehen über den schwulen Kontext hinaus. Der Maler versteht es die Einsamkeit und Suche der Menschen nach Nähe und Liebe einzufangen und bewegt dadurch. Wie aber kommt Patrick Angus jetzt in das Kunstmuseum Stuttgart? Thomas Fuchs zeigte 2015 und 2016 jeweils eine Patrick-Angus-Ausstellung in seiner Stuttgarter Galerie. Als die Leiterin des Kunstmuseums Ulrike Groos sie besucht, ist auch sie begeistert. Schließlich entscheidet sich Groos dafür, eine umfangreiche Retrospektive zusammenzustellen. Im Mittelpunkt stehen Männer.

Das Kunstmuseum sieht die Ausstellung "Patrick Angus – Private Show" auch als Beitrag zur Diskussion über sexuelle Vielfalt. In Zeiten, in denen Homophobie wieder stärker ans Tageslicht kommt, werben die Gemälde und Zeichnungen von Patrick Angus für Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen. Und damit appellieren sie an den Betrachter, den Mensch hinter der Sexualität zu entdecken und wollen zeigen, dass die Sehnsucht nach Liebe universell ist.

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