Kunst

Mit Skalpell und Wattestäbchen im Einsatz: ZKM leistet Erste Hilfe für flutgeschädigte Kunstwerke

STAND
AUTOR/IN

Henrike Mall kratzt seit Tagen vorsichtig Schlamm von Kunstwerken aus einem Museum aus Ahrweiler. Die Restauratorin arbeitet in einer provisorischen, zusätzlichen Werkstatt, die das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien eingerichtet hat.

Audio herunterladen (4,2 MB | MP3)

Eine „Erste Hilfe Station“ für flutgeschädigte Kunst

In einer riesigen Lagerhalle hat das ZKM eine provisorische Restaurierungs-Werkstatt eingerichtet. Überall stehen große Arbeitstische, auf denen schlammbeschmutzte Gemälde liegen. Mittendrin die Leiterin der Restaurierungsabteilung Henrike Mall.

Als die flutgeschädigten Kunstwerke aus Ahrweiler vor einigen Tagen in Karlsruhe ankamen, mussten sie also erst einmal fachgerecht getrocknet werden: 35 Gemälde regionaler Künstler*innen und ca. 88 Grafiken in Mappen, die zu kompakten Schlammpaketen verbacken waren.

Die Werkstatt des ZKM ist eine Art „Erste Hilfe Station“. Hier kann nur das Nötigste zur Rettung der Bilder getan werden. An Retuschen oder wirkliche Restaurierung ist noch gar nicht zu denken, denn bei der ersten Hilfe zählt jede Stunde.

Verschlammte Bilder aus Ahrweiler, (Foto: SWR, Marie-Dominique Wetzel)
Bei den verheerenden Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verloren Menschen ihr Leben und ihr Zuhause. Aber auch viele Kulturgüter wurden zerstört oder vernichtet. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Auch wenn das neben den zu beklagenden menschlichen Opfern eher ein untergeordnetes Problem ist – für die Geschichte und Identität einer Region hat es große Bedeutung. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
In besonderem Maß betroffen ist auch die Sammlung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Dort wurde ein Depot geflutet und die eingelagerten Kunstwerke durch Wasser und Schlamm stark beschädigt. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Um die Kunstwerke zu retten, wurden sie in verschiedene Restaurierungswerkstätten verbracht – unter anderem auch ins Zentrum für Kunst und Medien nach Karlsruhe. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen
Die ZKM-Restauratorin Henrike Mall arbeitet gerade an dem Gemälde „Bildnis einer jungen Frau“ von Pit Kreuzberg, einem Maler aus Ahrweiler, der dort 1888 geboren wurde und dem Expressionismus nahestand. Von der jungen Frau sind nur noch die Umrisse des Gesichts und des Oberkörpers sowie ihre Haare zu sehen. Der farbige Hintergrund ist vollkommen ausgewaschen. Marie-Dominique Wetzel Bild in Detailansicht öffnen

Dass alle Kunstwerke gerettet können, scheint unwahrscheinlich

Natürlich ist nicht nur der Schlamm ein Problem, sondern auch das Wasser. Besonders bei Gemälden, die mit wasserlöslichen Farben gemalt wurden. Henrike Mall arbeitet gerade an dem Gemälde „Bildnis einer jungen Frau“ von Pit Kreuzberg, einem Maler aus Ahrweiler, der dort 1888 geboren wurde und dem Expressionismus nahestand.

Von der jungen Frau sind nur noch die Umrisse des Gesichts und des Oberkörpers sowie ihre Haare zu sehen. Der farbige Hintergrund ist vollkommen ausgewaschen. Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Schimmel. Außerdem sind viele Rahmen so aufgequollen, dass man sie gar nicht mehr retten kann.

Viele gute Tipps und Hilfsangebote erreichen das ZKM

Henrike Mall ist sich nicht bei allen Kunstwerken, die aus Ahrweiler in ihrer Restaurierungs-Werkstatt gelandet sind, sicher, ob sie sich noch retten lassen. Dabei wurde schon in Ahrweiler fast ein Drittel der dortigen Gemäldesammlung gleich entsorgt, weil die Bilder völlig zerstört waren.

Auch Henrike Mall und ihr Team stoßen bei diesem Einsatz immer wieder an ihre Grenzen. Doch von überall her kommen inzwischen gute Tipps und Angebote, mitzuhelfen: Von Institutionen sowie von Freiberufler*innen und Studierenden. Henrike Mall arbeitet mit großem Einsatz an der Rettung der Kunstwerke und ist froh, dass sie ihren Teil zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe beitragen kann.

Flutkatastrophe Mainzer Museum restauriert Kunstobjekte aus Ahrweiler

Die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands hat auch das Depot des Stadtmuseums in Ahrweiler getroffen. Um die Objekte möglichst schnell zu versorgen und nach Möglichkeit zu retten, richtete das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) in Mainz innerhalb kürzester Zeit Räumlichkeiten und provisorische Reinigungsstationen ein. Eine fünfköpfige Task-Force setzt nun alles daran, die stark beschädigten und verschmutzten Kulturgüter zu retten.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Künstler helfen Künstlern - Kultur Rhein Neckar e.V. unterstützt hochwassergeschädigte Künstler

Es herrsche eine große Bereitschaft in der Kulturszene, den Künstlern zu helfen, die von der Flutkatastrophe besonders betroffen seien, sagt Eleonore Hefner vom Verein Kultur- Rhein- Neckar. Immer mehr Künstler böten dem Verein eigene Werke an, die dann gegen eine Spende abgegeben würden. Mit dem Geld könne man zwar kein zerstörtes Lebenswerk ersetzen, aber es sei wichtig, dass man Solidarität und Anteilnahme zeige.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Ahrweiler, Antweiler, Altenahr, Schuld, Insul, Bad Neuenahr-Ahrweiler

SWR-Datenanalyse zur Flutkatastrophe an der Ahr Noch 2 Vermisste - Aktuelle Daten und Fakten

Mehr als 130 Tote, Tausende sind obdachlos. Hunderte Gebäude sind weggerissen. Satellitenbilder zeigen annähernd, wie groß die Zerstörung an der Ahr ist. Eine SWR-Datenanalyse.  mehr...

STAND
AUTOR/IN