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Ein Fest für alle Sinne: „Monets Garten“ in der Schleyer-Halle Stuttgart ist ein einziger Farbrausch

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AUTOR/IN
Silke Arning

Die Seerosenbilder des Künstlers Claude Monet sind weltberühmt. In einer 360 Grad-Ausstellung kann das Publikum dank digitaler Technik in die Werke des großen Impressionisten buchstäblich eintauchen, Teil seiner Landschaften werden und dem Maler im Atelier über die Schulter schauen – ein gigantischer Farb- und Sinnesrausch.

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Monet mit allen Sinnen

Claude Monet – ein Künstler stellt sich vor: „Ich war damals erst 17, aber ich wusste, ich möchte Maler werden und so malen wie ein Vogel singt.“ Die Stuttgarter Erlebnis-Schau setzt auf alle Sinne.

Im nachgebauten Garten Monets duftet es sogar nach Lavendel und Seerosen. Vor allem aber sorgt modernste digitale Technik dafür, dass man diesem berühmten Impressionisten, seinen Werken und ihrer Entstehung ganz nah kommen kann.

Monet hat eine ganz eigene Art des Farbspiels

Einen Einblick in Monets Atelier und in sein Schaffen vermittelt der erste Teil dieses Ausstellungserlebnisses. In dem langen Gang hängen mehrere überdimensionale Nachbildungen verschiedenster Seerosenbilder Monets.

Monets Garten in Stuttgart (Foto: Pressestelle, © Lukas Schulze)
Eintauchen in die Werke von Claude Monet – das verspricht die Ausstellung in Stuttgart. Pressestelle © Lukas Schulze

Produzent Nick Hellenbroich deutet auf eine Art Staffelei, die zeigt, welche verschiedenen Fabrschichten Monet benutzt hat. Monet habe die Farben nicht auf der Palette gemischt, sondern sie nebeneinander und übereinander aufgetragen.

„Wir haben diesen Entstehungsprozess animiert, indem wir die verschiedenen Farbschichten immer wieder gezeigt haben und das Ganze zur Musik von Debussy animiert haben“, sagt Hellenbroich. Wie von Geisterhand vermischen sich die Farben, bis das vollständige Bild entsteht.

Spiel von Licht und Farbe

Das Ganze funktioniert auch andersherum: ein anderes Seerosenbild löst sich plötzlich in seine einzelnen Farbpigmente auf und sieht aus wie ein lebendig gewordener Flokati-Teppich.

Und ein drittes lässt sich so stark unter die Lupe nehmen, dass selbst feinste Pinselstriche und Brüche sichtbar werden. Hier wollen man zeigen, was Impressionismus eigentlich bedeute, sagt Nick Hellenbroich, nämlich das Spiel von Farbe und Licht.

Monet sei es nicht um den Gegenstand gegangen, sondern um die Stimmung. „Die wird maßgeblich durch Licht und letztendlich durch Farbe widergespiegelt.“

Monets Garten als Disney-Paradies

Monets Garten – das ist eine raffinierte Mischung aus Show, Animation und vielen Spielereien, um Kunst erlebbar zu machen. Man kann sich in Monets Heuschober hineinfotografieren oder auch Teil der Picknickgesellschaft im Grünen werden.

Man kann seine eigenen Seerosen entwerfen und in einen animierten Seerosenteich platzieren oder auch mit den Bildern tanzen. Monets nachgebautes Gartenhaus aus Giverny, die japanische Brücke, die überall herabhängenden Plastiklianen, die geschwungenen adretten Gartenbänke – das hat was von Disney.

Den Machern geht es darum, Spiel, Spaß und Kunst auf einen unterhaltsamen, ja, auch kommerziellen Nenner zu bringen. 

Ein gigantischer Farb- und Sinnesrausch

Es ist der Höhepunkt dieses etwas anderen Kunsterlebnisses: Eine riesige Halle, alle Wände ringsum sind bespielt, auch der Fußboden löst sich in wechselnde Bilder auf.

Ein gigantischer Farb- und Sinnesrausch, der zunächst tatsächlich ein wenig schwindelig macht. Über 100 Werke Monets werden gezeigt.

Die Szenerie wechselt beständig: Szenen aus Monets Privatleben, dann rollen sich plötzlich Tapeten auf und man steht im legendären Pariser Salon von 1874, der ersten großen Ausstellung Monets.  

Monet sah seine Kunst als Spektakel

Kunstpuristen werden Monets Garten vielleicht als Spektakel kritisieren. Doch fairerweise muss man sagen: Der große Meister Monet hat die Spur selbst vorgegeben.

Auf seinem Grundstück in Giverny ließ Claude Monet ein Atelier bauen, das genügend Platz für seine wandfüllenden Werke bieten sollte. Das Pariser Museé de l`Orangerie tat es ihm nach.

1920 entstanden eigens zwei neue ovale Ausstellungssäle, um die gigantischen Seerosen-Gemälde Monets zeigen zu können – Bilder von einer Breite bis zu 17 Metern, in die das Publikum schon damals ganz analog eintauchen sollte.

Kunst Eine neue Kunst: Fotografie und Impressionismus im Museum Barberini in Potsdam

Die Steilküste von Étretat, der Wald von Fontainebleau oder auch die Metropole Paris. Das alles sind Motive, die man von impressionistischen Malern wie Claude Monet kennt. Tatsächlich wurden die Motive im 19. Jahrhundert aber nicht nur von Malern, sondern auch von Fotografen gewählt. Die Fotografie verfolgte dabei einen ebenso künstlerischen Anspruch wie die Malerei. Während der Himmel auf den Fotografien zu Beginn des 19. Jahrhunderts z.B. noch sehr leer wirkte, wurde dieser in der Mitte des 19. Jahrhunderts nachretuschiert. Viele Fotografien waren an Gemälde angelehnt, weshalb diese teilweise auch bewusst eine leichte Unschärfe haben. Eine Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam zeigt und vergleicht vom 12. Februar bis 8. Mai 2002 die Entwicklungsprozesse von Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert.

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Silke Arning