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Arolsen Archives setzen in Kassel Zeichen gegen Antisemitismus

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#LastSeen-Ausstellung auf dem Opernplatz in Kassel (Foto: Pressestelle, Arolsen Archives)
Der #LastSeen-LKW macht auf die Suche nach Fotos von NS-Deportationen aufmerksam und bittet Freiwillige, sich an der Suche vor Ort zu beteiligen. Pressestelle Arolsen Archives

Aus Anlass des Antisemitismus-Eklats auf der „documenta fifteen“ hat die Wanderausstellung der Arolsen Archives mit dem Titel „#Last-Seen“ ihre Route geändert. Seit 26. Juli macht sie nun auf dem Opernplatz in Kassel Station. Damit solle ein deutliches Zeichen gegen Judenfeindlichkeit gesetzt werden, sagte die Direktorin des internationalen Zentrums für NS-Opfer, Floriane Azoulay. Die Schau auf der Ladefläche eines historischen LKW informiert über die Suche nach bisher unbekannten Fotos von NS-Deportationen.

„Antisemitismus ist keine Befindlichkeit von Jüdinnen und Juden, sondern eine alltägliche Realität, eine zentrale Frage der Demokratie und geht uns alle an.“

Antisemitische Bildsprache und Kommunikationsformen, wie sie bei der documenta zu sehen gewesen seien, trügen dazu bei, antisemitische Positionen als normal anzusehen, sagte Azoulay. Sie warnte vor der Kontinuität judenfeindlicher Verschwörungsmythen und rief dazu auf, auch die Frage des strukturellen Antisemitismus und seiner Verharmlosung in kulturellen Institutionen in den Blick zu nehmen.

Unterstützung durch Kulturstaatsministerin

Unterstützt wird die Ausstellung von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). In ihrem Grußwort habe sie sich für die Präsentation von #LastSeen während der documenta in Kassel bedankt, sagte Azoulay. Die Arolsen Archives sind das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Gespräch #LastSeen: Suche nach privaten Bildern von NS-Deportationen

Viele Bilder von NS-Deportationen seien aus der Täterperspektive geschossen worden: Von Polizisten und Gestapo-Fotografen. Ein „Leistungsnachweis“ seien diese Bilder gewesen, sagt Dr. Alina Bothe, Leiterin der Initiative #LastSeen. Dieses Projekt der Arolsen Archives sucht bundesweit nach privaten Foto- und Filmaufnahmen von NS-Deportationen, um den Menschen vor und hinter der Kamera näherzukommen. Viele Bilder aus dieser Zeit haben bisher unbemerkte Protagonisten: Passanten oder Kinder am Straßenrand. „Sie sind für uns auch von großem Interesse“, sagt Bothe, denn „sie könnten noch am Leben sein“ und diese Frage beantworten: „Wie erinnern sie sich heute an die Deportationen?“. Das Forschungsprojekt tourt in einem historischen Lastwagen durch Deutschland. Von 13.06 bis 24.06 machen sie Halt im Innenhof des Stadtarchivs Stuttgart.  mehr...

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In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten hat sich im deutschen Profifußball ein Netzwerk der Erinnerungsarbeit etabliert. Fangruppen besuchen Gedenkstätten, verlegen Stolpersteine oder erinnern in Stadion-Choreografien an jüdische Mitglieder. Dabei können sie künftig auf eine Broschüre der Arolsen-Archive zurückgreifen. Darin porträtieren Forscher zwölf Fußballer, die in ihren Nationalteams zu den Besten zählten – und die dann von den Nazis verfolgt und ermordet wurden.  mehr...

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Wie es mit der Freiheit der Kunst aussieht, das wird seit dem documenta-Skandal heftig diskutiert. Das Buch zum Thema hat der israelisch-deutsche Soziologe und emeritierte Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv Moshe Zuckermann geschrieben.  mehr...

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