Nein der Mainzer Bürger zur Erweiterung des Gutenbergmuseums Drohender Stillstand

Kommentar am 16.4.2018 von Mareike Gries

Beim ersten Bürgerentscheid in der Mainzer Stadtgeschichte stimmten gut 77 Prozent der Wähler gegen den sogenannten Bibelturm, den geplanten Erweiterungsbau für das Gutenberg-Museum. Kein gutes Zeichen für die Zukunft vergleichbarer Projekte, meint Mareike Gries in ihrem Kommentar.

Große Mobilisierung beim Bürgerentscheid

„Hier ist ja mehr los als bei der Bundestagswahl“. So lautete der erste Satz, den ich aufgeschnappt habe, als auch ich gestern zum Abstimmen ins Wahllokal gegangen bin. So wie 40 Prozent der rund 161.000 stimmberechtigten Mainzer.

Abstimmungen über Architektur sinnvoll?

40 Prozent – immerhin fast so viel wie bei der vergangenen Mainzer Oberbürgermeisterwahl. Und das, obwohl der Begriff „Bibelturm“ bei vielen Mainzern vor wenigen Wochen noch für ein ahnungsloses Schulterzucken sorgte.

Positiv formuliert könnte man sagen, der erste Mainzer Bürgerentscheid war ein voller Erfolg. Aber war er das wirklich? Ist es tatsächlich sinnvoll, den Bürger über Kultur oder Architektur abstimmen zu lassen?

Nicht Kultur gegen Bildung ausspielen

„Spaßprojekt für Kulturbürger“ war auf Plakaten der Gegenseite zu lesen. Das Geld solle lieber für Schulen und Kindergärten ausgegeben werden. Kultur gegen Bildung aufzuwiegen funktioniert aber einfach nicht.

Deshalb gibt es Politiker und Haushalte, um im besten Falle alle Bereiche gerecht zu unterstützen. Und deshalb ist für mich der Bürgerentscheid auch kein voller Erfolg. Sondern eher ein bedenkliches Signal an die Politik.

Drohender Stillstand - nicht nur für das Gutenbergmuseum

Denn wo so soll das hinführen, wenn künftig jeder umstrittene öffentliche Neubau noch nach Ausschreibung, Bürgerbefragung und transparentem Architekturwettbewerb gekippt werden kann?

Die Folge wäre ein totaler Stillstand. Ein Stillstand, wie ihn das Gutenbergmuseum seit Jahrzehnten kennt und wie er nun noch eine ganze Weile andauern wird.

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