Gespräch

Münchner Ausstellung zu Obdachlosigkeit und Stadtarchitektur – Jede*r kann wohnungslos werden

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Joana Ortmann

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Mit Architektur zur Linderung der Folgen von Obdachlosigkeit beitragen

Obdachlosigkeit erweist sich zunehmend als globales Problem. Die Münchner Ausstellung „Who’s Next? Obdachlosigkeit, Architektur und die Stadt“ wolle zeigen, wie sehr sich das Phänomen ausgebreitet hat, so der Direktor des Architekturmuseums der TU München, Andres Lepik, im Gespräch mit SWR2. „Da hat sich der deutsche Staat auch aus der Verantwortung herausgezogen“, meint Lepik über die Misere, die allein in Berlin fast 50 000 Menschen betrifft.

Architekten könnten zur Linderung von Obdachlosigkeit durchaus beitragen, zum Beispiel durch die Einplanung von Parkbänken als Schlafgelegenheit oder den Bau öffentlicher Toiletten. Einige Modellprojekte, wie die „Vinci-Rast“ in Wien zeigten zudem, dass es möglich sei, auch in denkmalgeschützten Objekten Obdachlose unterzubringen. Der Ansatz in der österreichischen Hauptstadt habe sich „total bewährt“, meint Lepik.

Verlust der Wohnung kann jeden jederzeit treffen

Die Münchner Ausstellung konfrontiere den Besucher damit, dass ihn Wohnungslosigkeit jederzeit treffen könne. „Das geht erstaunlich schnell“, warnt Lepik davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Es brauche dafür nur Krankheit, Jobverlust oder eine Trennung in einer Ehe. Die aktuelle Situation der Obdachlosigkeit sei zwar entmutigend, doch es gelte: „In einer Demokratie müssen auch die Besserverdienenden lernen, wie wir näher zusammenrücken.“

Andres Lepik hat Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Er ist seit 2012 Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der TU München.

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