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Die Stuttgarter Fotoausstellungs-Reihe „Fumes & Perfumes“ findet im Parkhaus statt: Großformatige Prints aus Grenzgebieten zwischen Mode, Werbung und Kunst werden direkt auf die Wände plakatiert. Die mittlerweile siebte Ausgabe passte als Vernissage als Drive-Thru-Veranstaltung im Parkhaus perfekt zu aktuellen Corona-Auflagen.

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Großstadttypische Duftnote

„Fumes and Perfumes“, zu Deutsch: „Abgase und Parfüms“ ist der schöne Titel einer Stuttgarter Fotoausstellungs-Reihe, die viel Mode, Beauty und Glamour zeigt, und das in einem Parkhaus.

Beim Empfang liegt aber nicht nur Motoröl und Duftwasser in der Luft, sondern noch eine ganz andere großstadttypische Note, die vom struppigen Grünstreifen nahe der Einfahrtschranke herüberzieht.

„Pfff - die Hundescheisse!“ lacht Monica Menez. Die renommierte Stuttgarter Modefotografin, eine der Initiatorinnen der Ausstellungsreihe, läuft in schwarzer Robe an der Fahrzeugschlange zum Züblin-Parkhaus in Stuttgart vorbei.

Vernissage per Auto

Sie begrüßt jeden der rund hundert Gäste der Vernissage, die coronabedingt einen besonderen Verlauf nimmt: Der Ausstellungsbesuch findet per Auto statt. Menez reicht Tragetaschen mit Katalog, Audioguide und parfümierten Geschenken in die Fahrzeuge.

„Fumes and Perfumes“ im Züblin-Parkhaus Stuttgart (Foto: Pol Kurucz)
Pol Kurucz Pol Kurucz Bild in Detailansicht öffnen
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Monica Menez Monica Menez Bild in Detailansicht öffnen
Frank und Steff Frank und Steff Bild in Detailansicht öffnen
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Eli Rezkallah Eli Rezkallah Bild in Detailansicht öffnen
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„Fumes and Perfumes“ Fumes and Perfumes Bild in Detailansicht öffnen

Manche Besucher feiern den automobilen Aspekt des Abends durch die Wahl ihres Blechkleids. Ein Ami-Schlitten aus den Tiefen der 70er Jahre rollt vor, außen schwarzer Lack, innen rotes Leder. Noch schnell die Freundin an Bord geholt und nix wie rein in die vermutlich erste und einzige Drive-Thru-Ausstellung weit und breit.

Im Podcast kommentieren zwei fiktive Betrachter locker plaudernd und unterlegt von Elektropop, was man an den Wänden des Parkhauses sieht – meterhohe Prints, direkt auf den Beton tapeziert, meistens Menschendarstellungen, oft grellbunt.

„Es ist oft so, dass kommerziell arbeitende Fotografen in Deutschland nicht so richtig Kunst machen dürfen sollen. Und auch andersrum. Also wenn man Kunstfotograf ist, dann wird einem der werbliche und kommerzielle Aspekt nicht zugetraut. Und vielleicht kämpfen wir auch dafür hier ein bisschen.“

Fotograf Frank Bayh
„Fumes and Perfumes“ im Züblin-Parkhaus Stuttgart (Foto: Frank und Steff)
Frank und Steff Frank und Steff

Frank und Steff zeigen knallrote Bilder, auf denen bizarr gekleidete Männer mit Corona-Symbolen hantieren. Das ist sehr plakativ, doch die Models verkörpern Staatschefs und deren reale Strategien im Umgang mit der Pandemie:

Der mexikanische Präsident López-Obrador versucht, das Virus mit Heiligenbildern zu vertreiben; Brasiliens Bolsonaro schränkt das Zählen der Krankheitsopfer ein, und der turkmenische Alleinherrscher Berdimuhamedow hat den Begriff Corona einfach verboten – und schon ist sein Land offiziell corona-frei.

Die Fotos von Frank und Steff sind also bissige Polit-Satire mit den Stilmitteln von Werbung. So überschreitet „Fumes & Perfumes“ Grenzen. Längst ist die Ausstellungsreihe ein Begriff, jedenfalls im nicht-akademischen Bereich der Autoren-Fotografie.

„Fumes and Perfumes“ im Züblin-Parkhaus Stuttgart (Foto: Pol Kurucz)
Pol Kurucz Pol Kurucz

Stars wie der Brasilianer Pol Kurucz sind dabei oder der junge Berliner Marius Sperlich, der auf Instagram mehr als eine halbe Million Follower hat. Sieht also ganz danach aus, dass der kühne Plan von Monica Menez und ihren Mitstreitern noch aufgehen könnte.

„Wir wollen das alle weitermachen, auch wenn es jetzt nicht gewiss ist, wie lange es noch geht, aber wir wollen das Parkhaus komplett füllen mit Bildern ... und das werden wir, denke ich, auch noch hinkriegen!“

Monica Menez

Die Stuttgarter Fotoausstellungs-Reihe „Fumes & Perfumes“ findet bis Juni 2021 im Parkhaus Züblin-Parkhaus statt.


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