Ausstellung

Mysteriöse Geschichten aus der Vergangenheit – der Künstler Marcel van Eeden mit „Drawing Rooms“ in der Städtischen Galerie Karlsruhe

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Marcel van Eeden ist kein Nostalgiker, aber die Vergangenheit übt eine große Faszination auf den niederländischen Künstler aus. „In die Geschichte kann man wie in einem Traum hinein gehen und dort nach Spuren der Vergangenheit suchen“, sagt Marcel van Eeden, der seit 2014 an der Kunstakademie Karlsruhe lehrt. Zu sehen sind seine gezeichneten Bildergeschichten nun in der Ausstellung „Drawing Rooms“ in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

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Ein Fundus an Geschichten wartet darauf, entdeckt zu werden

Marcel van Eeden durchstöbert Archive, Sammlungen und das Internet nach Fotos, Artikeln und Werbeanzeigen. Diese Fundstücke benutzt er dann als Ausgangsmaterial für seine mit Kohlestift gezeichneten Bildergeschichten.

„Für mich ist es mysteriös, dass unter meinen Händen eine Geschichte entsteht, die reine Fiktion ist – aber auf historischem Material beruht.“

Marcel van Eedens Zeichnungen wirken wie Szenen aus einer Graphic Novel

Sobald er festgelegt hat, an welchen Orten die Geschichte spielen soll, sucht der Künstler nach passenden historischen Fotos, die ihm als Vorlage für seine Kohlestift-Zeichnungen dienen können: eine alte Villa, ein Bahnhof, eine Hotel-Lobby, ein Badezimmer, die er dann detailgetreu abzeichnet.

Und er sucht in Zeitungen und Illustrierten nach Gesichtern, die er seinen Protagonistinnen und Protagonisten geben kann. Seine Zeichnungen wirken wie Film-Stills aus Film-Noir-Krimis oder wie Szenen aus einer Graphic Novel.

Allerdings erzählt er keine stringenten Geschichten. Am Anfang versucht man noch, ihnen logisch zu folgen. Aber es kommen immer mehr Personen und Orte dazu, so dass man sich ganz schnell darin verliert. Da helfen auch die kleinen Texte nicht viel weiter, die fast jeder Zeichnung in kleinen Kästen hinzugefügt sind – sie stammen ebenfalls aus historischen Quellen.

Drawing Rooms Städtische Galerie Karlsruhe (Foto: Pressestelle, © Marcel van Eeden, Courtesy Sprüth Magers )
Marcel van Eeden: The Radio Station (2018), Blatt 23 von 28. Pressestelle © Marcel van Eeden, Courtesy Sprüth Magers Bild in Detailansicht öffnen
Marcel van Eeden: Untitled (2022). Pressestelle © Marcel van Eeden, Courtesy Barbara Seiler Bild in Detailansicht öffnen
Marcel van Eeden: Untitled (2022). Pressestelle © Marcel van Eeden, Courtesy Barbara Seiler Bild in Detailansicht öffnen
Raumansicht der Ausstellung „Drawing Rooms“ in der Städtischen Galerie Karlsruhe. Pressestelle © ARTIS-Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
In der Ausstellung „Drawing Rooms“ sind die Arbeiten von Karl Hubbuch und Marcel van Eeden nebeneinander zu sehen. Pressestelle © ARTIS-Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die Vergangenheit übt eine große Faszination auf den niederländischen Künstler Marcel van Eeden aus. Er lehrt seit 2014 an der Kunstakademie Karlsruhe. Pressestelle Lukas Giesler Bild in Detailansicht öffnen

Eine künstlerische Arbeit entlang historischer Vorbilder

In der Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe sind einige dieser Zeichen-Serien zu sehen, aber auch große Gemälde wie zum Beispiel eine monumentale Straßenansicht, die wie eine alte Schwarzweiß-Postkarte wirkt.

Großbürgerliche Häuser, eine Litfaßsäule, schemenhafte Bäume und Menschen. „Karlsruhe, Kriegstraße“ steht darunter. Marcel van Eeden hat diese Stadtansicht nach einer Fotografie aus den 1920er Jahren von Karl Hubbuch gemalt. In der Städtischen Galerie Karlsruhe sind die Werke der beiden Künstler nebeneinander zu sehen, mit kleinen Überschneidungen.

Eine reizvolle Kombination, denn beide Künstler, Hubbuch und van Eeden, haben vor allem gezeichnet und – erst als Professoren, dann als Rektoren – an der Kunstakademie Karlsruhe gearbeitet. Mit fast 100 Jahren Abstand und somit wieder spannendes Material für den geschichtsbegeisterten Künstler Marcel van Eeden.

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Marie-Dominique Wetzel