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Kunst und urbaner Raum: Das Stuttgarter Festival „Current”

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Welche Rolle kann – und muss – Kunst in der Stadt spielen? Müsste sie bei der Stadtplanung nicht von vornherein mit im Boot sein? Wie Kunst und urbaner Raum miteinander spielen könnten, das lotet das Festival „Current“ in Stuttgart aus.

Begleitbüro SOUP, BRASILIEN, 2021, Festival, Current, Stuttgart (Foto: © Luzie Marquardt)
Begleitbüro SOUP, BRASILIEN, 2021 © Luzie Marquardt

Hier sollen Künstler*innen nicht nur verschönern und aufwerten, sondern eigene Positionen beziehen und kritisch begleiten. Da verwirrt zum Beispiel mitten in der Stadt der Schriftzug „Brasilien“ auf dem Hauptbahnhof – eine Referenz auf eine Bahnhofs-Attrappe, die im Zweiten Weltkrieg Bomber von Stuttgart ablenken sollte.

Alona Rodeh: Nightcaps (Thai, lower angle), 2021 - Festival Current, Stuttgart (Foto: Courtesy of Alona Rodeh and VG Bildkunst, Bonn)
Alona Rodeh: Nightcaps (Thai, lower angle), 2021, ©Alona Rodeh und VG-Bild Kunst, Bonn. Courtesy of Alona Rodeh and VG Bildkunst, Bonn

Oder Alona Rodehs „Nightcaps“, helmartige Installationen auf Lampen, die auf plakative Weise das Thema Lichtverschmutzung in der Stadt illustrieren. Dazu gibt es viele Aktionen, Performances und Workshops zur Verbindung von Kunst und urbanem Raum.

Baden-Baden

Kunst „kunst findet stadt“: Jeppe Hein im Kurpark Baden-Baden

Die Stadt Baden-Baden, frisch gekürtes UNESCO-Weltkulturerbe, startet zum Sommerferien-Beginn mit der Kunstaktion „kunst findet stadt“ – endlich wieder, trotz Corona, möchte man seufzend hinzufügen.
Eingeladen wurde der dänische Künstler Jeppe Hein. Er hat an der Königlich Dänischen Akademie in Kopenhagen und an der Frankfurter Städelschule studiert. Seine Installationen hat er schon auf der ganzen Welt gezeigt, im Central Park genauso wie im MOMA, im Centre Pompidou und auf der Biennale von Venedig. Nach Baden-Baden hat er eine ganze Reihe seiner Arbeiten mitgebracht, um den Kurgarten von Baden-Baden zu bespielen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn seine Installationen laden wirklich zum Spielen und Staunen ein.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Graffiti „Stadt Wand Kunst“ - Die ganze Stadt als Museum in Mannheim

Am Anfang war es schwer, Hausbesitzer zu finden, die ihre Wände für großflächige Murals, also Wandmalereien, hergaben. Inzwischen ist das Mannheimer Projekt „Stadt Wand Kunst“ zum Selbstläufer geworden.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Kunstaktion „Brasilien“ auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof: Mehr als eine Attrappe!

Der Schriftzug ,,Brasilien", der zurzeit auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof zu sehen ist, sorgt für Aufsehen. ,,Es stiftet zunächst mal Verwirrung", gibt Kurt Grunow von der Künstlergruppe ,,Stuttgarter Observatorium Urbaner Phänomene" (SOUP) zu. Im Gespräch mit SWR2 berichtet Grunow vom empörten Anruf einer Brasilianerin, die sich beschwert habe, ihr Land werde im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg in ein schlechtes Licht gerückt. ,,Da ist einiges schiefgelaufen", meint Grunow selbstkritisch und erklärt: Die etwa 1,5 Meter hohe Lichtinstallation spiele zwar auf einen unter dem Codewort ,,Brasilien" gelaufenen Versuch der deutschen Luftabwehr im 2. Weltkrieg an, mit einer Attrappe des Bahnhofs außerhalb der Stadt alliierte Bomber zu täuschen. Doch sei die historische Metapher leicht zu erkennen, wenn man bedenke, dass das Bahnhofsgebäude durch eine Entkernung sich allmählich auch zu einer leeren Hülle entwickle.
,,Wir wollen ein Angebot zum Nachdenken schaffen über Architektur und Stadtentwicklung", sagt Grunow. Die Aktion steht im Zusammenhang mit dem ab 9.September stattfindenden ,,Current"-Kunstfestival in Stuttgart, an dem auch SOUP teilnimmt. Bei ,,Current" werden zahlreiche Kunstwerke den städtischen Raum kritisch beleuchtet. Grunow sieht das 10-tägige Event als Gelegenheit, sich zu überlegen ,,wie man partizipatorische Prozesse in die Stadtentwicklung einbinden kann". Der ,,Brasilien"-Schriftzug über dem Bahnhof sei ein Teil davon; er habe eine ,,rätselhafte, besondere Ausstrahlung".
Kurt Grunow stammt aus Voehrenbach im Schwarzwald und studierte in Berlin, Freiburg und an der Freien Kunstschule Nürtingen sowie in Stuttgart. Er ist Mitbetreiber des Ausstellungsraums ,,Oberwelt e.V." in Stuttgart und des Künstlerkollektivs SOUP, sowie Kunstdozent an der Kunstakademie Esslingen.  mehr...

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