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Insbesondere Museumsdirektoren hätten mit Tricks dafür gesorgt, dass die Debatte vergessen wurde, sagt Bénédicte Savoy über die bereits in den 1970er und 1980er Jahren präsente Diskussion in Europa um Rückgabe von Kulturgütern an die ehemaligen Kolonien. Die Kunsthistorikerin beschreibt diese Zeit in ihrem Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst“.

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Bei ihren Recherchen seien ihr Argumentationsmuster begegnet, erzählt Bénédicte Savoy, die sich über die Zeit hinweg bis heute ähnelten: Die Museumsdirektoren der 1970er Jahre hätten ihre Bestände als Form der nationalen Behauptung gesehen. Man habe sein „nationales Prestige“ nicht abgeben wollen.

Eine weitere Perspektive sei die der Wissenschaft — die in der Überzeugung, nur in vollständigen Serien existieren zu können, behaupte: „Wenn Sie innerhalb von einer Serie von 1.000 Waffen 50 zurückgeben, dann ist Ihre Serie kaputt und Sie können keine gute Wissenschaft mehr machen.“

Auch heute noch lebten manche Museen „in diesem Saft“. Savoy blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: „Es werden weitere wichtige Schritte folgen. Zumal die Debatte und die Forderungen zum zweiten Mal kommen. Ich glaube nicht, dass man den Boomerang noch einmal ignorieren kann.“

Benin-Bronzen: Webseite listet erstmals die betroffenen Raubkunst-Objekte auf

Nach der umstrittenen Einigung zwischen Deutschland und Nigeria über eine „substanzielle“ Rückgabe der Benin-Bronzen im April 2021, sind nun zum ersten Mal alle Informationen zu den betroffenen Museumsobjekten auf einer Webseite aufgelistet und öffentlich zugänglich.  mehr...

Stuttgart

Ausstellung „Schwieriges Erbe - Linden-Museum und Württemberg im Kolonialismus“ - Aufarbeitung im eigenen Haus

Der deutsche Kolonialismus fand nicht nur in afrikanischen Ländern, sondern auch in Deutschland statt. Zum Beispiel in Stuttgart und in Württemberg. Das Linden-Museum will nun die Geschichte des eigenen Hauses aufarbeiten.  mehr...

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Gespräch Debatte um koloniales Erbe: Es bleibt bei guten Absichten

Einerseits sei schon ein neues Problembewusstsein im Umgang mit kolonialem Erbe zu erkennen, meint Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland zum Umgang mit Kolonialismus und Objekten aus der Kolonial-Zeit in deutschen Museen. Andererseits jedoch sei in den ganz praktischen Schritten, wenn es beispielsweise um Restitution ginge, immer noch erkennbar, dass die Täter*innen weiterhin bestimmten, wie die Rückgabe auszusehen habe.  mehr...

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Kunst Museumsbund sensibilisiert mit Leitfaden für Umgang mit kolonialem Erbe

Der Leitfaden für Museen will sensibilisieren für den gleichberechtigten Umgang mit Herkunftsländern, aus denen die Kulturgüter stammen. Diese Länder wünschten sich Inventarlisten mit sämtlichen Kunst- und Kulturgütern in Europa. Museumsverantwortlichen sollten bewusst sein, dass die meisten Sammlungsgüter nicht als Museumsobjekte entstanden sind. Sie sind Zeugnisse verschiedener Kulturen mit in den Herkunftsgesellschaften verankerten eigenen Bedeutungen.  mehr...

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Bildung Kolonialgeschichte im Schulunterricht – Zu weiße Perspektive?

Was lernen Schüler*innen über Rassismus und Kolonialismus? Während manche Klassen das Thema zeitgemäß diskutieren, sprechen andere nicht oder nur einseitig über Kolonialgeschichte.  mehr...

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