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Sandra Junker fotografiert Kühlschränke aus aller Welt Zeig' mir Deinen Kühlschrank und ich sag' dir, wer du bist

am 31.7.2018 von Franziska Pröll

Von der Fotografin zur Küchenpsychologin. Sandra Junker ist Designerin und Fotografin. Und – Küchenpsychologin. Die Mainzerin erkundet gerne die Küchen anderer Menschen - genauer: Deren Kühlschränke! Wenn sie diese öffnet und fotografiert, blickt Sandra Junker nicht einfach auf Lebensmittel, sondern auch in die Seele ihrer Besitzer.

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Kühlschrank-Fotoprojekt von Sandra Junker

„Zeig' mir deinen Kühlschrank – und ich sag' dir, wer du bist!“

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Bei ihrem Fotoprojekt hält die gelernte Produkt- und Werbefotografin alle Details in den Kühlschränken der Menschen fest.

Bei ihrem Fotoprojekt hält die gelernte Produkt- und Werbefotografin alle Details in den Kühlschränken der Menschen fest.

Bei einer Kunstausstellung in London traf Sandra Junker einen Mönch, der sie seinen Kühlschrank ablichten ließ. Vorwiegend darin zu finden: Broccoli.

Bei einer WG gibt es oft Dinge merhfach, da jeder sein eigenes Fach im Kühlschrank hat.

Bei Familien stellt Junker meistens fest, dass sich alle die Produkte teilen und alles nur einmal vorhanden ist.

Hier sieht man den Kühlschrank einer dreiköpfigen Familie aus Kapstadt.

Außerdem auffallend: in den Großstädten sind laut Junker die Kühlschränke nicht so üppig bestückt, wie auf dem Land.

Der Kühlschrank einer älteren Dame.

Großer Kontrast zum leeren Kühlschrank der älteren Dame: hier zu sehen in Istanbul bei einer fünfköpfigen Familie.

Eine alleinstehende Frau in Paris und ihr Kühlschrank.

Ein junges Pärchen aus Madrid zeigt seinen Kühlschrank.

Junkers Erfahrungen zeigen, dass der Kühlschrank für viele Leute eine sehr private Angelegenheit ist.

Der Kühlschrank gibt viel Aufschluss über die Ernährung und das Kaufverhalten des Besitzers. Bei Frau Junker kann man, abseits des Alkohols, auf eine gesunde Ernährung schließen: Olivenöl, Gemüse, Obst.

Fotografin Sandra Junker (28) hat eine ausgeprägte Faszination für Kühlschränke: wo auch immer sie ist, bittet sie Leute, ihre Kühlschränke zu öffnen.

"Zeig mir deinen Kühlschrank und ich sage dir, wer du bist!" So heißt das Projekt der Fotografin Sandra Junker. Wo auch immer sie gerade ist, sucht die 28-Jährige nach Leuten, die ihre Kühlschränke für sie öffnen. Das Foto-Projekt ist vor einigen Jahren während Sandra Junkers Ausbildung zur Produkt- und Werbefotografin entstanden.

Inzwischen hat sie mit analoger Fotografie mehr als 50 Porträts von Kühlschränken und ihren Besitzern erstellt. Zum Beispiel in London. Dort hat Sandra Junker mehrere Monate gelebt. Bei einer Kunstausstellung traf sie auf einen Mönch – ihre bisher kurioseste Begegnung.

Brokkoli als Kunstobjekt

Tatsächlich ließ sich der Mönch nicht lange bitten und lud Sandra Junker in seine Wohnung ein. Sein Kühlschrank: Eine Oase – voll mit Brokkoli. Das grüne Gemüse stapelt sich in jedem Fach. Ansehen kann man sich die gesunde Brokkoli-Sammlung auf der Website von Sandra Junker.

Bei einer Kunstausstellung in London traf sie einen Mönch, der sie seinen Kühlschrank ablichten ließ. Vorwiegend darin zu finden: Broccoli.

Bei einer Kunstausstellung in London traf Sandra Junker einen Mönch, der sie seinen Kühlschrank ablichten ließ. Vorwiegend darin zu finden: Broccoli.

Dort veröffentlicht die Künstlerin ihre Fotos von Kühlschrank-Inhalten und deren Besitzern. Ob Brokkoli oder Bratwurst, den Inhalt der Kühlschränke will Sandra Junker möglichst naturgetreu auf den Fotos wiedergeben. Sie irgendwie zu verschönern oder mit speziellen Tools aufzuhübschen, kommt für die Fotografin nicht in Frage.

Kühlschrank als Spiegel der Gesellschaft

Die Aufnahmen von Sandra Junker porträtieren gewissermaßen auch die Gesellschaft: Die Fotos zeigen Alleinlebende, aber auch Wohngemeinschaften und Familien. Und die Kühlschränke unterscheiden sich erheblich, weiß Sandra Junker: "Also, bei einer WG findet man mehr alkoholische Getränke, es ist ein bisschen mehr durcheinander, oft sind die Fächer aufgeteilt, man findet vieles doppelt."

Familien hingegen teilen sich ihre Produkte. Butter, Milch und Frischkäse sind einmal vorhanden und werden von allen Familienmitgliedern genutzt. Auch der Wohnort einer Familie spielt eine Rolle: Wer auf dem Land lebt, kauft mehr auf Vorrat. In Großstädten traf Sandra Junker dagegen auf weniger gut bestückte Kühlschränke.

Kühlschränke aus aller Welt

Bisher hat sich die Kühlschrankfotografin vor allem in die Küchen von Großstädtern führen lassen. In London fotografierte sie ebenso wie in Paris, Berlin und der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria. Aber auch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz ist in ihrem Focus. Ihrer Heimatstadt will sie gleich eine ganze Kühlschrankserie widmen.

Eiskaltes Buchprojekt

Ihre Kühlschrank-Porträts möchte sie eines Tages in einem Buch vereinen. Auch eine Ausstellung kann sie sich vorstellen. Doch vor allem nimmt sich Sandra Junker vor: weiter neugierig zu bleiben und es wertzuschätzen, wenn ihr jemand den Blick in seine eiskalte Intimsphäre gewährt: "Mein Eindruck war, dass Kühlschränke für viele ziemlich privat sind. Weil man einiges preisgibt wie zum Beispiel, welche Produkte kaufe ich ein, ernähre ich mich gesund?“

Gekühlte Filmrollen

In ihrem eigenen Kühlschrank bewahrt sie neben einem guten Tropfen Wein, Obst und Gemüse vor allem eine ausreichende Menge Filme auf, für viele weitere Kühlschrankfotos.

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