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Unter dem Titel „Muy Mucho“ zeigt das Ludwig Museum Koblenz Werke von Janus Hochgesand. Der in Dierdorf im Westerwald geborene Künstler ist eine Entdeckung. Für das Ludwig Museum hat er eigens Ölgemälde entworfen, die mit ausgewählten Arbeiten der Sammlung und der europäischen und amerikanischen Avantgarde der Nachkriegszeit korrespondieren. Eine künstlerische Intervention, die verblüfft.

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Sehr viel Farbe

„Muy mucho“ heißt soviel wie „sehr viel“. Der Titel passt gut, denn Janus Hochgesand verwendet sehr viel Farbe. Die Gegenüberstellung seiner abstrakten Formate mit Werken der ständigen Sammlung des Ludwig Museums ist beeindruckend. Hochgesand zählt als 40-Jähriger noch zu der jüngeren Generation zeitgenössischer Künstler – seine großformatigen Ölgemälde hängen jetzt in direkter Nachbarschaft zu Jasper Jones, Frank Stella oder Anselm Kiefer. Eine Ehre, sagt Janus Hochgesand. Er nennt seine farbintensiven Arbeiten „High Intensity Paintings“, einzelne Titel gibt es nicht.

Janus Hochgesand (Foto: SWR, Natali Kurth)
Janus Hochgesand interveniert in der Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz mit Werken der ständigen Sammlung. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Zum Beispiel mit diesem Bild von Anne-Marie Pécheur: ohne Titel, 1980, Collage, Ölfarbe auf Leinwand, im Ludwig Museum Koblenz. Natali Kurth, VG-Bild Kunst, Bonn Bild in Detailansicht öffnen
„High Intensitiy Painintings“ heißen die Arbeiten von Janus Hochgesand. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Die Ölgemälde von Janus Hochgesand entstehen, in dem er mit seinen Schuhen die Farbe verteilt. Darauf streut er Pigmente. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Einige Bilder wirken wie turbulente Wasserlandschaften. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Die Gegenüberstellung seiner abstrakten Formate mit Werken der ständigen Sammlung des Ludwig Museums ist beeindruckend. Im Bild: Janus Hochgesand und Kustodin Suzana Leu vor „Docteur Krokenbière" von Robert Combas. Natali Kurth, VG-Bild Kunst, Bonn Bild in Detailansicht öffnen

Turbulente Wasserlandschaften

Intensive blaue und türkisfarbene Töne überwiegen. Durch den teils pastosen, teils aquarellierten Auftrag der Farbe, wirken die Bilder wie turbulente Wasserlandschaften. Aber es gibt auch rote, rosafarbene oder gelbe Akzente, die eher an Lava erinnern. Janus Hochgesand hört beim Malen Musik — und tanzt förmlich Wege in seine abstrakten Kreationen.

Eine Maltechnik wie die Mischung aus Tennis und Jive

In seinem Atelier liegt die Leinwand auf dem Boden. Hochgesands Beschreibung seiner Maltechnik klingt wie eine Mischung aus Tennis und Jive: „ Mein erster Aufschlag ist, mit der Farbtube in der linken und rechten Hand auf das Bild zu treten und Farbflecken zu produzieren. Ich benutze keine Pinsel, sondern mein Instrument ist mein Körper. Oder meine Schuhe. Dann gehe ich nach diesen gesetzten Farbflecken mit den Schuhen drauf, und dann fange ich an, auf der Fläche zu tanzen.“

Sneakers statt Pinsel

Wie der große Künstler des Informel, K.O.Götz, benutzt Janus Hochgesand statt eines Pinsels lieber Besen oder aber – seiner Generation treu – einfach Sneakers.

„Es geht darum, eine bestimmte Energie auf das Bild zu bekommen. Es geht um Farbharmonien. Es geht darum, die Energie, die man an dem Tag hat, auf die Arbeit zu bringen.“

Blau-türkiser Blockbuster gegen filigrane Tapete

So entstehen zuweilen verblüffende farbliche Korrespondenzen. Etwa zu der Collage der französischen Künstlerin Anne-Marie Pécheur aus dem Jahr 1980. Während sich ihre Arbeit, wie eine filigrane Tapete über Wand und Boden des Museums ergießt, antwortet Janus Hochgesand mit einem Statement aus narrativen Farbverläufen in einem blau-türkisen Blockbuster: eine unbewusste Aktion, sagt der Künstler.

Die unbewussten Arbeiten sind im Nachhinein die Besten — sie sind ehrlich und authentisch. So wie Janus Hochgesand, der zuweilen staunend vor seinen eigenen Werken und deren offensichtlich eigenständigem Dialog mit den Held*innen der europäischen Avantgarde steht.

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