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Das neue Mark Twain Center für Transatlantische Beziehungen in Heidelberg zeigt seine erste eigene Ausstellung über: Mark Twain „Travel is fatal zu prejudice – Reisen ist tödlich für Vorurteile“. Im Mittelpunkt steht dessen Aufenthalt am Neckar im 19. Jahrhundert, aber auch seine Neugier auf das Fremde und einen offenen Blick darauf.

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Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf Weltreise

In Deutschland ist Mark Twain vor allem als Schöpfer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt, aber tatsächlich war er vor allem ein Reisebuchautor. Insgesamt zwölf Jahre seines Lebens war er unterwegs.

Tom Sawyer am Rhein: Ausstellung „Travel is fatal zu prejudice – Mark Twain in Heidelberg“ ehrt den Schriftsteller

Ausstellungseinblick (Foto: SWR, Martina Senghas)
Am 30.11.1835 geboren in Florida, Missouri, zieht er 1839 mit der Familie nach Hannibal, Missouri um. 1853/54 arbeitet er als Drucker u.a. für eine deutschsprachige Zeitung in St. Louis. Martina Senghas Bild in Detailansicht öffnen
Mark Twain kommt nach Heidelberg um zu schreiben und um die Sprache zu lernen. Für ihn ist Heidelberg „das Höchstmögliche an Schönheit“. Martina Senghas Bild in Detailansicht öffnen
Am 21.4.1910 stirbt Mark Twain an Herzversagen nach einer Reise zu den Bermuda-Inseln in Redding, Connecticut. Martina Senghas Bild in Detailansicht öffnen
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„Er war ein Weltreisender und hat schon als Junge seiner Mutter erzählt: I need to move, to move. Das war sein Impuls. Und Europa hat es ihm besonders angetan.“

Uwe Wenzel, Leiter des Mark Twain Center für Transatlantische Beziehungen.

Dass der Weltreisende und Europaliebhaber der Mittelpunkt der ersten Ausstellung des Centers ist, liegt zunächst daran, dass er insgesamt drei Monate in Heidelberg gelebt hat und die Stadt immer wieder in seinem Bestseller „A tramp abroad“ auftaucht.

Heidelberger Impressionen eines Yankees

Das 1880 erschienene Reisebuch sei so etwas wie eine szenische Collage, erklärt Wenzel weiter. Das seien keine großen Verbindungen, sondern Twain besuche Orte, um Menschen zu beschreiben. Diese Beschreibungen sind – typisch Mark Twain – äußerst vergnüglich und oft leicht spöttisch. Aber, so Uwe Wenzel, sie führten einem auch immer vor Augen, dass wir unsere Sichtweisen von anderen Menschen häufig mal in Frage stellen sollten.

Die Ausstellung zeigt viele Auszüge von Twains Texten, ergänzt durch reichhaltiges Bild- und anderes Informationsmaterial. Auf große Tafeln gezogen, kann man sich beim Vorbeischlendern ins Lesen vertiefen. Zum Beispiel in die Szene mit der Floßfahrt auf dem Neckar:

„Auf dem Floß fallen ihm die vielen Arbeiter am Neckarufer auf, die zu diesem Zeitpunkt die erste Eisenbahn durchs Neckartal gebaut haben“, erläutert Uwe Wenzel, „und zu seiner großen Überraschung sind das ja Italiener.“

In seinem Buch komme Mark Twain auf die Szene zurück: „In unserem Land hegen wir die Vorstellung, dass Italiener niemals schwere Arbeit verrichten, sondern sich auf leichtere Künste beschränken wie Leierkastendrehen, Operngesang und Mord.“

Mit dieser Art zu schreiben, hat Mark Twain übrigens ein Vermögen gemacht und wurde zur Berühmtheit, auch das erfährt man nebenbei.

Das geplante Begleitprogramm zur Ausstellung kann Corona-bedingt nicht stattfinden, in Zusammenarbeit mit der Julius-Springer-Schule Heidelberg entstand jedoch ein Video über den berühmten Heidelberg-Besucher.

Die Ausstellung „Travel is fatal to prejudice — Mark Twain in Heidelberg“ läuft vom 19.6.-18.10.2020 im Mark Twain Center für Transatlantische Beziehungen in Heidelberg.

Schecks Bücher | Folge 20 Mark Twain: Huckleberry Finn

Der 14-jährige Huckleberry Finn will sich der Welt nicht anpassen. Er flieht. Seine Abenteuer mit dem entlaufenen Sklaven Jim sind legendär. Mark Twain macht beide zum Sinnbild eines alle Rassenschranken überwindenden Amerikas.  mehr...

Zeitwort 20.2.1892: Mark Twain trifft Kaiser Wilhelm II.

Später schrieb der Kaiser: „Richten Sie Mr. Twain meine Grüße aus. Fragen Sie ihn, ob er sich an unser Essen erinnert und warum er so wortkarg war.“  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

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