Gespräch

Meron Mendel über die Antisemitismusdebatte bei der Documenta: „Es gibt bis heute eine linke jüdische Denktradition“

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INTERVIEW
Christian Batzlen

„Die jüdische Tradition ist in ihrer DNA pluralistisch“, sagt Meron Mendel im Gespräch mit SWR2 Kultur Aktuell. Der Versuch von Maxim Biller eine linke jüdische Denktradition als nicht jüdisch darzustellen sei ein klassisch hegemonialer Versuch, die eigene Meinung als die einzig legitime darzustellen, sagt Meron Mendel. Das widerspreche jahrtausendealten Traditionen.

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Schon bei der Talmud-Interpretation gibt es den Begriff der „machloket“, also einer konstruktiven Kontroverse verschiedener Rabbiner, auch wenn das den Leser manchmal verwirrt. „Vielleicht können wir heute aus dieser Tradition etwas lernen“ meint Mendel im Hinblick auf die Kontroversen um Emily Dische-Becker, Eva Menasse oder die antisemitischen Kunstwerke bei der Documenta.

Kulturmedienschau vom 26.7.2022 Debatte um Maxim Billers Angriff auf Eva Menasse

Der Autor Maxim Biller hatte in der Süddeutschen Zeitung scharfe Kritik an einem Text von der Schriftstellerin Eva Menasse geübt und ihr antisemitische Tendenzen vorgeworfen. An Billers Text hatte es wiederum Kritik in den sozialen Medien gegeben: Sein Angriff gegen Menasse sei persönlich motiviert, frauenfeindlich und paternalistisch. Heute antwortet Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, auf die Debatte. Außerdem läuft die junge Generation Sturm gegen die aktuelle Jane-Austen Adaption „Persuasion“ auf Netflix. Das Feuilleton versucht zu erklären, warum.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Forum Zwischen Kunst und Skandal – Was zeigt der Streit um die Documenta?

Die diesjährige Documenta sorgt seit Wochen für Diskussionen. Das Kuratoren-Kollektiv präsentiere Politik-Aktivismus statt Kunst, so die Kritik. Außerdem steht der Antisemitismus-Vorwurf im Raum: Unter den eingeladenen Künstlern sei keine einzige israelische Position, bemängeln vor allem Vertreter jüdischer Organisationen.
Was ist dran an dem Antisemitismus-Vorwurf? Und inwiefern unterscheidet sich die diesjährige Documenta von den Ausgaben der vergangenen Jahrzehnte?  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Gespräch Wer ist Jude und wer nicht? Meron Mendel über den Streit um das Judentum in Deutschland

Wer ist Jude und wer nicht? Der Schriftsteller Maxim Biller beklagt sich über einen neuen Chic, als jüdisch gelten zu wollen, und attackierte bei einer Diskussion seinen Autoren-Kollegen Max Czollek, der einen jüdischen Großvater hat, nach orthodoxer Vorstellung aber nicht als jüdisch gilt, weil nach diesem Verständnis die jüdische Abstimmung über die Linie der Mutter bestimmt wird. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte davor gewarnt, mit der Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben wie mit einem „Modetrend“ umzugehen.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Gespräch Skandal auf der documenta – „Antisemitismus ist nicht kontextabhängig“

Es sei enttäuschend, dass die documenta die antisemitischen Darstellungen als kulturspezifische Interpretation bezeichnet, sagt die Kulturwissenschaftlerin Andrea Geier von der Universität Trier. Vielmehr müsse man jetzt fragen, wieso antisemitische Bildtraditionen auftauchen konnten. Dass das Banner mehrmals so habe ausgestellt werden können, verweise auf eine erschreckende Ignoranz im globalen Kunstraum.  mehr...

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Christian Batzlen