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Museumsführer | Das Papiermachermuseum in Frankeneck Von der Blaupause bis zum Raumfahrt-Papier

Von Sibille Lozano

Sie war einst das "Papiermacherdorf": die idyllisch gelegene Gemeinde Frankeneck im Pfälzer Wald. Ältere erinnern sich an die Zeit, in der die Papierindustrie den Ort prägte. Im Papiermacher- und Heimatmuseum können die Besucher selbst Papier schöpfen.

Wie Papier mit der Hand geschöpft wird

Mit einer gekonnten Bewegung taucht Günter Klein ein gut 30 Zentimeter großes Schöpfsieb mit Holzrahmen in ein Becken mit trübem Wasser. Langsam bewegt er das Sieb in den Lang- und Kurzfasern, die hier in der Flüssigkeit schwimmen.

Wenn sie sich gleichmäßig auf dem Sieb abgesetzt haben, nimmt Günter Klein den Rahmen ganz behutsam wieder aus dem Becken. Mit Filz wird die Feuchtigkeit aufgenommen, dann wird das handgeschöpfte Papier zum Trocknen aufgehängt.

Vorführung Papierschöpfen im Papiermachermuseum Frankeneck

Vorführung Papierschöpfen im Papiermachermuseum Frankeneck

Höhepunkt jeder Museumsführung: selbst Papier schöpfen

Die Blätter hängen hier mit hölzernen Wäscheklammern an langen Leinen, die kreuz und quer unter der Decke gespannt sind. Selbst mal Papier schöpfen, das ist der Höhepunkt einer jeden Museumsführung.

Günter Klein: "Das ist interessant für ältere Leute und für die Kinder. Es kommen etliche Leute nur deswegen."

Papierindustrie seit 300 Jahren im Pfälzerwald

Seit über 300 Jahren war die Papierindustrie in Frankeneck ein wichtiger Arbeitgeber. Die Familie Goßler aus Böhmen hatte Ende des 18. Jahrhunderts den Rohstoffreichtum des Pfälzer Waldes erkannt und rund um Frankeneck Land gekauft.

Damals gab es nur eine Holzhauersiedlung mit 20 Einwohnern. 1802 gründeten die Goßlers am Ufer des Speyerbachs die erste Papierfabrik des Ortes. Im Museum erinnern Fotos und Dokumente daran.

Vom Handschöpfen zum Maschinen-Giganten

Auf Schautafeln sehen Besucher, wie sich die Papierindustrie im Ort seitdem entwickelt hat: Wie mehr und mehr Land gerodet wurde, weil der neue Industriezweig aufblühte und die Fabrik expandierte.

Parallel dazu änderte sich der Beruf des Papiermachers rasant. Günter Klein zeigt auf das Modell einer Papiermaschine, gut einen halben Meter lang: "Was früher von Hand gemacht wurde, ist jetzt alles Automatik." In der Papierfabrik "Glatz" in Frankeneck ist eine solche Maschine gut 90 Meter lang.

Papiermachermuseum Frankeneck, Papiermaschine

Papiermaschine

Die Glatzianer von Frankeneck

Pro Minute spuckt die Maschine bis zu 1.000 Meter Papier aus. Es gab Zeiten, da waren zwei Papierfabriken im Ort, erzählt Günter Klein. Sie beschäftigten rund 1.400 Menschen – mehr, als der Ort Einwohner hatte.

Heute arbeiten bei "Glatz" noch knapp 400 Menschen. Sie nennen sich "Glatzianer". Zu ihnen gehört auch Marliese Röhle, die Vorsitzende des Museums. Sie ist sich sicher, dass es kaum jemanden im Ort gibt, der nicht wenigstens einen "Glatzianer" in der Familie hat.

Pfälzer Papier auf dem Mond

Papier aus Frankeneck hat es sogar mal auf den Mond geschafft, das braune Kondensatorpapier. Die Firma "Scheufelen", die damals noch in Frankeneck produzierte, belieferte in den 1960er Jahren die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA mit dem schwer entflammbaren Papier aus der Pfalz. Es war damals wohl zu Forschungszwecken mit an Bord der Mondfähre Apollo 11, so die Vermutung.

Heute wird nur noch eine Papiersorte in Frankeneck hergestellt: das Zigarettenpapier.

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