Kunstbetrieb

documenta bekommt mit Kulturmanager Andreas Hoffmann neuen Geschäftsführer

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Andreas Hoffmann, lachend in den Räumen des neuen Bucerius Kunst Forum (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Christian Charisius)
Lehrt seit 2016 auch als Honorarprofessor am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg: der designierte documenta-Chef Andreas Hoffmann. Christian Charisius

Der Kulturmanager Andreas Hoffmann wird Geschäftsführer der documenta in Kassel. Er trete seine Position bei der bekanntesten Schau für zeitgenössische Kunst am 1. Mai an, teilten documenta und Museum Fridericianum gGmbH am 12. Januar mit. Hoffmann ist aktuell noch Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums in Hamburg. Bis zur Übernahme des Amtes leitet weiterhin Ferdinand von Saint André die Geschäfte, der seit Ausstellungsende der documenta fifteen Interimsgeschäftsführer ist.

documenta 2022: Mehrmaliger Führungswechsel

Zuvor hatte Kulturmanager Alexander Farenholtz die Geschäfte zeitweise übernommen, nachdem die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, ihr Amt einen Monat nach Beginn der vergangenen Schau niedergelegt hatte. Auslöser waren documenta-Kunstwerke, die als antisemitisch interpretiert worden waren.

Archäologe aus Ostfriesland

Kulturmanager Andreas Hoffmann, geboren 1971 in Norden (Ostfriesland), ist seit Januar 2007 Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums. Der studiert Klassische Archäologe war bis 2019 zusätzlich Programmleiter Kunst und Kultur für die Musik- und Denkmalprojekte der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Gespräch „Die documenta fifteen war ein Spezialfall“ – Meron Mendel wirbt für eine neue Erinnerungskultur

„Ich hätte gern ein positives Fazit gezogen, aber an diesem Punkt kann ich das wirklich nicht tun“, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank bei SWR2 über die diesjährige documenta.

SWR2 am Morgen SWR2

Markenrecht Es darf nur eine „documenta“ geben: Gericht verfügt Löschung von Konkurrenzmarke

Die Kunstausstellung documenta hat am Bundespatentgericht in München einen Erfolg zum Schutz ihres Namens erzielt. Die Marke „documenta“ darf nicht von anderen genutzt werden.

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Die documenta fifteen endet: Was bleibt von der deutschen Erinnerungspolitik?

Die documenta fifteen geht zu Ende – und nicht wenige Menschen würden jetzt hinzufügen: endlich. Was geht, wenn die größte deutsche Kunstausstellung für viele ein Fiasko ist? Die eine Seite beklagt, mit der Documenta habe man Antisemitismus in Deutschland wieder öffentlich ausstellen können, während die andere Seite meint, hinter der Kritik an den Künstler:innen stünde Rassismus.  Ein Scherbenhaufen also, zumindest in der öffentlichen Debatte.

Und was bleibt nun im Nachhinein von dieser documenta fifteen? Lässt sich aus diesem Scherbenhaufen etwas machen – zum Beispiel eine Auseinandersetzung über die deutsche Geschichts- und Gedenkpolitik und die Frage, welchen Platz die kolonialen Verbrechen darin neben der Shoah einnehmen können?

Als gescheitert würde die Journalistin Charlotte Wiedemann die documenta nicht bezeichnen. Wiedemann hat viel aus dem Ausland berichtet und beschäftigt sich mit unterschiedlichen Erinnerungskulturen. Sie hat die documenta besucht und dort viele Anregungen gefunden, die sie in der deutschen Debatte vermisst hat: “Über die documenta würde eine Glocke der Deutschtümelei gestülpt. Das Problem war für mich nicht die documenta selbst, sondern unser Umgang damit.” 

Anders sieht das der Kunstkritiker Hanno Rauterberg, er sagt, die mangelnde Kommunikationsbereitschaft habe den Austausch erschwert: “Der Kollektiv-Gedanke der documenta hat Kritik an einzelnen Künstlern erschwert.” Schnell habe es geheißen, Kritik meine nicht den Einzelnen, sondern alle und damit die gesamte documenta. Kritik sei deshalb von Ruangrupa schnell als rassistisch wahrgenommen worden.

Und auch der Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und engagiert hätte sich gewünscht, dass die verschiedenen Seiten wirklich miteinander ins Gespräch kommen: „Es wurde zwar viel debattiert, aber da war das Gefühl, dass man aneinander vorbeiredet.“

Viel Stoff also für eine Debatte über die deutsche Erinnerungspolitik!

Charlotte Wiedemanns Buch „Den Schmerz der anderen begreifen“ ist im Mai 2022 bei Ullstein erschienen.

Unterschiedliche Positionen und Erklärungsansätze zur documenta-Debatte findet ihr in der Ausgabe 09/2022 von Politik & Kultur, der Zeitschrift des Deutschen Kulturrats – alles abrufbar unter https://politikkultur.de/archiv/ausgaben/nr-9-22/

Die Bildungsstätte Anne Frank, deren Direktor Meron Mendel ist, hat eine Podiumsdiskussion zu Kunst und Antisemitismus veranstaltet, die ihr hier anschauen könnt: https://www.bs-anne-frank.de/events/kalender/zum-antisemitismusskandal-auf-der-documenta-fifteen

Bei „Was geht, was bleibt“ haben wir uns schon öfter mit den Themen Kolonialismus und Erinnerungspolitik beschäftigt, zum Beispiel in diesen beiden Folgen:
https://www.swr.de/swr2/programm/blinder-fleck-der-erinnerungskultur-unser-kolonialistischer-blick-nach-osteuropa-100.html
https://www.swr.de/swr2/programm/rueckgabe-von-raubkunst-dekolonisierung-oder-reine-symbolpolitik-100.html

Habt ihr noch mehr Themen, die wir uns dringend anschauen sollten? Schreibt uns auf kulturpodcast@swr.de

Host: Pia Masurczak
Redaktion: Pia Masurczak und Kristine Harthauer

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