Museumsführer| Jüdisches Museum Gailingen Gailingen - Bezugsort für Juden weltweit

Von Friederike Fiehler

Das Jüdische Museum Gailingen im Kreis Konstanz zeigt, dass sich auch mit ehrenamtlichem Engagement Museumsarbeit auf höchstem Niveau leisten lässt. So die Jury, die das kleine Museum mit dem Extra-Preis des Lotto-Museumspreises Baden-Württemberg ausgezeichnet hat. Eng miteinander verbunden im Museum: Religion und Kulturgeschichte.

Gailingen: die zweitgrößte jüdische Gemeinde

Die Geschichte der Juden in Gailingen beginnt bald nach dem 30-jährigen Krieg. Damals siedelten sich die ersten Familien an. Schnell ist die Gemeinde gewachsen, erläutert Museumleiter Joachim Klose: "Nach Mannheim war Gailingen die zweitgrößte jüdische Gemeinde, noch vor Karlsruhe. Das hinterlässt natürlich Spuren, die sich dann überall auswirken."

Jüdisches Museum in Gailingen Bezugsort für Juden weltweit

Jüdisches Museum Gailingen (Foto: SWR, Verein für jüdische Geschichte Gailingen -)
Die Geschichte der Juden in Gailingen beginnt bald nach dem 30-jährigen Krieg. Damals siedelten sich die ersten Familien an. Schnell ist die Gemeinde gewachsen, erläutert Museumleiter Joachim Klose: "Nach Mannheim war Gailingen die zweitgrößte jüdische Gemeinde, noch vor Karlsruhe." Verein für jüdische Geschichte Gailingen - Bild in Detailansicht öffnen
Joachim Klose hat die Spuren gesammelt und in sieben Themenräumen zusammengefasst. Sie erzählen von vielen jüdischen Familien, die im Ort gelebt haben, von Isaak Neuburg, dem ersten Juden in Gailingen, und von Leopold Hirsch Guggenheim, dem ersten jüdischen Bürgermeister Badens. Verein für jüdische Geschichte Gailingen - Bild in Detailansicht öffnen
Bis in die Details hat der Museumsleiter die Biografien der früheren Einwohner recherchiert. So erschließen sich anhand dieser Lebensläufe die Lebenswelt, Kultur und Bräuche des Judentums. Beispielhaft eine Schere, ein Messer und ein altes Mohel-Buch, in dem der Beschneider die Beschneidungen verzeichnet, die er durchgeführt hat. Jüdisches Museum Gailingen - Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellungsstücke hat Museumsleiter Joachim Klose aus aller Welt bekommen. Von Enkeln und Urenkeln der Gailinger Juden. Für die Nachfahren ist das Museum mittlerweile zum Bezugsort geworden, immer wieder treffen sie sich dort und feiern gemeinsam Feste. Der Raum Purim erinnert an die Errettung der persischen Juden. Im Bild die Menora, der Siebenarmige Leuchter. Verein für jüdische Geschichte Gailingen - Bild in Detailansicht öffnen
Der letzte Raum im Museums ist dunkler, die Fenster sind abgehängt. Hier wird vom Ende der jüdischen Gemeinde erzählt. Auf einem Tisch liegen die Tagebücher des 12-jährigen Heinz Heilbronn, der später der letzte jüdische Abiturient am Gymnasium in Singen war, erläutert der Museumschef: "Für einen 12-Jährigen hat er genau beschrieben, wie hier die Nazis aufgekommen sind." Verein für jüdische Geschichte Gailingen - Bild in Detailansicht öffnen
Der Eingangsbereich des Jüdischen Museums in Gailingen Verein für jüdische Geschichte Gailingen - Verein für jüdische Geschichte Gailingen Bild in Detailansicht öffnen

Geschichten jüdischer Familien in sieben Themenräumen

Joachim Klose hat die Spuren gesammelt und in sieben Themenräumen zusammengefasst. Sie erzählen von Isaak Neuburg, dem ersten Juden in Gailingen und von Leopold Hirsch Guggenheim, dem ersten jüdischen Bürgermeister Badens. Es sind aber auch die kleinen skurrilen Geschichten am Rande. Etwa die von der hochintelligenten Rosa Bloch, deren Arbeit lediglich darin bestand, Mäusefallen zu leeren.

Gailingen: ehemaliges jüdisches Schulhaus - Blick vom Synagogenplatz (Foto: SWR, Verein für jüdische Geschichte Gailingen -)
Das Museum ist untergebracht in der ehemaligen jüdischen Schule. Im Treppenhaus des historischen Gebäudes mit den bunten Glasfenster und einem Dielenboden aus dem Jahr 1845 hängen Porträts von Juden, die in Gailingen gelebt haben. Verein für jüdische Geschichte Gailingen -

Beschneidungsbuch als Quelle der Familiengeschichte

Bis in die Details hat der Museumsleiter die Biografien der früheren Einwohner recherchiert. So erschließen sich anhand dieser Lebensläufe die Lebenswelt, Kultur und Bräuche des Judentums.

Beispielhaft eine Schere, ein Messer und ein altes Mohel-Buch, in dem der Beschneider die Beschneidungen verzeichnet, die er durchgeführt hat. Das Buch ist wichtig, "weil ein Junge eigentlich erst zum Zeitpunkt der Beschneidung, also acht Tage nach der Geburt, einen Vornahmen erhält", so Joachim Klose.

12-jähriger schrieb Tagebuch über den Beginn der Nazizeit

Der letzte Raum im Museums ist dunkler, die Fenster sind abgehängt. Hier wird vom Ende der jüdischen Gemeinde erzählt. Auf einem Tisch liegen die Tagebücher des 12-jährigen Heinz Heilbronn, der später der letzte jüdische Abiturient am Gymnasium in Singen war, erläutert der Museumschef: "Für einen 12-Jährigen hat er genau beschrieben, wie hier die Nazis aufgekommen sind, er beschrieb teilweise minutiös was hier vorgegangen ist."

Museum ist zu einem weltweiten Bezugsort geworden

Die Ausstellungsstücke hat Museumsleiter Joachim Klose aus aller Welt bekommen. Von Enkeln und Urenkeln der Gailinger Juden. Für die Nachfahren ist das Museum mittlerweile zum Bezugsort geworden, immer wieder treffen sie sich dort und feiern gemeinsam Feste: "Vielen kann ich über ihre Vorfahren noch mehr erzählen, als sie selbst wissen. Man denkt dann, irgendwie doch ein kleiner Teil ihrer Familie zu sein, vom eigenen Wissen her."

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