Works of art by Max Beckmann are on display at the Max Beckmann exhibition at The Metropolitan Museum of Art on October 17, 2016 in New York City. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / newscom | JOHN ANGELILLO)

Kunstmarkt

Rekord-Versteigerung von „Selbstbildnis gelb-rosa“: Das macht die Kunst von Max Beckmann so wertvoll

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AUTOR/IN
Franziska Kiedaisch

Es ist in der Welt der Kunst eine Sensation: Für einen Rekordpreis von 20 Millionen Euro ist das „Selbstbildnis gelb-rosa“ von Max Beckmann am 1.12. versteigert worden. Damit ist es das teuerste Kunstwerk, das jemals in Deutschland unter den Hammer kam. Doch was macht die Arbeiten von Max Beckmann so wertvoll?

Max Beckmann: Selbstbildnis in gelb-rosa (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/Grisebach GmbH/Pedrini Photography)
Erreichte das bisher höchste Ergebnis für ein Kunstwerk bei einer Auktion in Deutschland: Das „Selbstbildnis gelb-rosa“ von Max Beckmann. picture alliance/dpa/Grisebach GmbH/Pedrini Photography

Weltweit gefragt: Kunst von Max Beckmann

Max Beckmann ist das, was man gemeinhin ein Schwergewicht der Kunstszene nennen kann: Der 1884 in Leipzig geborene Künstler ist derzeit in aller Munde. Kunstsammler*innen, Händler*innen und Museen reißen sich um verkäufliche Werke, Auktionshäuser rufen für seine Bilder Rekordpreise im Millionenbereich auf. Zahlreiche Ausstellungen zum Werk und Leben des Malers zeugen von seiner Beliebtheit beim Publikum. Erst kürzlich eröffnete mit „Departure“ in der Münchener Pinakothek der Moderne eine große Beckmann-Ausstellung.

„Beckmann ist nicht nur einer der bedeutendsten und berühmtesten, sondern eben auch einer der populärsten und auf dem Kunstmarkt höchstbewerteten Künstler.“

Erst unterschätzt, jetzt im Rampenlicht des Kunstmarktes

Nun schreibt sein „Selbstbildnis gelb-rosa“ aus dem Jahr 1943 Geschichte: Für einen Rekordpreis von 20 Millionen Euro ist es am 1.12. beim Berliner Auktionshaus Grisebach versteigert worden. Noch nie zuvor wurde eine höhere Summe innerhalb einer Auktion in Deutschland aufgerufen. Zuvor hatte das Auktionshaus das Bild auf 23 Millionen Euro geschätzt.

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Mit einem Preis im zweistelligen Millionenbereich ist das Selbstporträt Beckmanns nicht mehr weit entfernt von den Erlösen, die bereits auf dem internationalen Kunstmarkt für seine Bilder erzielt werden. Ein Trend, der sich seit geraumer Zeit beobachten lässt: 2001 erzielte bereits ein anderes Selbstporträt Beckmanns, das „Selbstbildnis mit Horn“ aus dem Jahr 1938, in New York einen Preis von umgerechnet rund 23 Millionen Euro. Das Auktionshaus Sotheby's rechnete im Vorfeld selbst nicht mit einem solchen Erfolg – und hatte das Bild auf maximal zehn Millionen Dollar geschätzt.

Max Beckmann: Selbstbildnis mit Horn (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / akg-images)
Umgerechnet rund 23 Millionen Euro: 2001 erzielt das „Selbstbildnis mit Horn“ (1938) von Max Beckmann bei Sotheby's New York einen Rekordpreis. Gekauft hat es Ronald Lauder für seine Neue Galerie New York. picture-alliance / akg-images Bild in Detailansicht öffnen
Umgerechnet rund 41 Millionen Euro: 2017 wird im Londoner Auktionshaus Christie’s das Beckmann-Gemälde „Hölle der Vögel“ (1937) versteigert. Es ist bis jetzt das teuerste Kunstwerk eines deutschen Expressionisten. imago/Bettina Strenske Bild in Detailansicht öffnen
4,7 Millionen Euro: 2018 wird beim Berliner Auktionshaus Grisebach das Porträt „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ versteigert – das war vor der aktuellen Versteigerung der bislang höchste Preis, der innerhalb Deutschlands für einen deutschen Künstler aufgerufen wurde. Soeren Stache/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Vier Millionen Euro: 2020 kauft die Kunsthalle Hamburg das „Selbstbildnis Florenz“ (1907) aus dem Nachlass Beckmanns. Es sei das teuerste Gemälde, das die Kunsthalle je erworben habe, hieß es. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
871.000 Euro: Die Gouache „Löwenbändiger“ (1930) wird im Zusammenhang mit dem Schwabinger Kunstfund 2012 bekannt. 2011 lässt Cornelius Gurlitt sie als Erbe seines Vaters durch das Auktionshaus Lempertz in Köln versteigern. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Nicht genannter Preis: 2020 erwirbt das Städel Museum in Frankfurt Beckmanns „Selbstbildnis mit Sektglas“ (1919). Zuvor besaß das Museum das Werk als Leihgabe. Boris Roessler/dpa Bild in Detailansicht öffnen

Beckmann-Gemälde „Hölle der Vögel“ ist teuerstes Werk eines deutschen Expressionisten

2017 wurde im Londoner Auktionshaus Christie’s das Gemälde „Hölle der Vögel“ (1937) für rund 41 Millionen Euro versteigert. Damit ist das Bild, das als Anspielung auf den Nationalsozialismus zu verstehen ist, das teuerste Kunstwerk eines deutschen Expressionisten.

Händler*innen und Auktionshäuser orientieren sich selbstredend an solchen Preisen. Das „Selbstbildnis gelb-rosa“ steht auch im Rampenlicht des Kunstmarktes, weil Beckmann inzwischen als Garant für hohe Preise gilt. Oliver Kase, Kurator der aktuellen Beckmann-Ausstellung „Departure“ an der Münchner Pinakothek der Moderne, erläuterte im Vorfeld der Versteigerung gegenüber SWR2:

„Die Summe, die aufgerufen wird, zeigt einerseits natürlich den Stellenwert von Beckmann und ist andererseits gerechtfertigt dadurch, dass die großen Werke aus dieser Zeit, aus den Vierzigerjahren, die in den letzten Jahren versteigert wurden, vergleichbare Summen erreicht haben.“

Max Beckmann (Foto: IMAGO, imago/Bettina Strenske)
„Die Hölle der Vögel“ von 1937 gilt als Allegorie auf die Schrecken des Nationalsozialismus und ist damit ein Werk von herausragender zeitgenössischer Bedeutung. imago/Bettina Strenske

Die Begeisterung für Beckmann hat mehrere Gründe

Bei Beckmann kommt einiges zusammen, was den Kunstmarkt freut: Ein vielgestaltiges Oeuvre, das nicht allein einer Kunstrichtung zugerechnet werden kann, sondern sowohl ein impressionistisches Frühwerk als auch die bekannten expressionistischen, bunt-figürlichen Arbeiten beinhaltet. Die politische Brisanz seiner Kunst, die Beckmann als so genannter „entarteter Künstler“ ab 1937 aus dem Exil heraus entstehen ließ. Und schließlich der Umstand, dass viele der nun verkauften Bilder zum ersten Mal auf den Kunstmarkt kommen.

Auch das „Selbstbildnis gelb-rosa“, das 1943 im Amsterdamer Exil entstand, befand sich vor der Versteigerung in Privatbesitz und stand nun erstmals zum Verkauf. Ersteigert wurde es nach Angaben des Auktionshauses von einer Sammlung in der Schweiz.

Geschichte des Werks von großer Bedeutung

Zum Kauf stehende Beckmann-Selbstporträts sind eine Rarität, ihre Entstehungsgeschichte bietet einen weiteren Kaufanreiz: Die künstlerische Adaption der dunklen deutschen Vergangenheit gilt unter Kunstmarktexperten auch als ein möglicher Grund für die internationale Beckmann-Begeisterung. Die außergewöhnliche und unverwechselbare Bildsprache Beckmanns, mit der er die Grauen des Nationalsozialismus und seine persönlichen Erfahrungen auf oftmals farbintensive und holzschnittartige Weise zu fassen suchte, begeistert kunstaffine Menschen auf der ganzen Welt.

Ein allgegenwärtig spürbarer Investitionswille und eine damit einhergehende neue, jüngere und breitere Käuferschaft auf dem Kunstmarkt sind weitere Gründe für die teils exorbitanten Preise, die Kunstbegeisterte für Arbeiten von Max Beckmann inzwischen bezahlen.

Auktionator Markus Krause, der das Selbstbildnis Beckmanns am 1.12. unter den Hammer gebracht hat, erklärt den hohen Preis, den das Bild erzielt hat, wie folgt:

„Es hat eine solche Präsenz, es hat eine solche Ausstrahlung, es hat so eine Ruhe und so eine Selbstbewusstheit des Künstlers, die hier rüberkommt. Er ist tatsächlich wie so ein Fürst, der aber quasi nicht über die Welt herrscht, sondern eigentlich über sich selbst.“

Ausstellung in der Pinakothek der Moderne Reisen: Das Leitmotiv in Max Beckmanns Leben

Max Beckmann war „ein Wanderer, ein Flaneur, ein Exilant“, deshalb ziehe sich das Reisen und der Aufbruch wie ein roter Faden durch sein Werk, sagt Oliver Kase. Er kuratiert die Ausstellung „Departure“ an der Münchner Pinakothek der Moderne. Ganz bewusst will die Ausstellung Anknüpfungspunkte an unsere Gegenwart mit Krieg und Flucht nutzen, um das Werk eines der beliebtesten und bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne neu zu erschließen.

SWR2 am Morgen SWR2

Kunsthandel 20 Millionen für Beckmanns „Selbstbildnis gelb-rosa“

Für 20 Millionen Euro wurde Max Beckmanns „Selbstbildnis gelb-rosa“ versteigert. Noch nie ist ein Kunstwerk in Deutschland zu einem so hohen Preis versteigert worden. Gekauft hat das Bild ein Sammler aus der Schweiz, um wen es sich dabei genau handelt gibt das Auktionshaus Grisebach nicht bekannt.

SWR2 am Morgen SWR2

Kunstmarkt Max Beckmann-Selbstbildnis geht in Berlin für 23 Millionen Euro in Auktion

Mit Max Beckmanns „Selbstbildnis gelb-rosa“ steht der Kunstmarkt vor einer spektakulären Auktion in Berlin. Das 1943 entstandene Werk des Malers und Bildhauers hat nach Angaben vom 21. Oktober einen Schätzwert von umgerechnet gut 23 Millionen Euro.

Netzkultur Zocken wie die Kunstprofis - das Online-Spiel „Fantasy Art Collecting“

Jede und jeder kann sich einen Picasso leisten. Das ist mit „Fantasy Art Collecting“ möglich, einem Online-Spiel, das Einblicke in den Kunstmarkt ermöglicht. Mit einem fiktiven Budget von 400 Millionen Dollar kann man aus ausgewählten Kunstwerken von den größten Kunstauktionshäusern wie Christie´s, Sotheby und Philipps eine eigene Sammlung bilden. Wer die in den echten Kunstauktionen besten verkauften Kunstwerke in seiner Sammlung hat, gewinnt 100 Dollar.

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Gespräch Kunstmesse Art Basel öffnet für Publikum: Die Geschäfte laufen trotz Krieg

Der Kunstmarkt boomt – trotz des Kriegs in der Ukraine und der Inflation. Das berichtet die ARD-Korrespondentin Kathrin Hondl von der Art Basel, die am Donnerstag auch für das allgemeine Publikum öffnet. Von den Galerien höre sie, dass trotz zwei Jahren Corona-Pause und diverser Krisen eigentlich „alles wie immer sei“. Auch der russische Angriff auf die Ukraine spiele auf der Messe selbst keine große Rolle, erzählt Hondl. Es gebe kaum eingeladene Kunstsammler, die auf Sanktionslisten stünden, hatte die Messeleitung vorab erklärt. Aber selbst die könnten ja weiterhin über Strohmänner Kunst shoppen.
Mehr Platz wird dem Krieg auf den Veranstaltungen rund um die Art Basel eingeräumt. Pussy Riot haben gerade erst in Basel ein Konzert gegeben, die Messehalle wird von außen mit Fotografien des ukrainischen Künstlers Boris Mikhailov angeleuchtet. Auf der Messe selbst aber habe „nicht jedes Bild einen blau-gelben Rahmen.“

SWR2 am Morgen SWR2

Leben Und plötzlich Galeristin - Ein Erbe führt auf neue Wege

Bettina Winkler hat, obwohl sie nie Galeristin werden wollte, die Galerie ihrer verstorbenen Mutter übernommen. Eine Herausforderung über die sie mittlerweile froh ist.

SWR2 Leben SWR2

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Franziska Kiedaisch