Ausstellung

Möbel und Mahnmäler: E. R. Nele im Frankfurter Museum Angewandte Kunst

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AUTOR/IN
Sina Weinhold

E. R. Nele, Eva Renée Nele Bode, ist Bildhauerin, Grafikerin, Goldschmiedin, Schmuckkünstlerin und Designerin. Und die Tochter von Arnold Bode, dem Begründer der documenta, an deren zweiter und dritter Ausgabe sie als Künstlerin teilgenommen hat. Im März ist die Künstlerin 90 Jahre alt geworden. Auch deshalb widmet ihr das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die Studio-Ausstellung „Zeitzeugenschaft".

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Die Ausstellung führt in das Wohnzimmer der E. R. Nele

Kaum hat man die Ausstellung betreten, da steht man auch schon im Wohnzimmer von E. R. Nele – oder einfach Nele. Ein schwarzes Sofa, der große Esstisch, Lampen – alles von ihr designt und als Auftrag von großen Möbelfirmen in Serie gegangen. Für die Ausstellung hat diese Objekte Museumsdirektor Matthias Wagner K eingesammelt. Sie stammen zum größten Teil aus Neles Zuhause. 

„Ich hatte so einen Block mit roten Punkten. Als ob ich so Kuckucke kleben würde“, erinnert sich der Kurator. „Und dann bin ich wirklich von Raum zu Raum gegangen und hab da einen roten Punkt hin geklebt.“

Zeitzeugenschaft, E. R. Nele, MAK Frankfurt (Foto: Pressestelle, Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst)
Ausstellungsansicht E. R. Nele: „Zeitzeugenschaft". Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Bild in Detailansicht öffnen
Die gelernte Goldschmiedin entwarf auch Schmuck. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht: meterhohe Stelen und Skulpturen aus Eisen und Stahl. Pressestelle E. R. Nele Bild in Detailansicht öffnen
Modell für eine große Skulptur auf der Weltausstellung EXPO 1958 in Brüssel, Stahl/Glas 1957. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Franfurt Bild in Detailansicht öffnen
Kleine Flügelfigur, Bronze, 1965–1968. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Brain / Vernetzung, Modell für eine große Skulptur am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, 2001. Pressestelle E. R. Nele Bild in Detailansicht öffnen
Berliner Schwestern, Bronze, 1959. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Ausstellungsansicht E. R. Nele. „Zeitzeugenschaft". Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Frankfurt Bild in Detailansicht öffnen
Installation „Atomic Garden“. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst Bild in Detailansicht öffnen

Kreativer Insividualismus statt geerbter Pracht

Auch vor der Besteckschublade hat er nicht Halt gemacht, zu schön sind die silbernen Esswerkzeuge: filigrane Kaffeelöffel, kunstvoll geschwungene Eierbecher und figürliche Vorlegelöffel, etwa in Form eines Fischs. Entstanden sind sie aus pragmatischen Gründen.

„Weil ich nicht wie andere junge Leute, kein Silberbesteck geerbt habe. Dann hatte ich irgendwann das Gefühl, wenn ich kochte, wollte ich auch ein paar dekorative Dinge auf dem Tisch haben. Und da ich das ja konnte, habe ich das gemacht.“

Aus dieser Haltung heraus habe sie auch Schmuck entworfen, erzählt die Neunzigjährige, die einst Metallschlosserin werden wollte. Für Frauen war das in den 1950ern allerdings noch nicht möglich. Stattdessen studierte Nele Kunst in London und Berlin und lernte das Goldschmiedehandwerk.

Beeindruckende künstlerische Auseinandersetzungen mit Deportation und Atomkrieg

Dass sie nicht nur klein und fein kann, sondern auch groß und kraftvoll, dafür stehen ihre meterhohen Stelen und Skulpturen aus Eisen und Stahl – darunter so herausragende Werke wie „Die Rampe“, ein Mahnmal gegen Deportation und Vernichtung in ihrer Heimatstadt Kassel.

Zeitzeugenschaft, E. R. Nele, MAK Frankfurt (Foto: Pressestelle, E. R. Nele)
Ausstellungsansicht: meterhohe Stelen und Skulpturen aus Eisen und Stahl. Pressestelle E. R. Nele

Im Museum wird ein Modell des Denkmals präsentiert. Körperlose Gestalten taumeln aus einem Bahn-Waggon und bleiben schließlich wie leere Hüllen am Boden liegen. Schon das kleine Modell transportiert großen Schmerz, wie auch das „Hiroshima-Pferd“ von 1962, dessen zerfallener Körper für das schreckliche Leid durch den Einsatz atomarer Waffen steht.

Kurator Matthias Wagner K war es wichtig, Nele nicht nur als Gestalterin, sondern auch als politische Künstlerin zu zeigen. So zeige gerade das „Hiroshima-Pferd“ Verletzbarkeit, Versehrtheit und „wie schnell im Grunde ein menschliches oder überhaupt Leben zu Ende sein kann.“

Zeitzeugenschaft, E. R. Nele, MAK Frankfurt (Foto: Pressestelle, Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst)
Installation „Atomic Garden“. Pressestelle Günzel/Rademacher, Museum Angewandte Kunst

Eine leuchtende Wiese aus Strahlenwarnzeichen

So vielfältig Neles Kunst auch ist, so klar war immer ihr Ziel: das Schaffen von Emotionen. Die Installation „Atomic Garden“ wirkt zuerst wie eine leuchtende Blumenwiese, erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich um Strahlenwarnzeichen handelt.

Die Künstlerin ist mit wachem Blick durch die Jahrzehnte gewandert. Auch über die jüngste so skandalträchtige Kasseler Kunstschau documenta, könnte Nele mit Sicherheit viel erzählen. Es war ihr Vater, Arnold Bode, der die documenta ins 1955 ins Leben rief.

Das will sie aber nicht, und spricht stattdessen nochmal über Möbeldesign. Sie arbeite gerade an einem Bett, verrät Nele. Und auf die Frage, ob das dann zu Verkaufen sei: „Nee, das ist jetzt nur für mich.“ Sprichts, schmunzelt und hat auch mit 90 Jahren noch jede Menge Pläne. 

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