Heimatgeschichte

Eine Dorfkneipe als Puppenhaus: Künstlerduo baut Eifler Lokal im Mini-Format wieder auf

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AUTOR/IN
Hannegret Kullmann

Fünfzig Jahre lang war die Kneipe „Ohlers Ännchen“ eine Institution in der Eifel-Gemeinde Burgbrohl. Heute ist sie spurlos verschwunden. In einem partizipativen Kunstprojekt hat das Wiener Künstlerduo Claudia Antonius und Jörg Jozwiak, alias das „Institut für Intersinnforschung“, den verschwundenen Ort wieder auferstehen lassen. Auf der Grundlage von Interviews baute das Künstlerduo ein Architekturmodell – der Versuch, einen Raum anhand von Erinnerungen künstlerisch zu rekonstruieren.

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Wie war das damals in der Dorfkneipe?

Im Format einer Puppenstube haben Jörg Jozwiak und Claudia Antonius das frühere Lokal „Ohlerts Ännchen“ nachgebaut — mit vergilbter Tapete, Bildern an den Wänden, winzigen Tischen und Stühlen und einem Tresen. 50 Jahre lang war die Kneipe in Burgbrohl eine Institution, wechselte immer wieder Betreiber und Namen. Heute stehen an ihrer Stelle zwei Wohnhäuser.

Kneipe „Ohlers Ännchen“ als Architekturmodell (Foto: SWR, Hannegret Kullmann)
Die Kneipe „Ohlers Ännchen“ als Architekturmodell Hannegret Kullmann

Die Erinnerung kann trügen

Um den Innenraum rekonstruieren zu können, führten sie Interviews mit Einheimischen, erzählt Jörg Jozwiak: „Wir wollten nicht allzu viele Anekdoten, und wir wollten Architektur. Wir arbeiten ja auch mit dem Phänomen der Erinnerung und wie sich Erinnerungen in dreidimensionalen Strukturen realisieren lassen.“

Bei ihren Nachfragen erhielt das Künstlerduo „Institut für Intersinnforschung“ unterschiedliche, zum Teil auch widersprüchliche Antworten. Zum einen veränderte sich die Innenausstattung der Schankstube im Laufe der Jahre. Zum anderen ist die räumliche Wahrnehmung und die Erinnerung daran extrem subjektiv: „Die Atmosphäre war glaube ich der einzige Punkt, wo sich alle über die Jahrzehnte hinweg einig waren: dunkel und verraucht“, erzählt Claudia Antonius.

Zeitgenössische Kunst für Burgbrohl und seine Einwohner*innen

Sie bildeten eine Art Schnittmenge aus den gesammelten Informationen. In filigraner Handarbeit bauten sie dann das Modell, das „Ohlerts Ännchen“ in den fünfziger Jahren darstellen soll. Dafür recherchierten sie im Internet, wie Zapfhähne und Garderobenhaken damals aussahen und bastelten einen Großteil der Ausstattungselemente nach.

Mit der Rekonstruktion der verschwundenen Dorfkneipe wollen Claudia Antonius und Jörg Jozwiak der Erinnerungsarbeit in Burgbrohl einen Impuls geben. Neben dem Modell zeigen sie auch fotografische Blicke ins Innere, die die verqualmte und schummerige Atmosphäre wiedergeben sollen. Außerdem werden Ausschnitte aus den Interviews zu hören sein.

Die Ausstellung „Waren wir da?“, wo das ganze Projekt vorgestellt wird, ist im Kunstpavillon Burgbrohl bis zum 22.11.2021 zu sehen.

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