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INTERVIEW

Ralf Beil, früherer Leiter des Kunstmuseums Wolfsburg, hat die Leitung des ehemaligen Kohle- und Stahlwerks Völklinger Hütte übernommen. Sein Vorgänger Mainrad Maria Grewenig hatte den traditionsreichen Ort deutscher Industriekultur und UNESCO-Weltkulturerbestätte zu einem vielbesuchten Ausstellungsgelände mit Großevents gewandelt – das gefiel nicht allen.

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Mehr Geschichte wagen

„Ich plane mehr Geschichte und mehr Zukunft“, verrät Ralf Beil über seine Pläne für die Völklinger Hütte. Der Leiter der Weltkulturerbe-Stätte im Saarland trat sein Amt am 1. Mai an und zeigt sich erleichtert, dass er sofort das Ende des Corona-Lockdowns planen kann: „An Tag 10 meiner Amtszeit können wir wieder eröffnen“, verkündet er im Gespräch mit SWR2.

Beil will verstärkt auf die Geschichte des ehemaligen Kohle- und Stahlwerks eingehen, in dem im 2.Weltkrieg auch 12 000 Zwangsarbeiter schufteten. Beil sagt: „Was ich mir ganz fest vorgenommen habe, ist, dass wir hier tatsächlich Geschichte ‚von unten‘ verwirklichen können.“

Eine Brücke in die Zukunft

Zugleich gehe es darum, die Brücke vom Industriezeitalter in die Zukunft zu schlagen. Die Corona-Krise wertet er in dieser Hinsicht als Hinweis, „dass wir von der Industrie sehr wohl abhängig sind. Ohne industrielle Produkte geht gar nichts.“ Das mit Künstler*innen zu zeigen, sei eine spannende Sache.

Zum Thema Großausstellungen in Völklingen, die von der Kulturpolitik zuletzt als massentaugliche Großevents kritisiert wurden, sagt Ralf Beil nur: „Die werden nicht mehr von Gold handeln, sondern mehr von Medien.“

Ralf Beil ist Jahrgang 1965. Er war vor seiner Berufung an die Völklinger Hütte auf der Mathildenhöhe in Darmstadt tätig und bis 2019 Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg.

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