Kunst

„Köpfe - maskiert, verwandelt“ im Museum für Neue Kunst Freiburg

Stand
AUTOR/IN
Sandra Helmeke

Eine neue Ausstellung im Freiburger Museum für Neue Kunst widmet sich Gesichtern, Masken und Porträts. Die Schau trägt den Titel „Köpfe - maskiert, verwandelt“. Bis Mitte Februar sind knapp 100 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu sehen. Darunter historische Fastnachtsmasken über Masken in der Kunst bis hin zu Portraits verschiedener Epochen. Alle Exponate stammen aus der Sammlung eines Schwarzwälder Ehepaars.

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Köpfe - maskiert, verwandelt (Foto: Pressestelle, Museum für Neue Kunst, Jörg von Bruchausen)
Helmut Kubitschek, Lätsch (Elzacher Larve)

Die Masken-Leidenschaft begann in der Elzacher Fasnet

Bei ihrem ersten Rundgang durch die Ausstellung freuen sich Anna und Michael Haas sichtlich über die Präsentation ihrer eigenen Sammlung: Fastnachtsmasken, Steinköpfe, Portraits aller Stilrichtungen. Das Sammlerehepaar ist in Elzach aufgewachsen und ihre Begeisterung für Kunst nahm ihren Ursprung bei den Larven der Elzacher Fasnet.

Dass diese Leidenschaft sie einmal zu Besitzern einer umfassenden Kunstsammlung machen sollte, lässt sie heute selbst staunen. „Wir sind raus in die Welt und haben gesehen, es gibt noch mehr als Elzach, und die Maske spielt halt eine große Rolle für alle Kulturen“, sagt Michael Haas, „das geht bis in die zeitgenössische Kunst, bis zu den alten Meistern.“

Auch Anna Haas fand die Beschäftigung mit den Masken sehr spannend, und so fing das Paar an, Masken zu kaufen. Nach 40, 50 Jahren sahen sie dann dass es so viele waren, dass es als eine Sammlung angesehen werden konnte, wie Michael Haas erzählt.

Köpfe - maskiert, verwandelt (Foto: Pressestelle, Museum für Neue Kunst, Patrick Seeger)
Ausstellungsansicht

Manchmal befreit die Maske ihren Träger

Dieser Meinung war auch das Freiburger Museum für Neue Kunst. Mit viel Spielfreude wagt Museumsleiterin Christine Litz überraschende Gegenüberstellungen. Sie hängt zum Beispiel eine hölzerne Fastnachtsmaske mit langer Nase und gebleckten Zähnen aus dem 19. Jahrhundert neben ein Gemälde von James Ensor, auf dem sämtliche Gesichter maskenhaft ihre gesellschaftliche Rolle zur Schau tragen.

Erkenntnis: Manchmal befreit die Maske ihren Träger und er kann (etwa während der Fastnacht) sein wahres Ich zeigen, während Porträts manchmal eher Rollenklischees darstellen. Christine Litz war selbst überrascht, wie viel im Thema Maske steckt. Zum Beispiel künstlerische Fragestellungen, wie sie am Beispiel einer Maske der ägyptisch-französischen Künstlerin, Hoda Tawakol erklärt:

„Die hat aus Haaren eine Maske gemacht, weil in vielen Ländern natürlich die Frauen ihre Haare nicht zeigen dürfen. Und das ist eine Maske, die den Kopf nicht ganz verdeckt, sondern das Gesicht sichtbar lässt. Das heißt, man kann sehen, wer dahintersteht, man kann sehen, dass sie für Frauenrechte auch einsteht.“

Gesichter quer durch die Kunstepochen

Wer bin ich, wer will ich sein. Selbstporträts ist ein Extra-Raum in der Ausstellung gewidmet. In Albrecht Dürer-Pose hat sich Jonathan Meese gemalt, daneben wirkt die verschmitzt lächelnde Paula Modersohn-Becker nicht minder selbstbewusst. Beide Künstlerpersönlichkeiten haben, jeweils in ihrer Zeit, Grenzen ausgetestet, die Künstler-Pose steht ihnen zu. 

Quer durch die Kunstepochen sehen wir Gesichter, schmerzverzerrt, von Krankheit verstellt, vor Schreck versteinert. Starke Gefühle können aus unseren Gesichtern Fratzen machen, Masken.  

Köpfe - maskiert, verwandelt (Foto: Pressestelle, Museum für Neue Kunst, Patrick Seeger)
Ausstellungsansicht: Fastnachtsmasken, Steinköpfe und auch Porträts aller Stilrichtungen.

Das älteste Stück ist eine Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert, zu den zeitgenössischen Werken zählen zwei Gesichter von Miriam Cahn, darunter „Weinende nach Picasso“, das Blau ihrer Augen läuft ihr über Wangen und Haare.

Die Ausstellung zeigt: Nach wie vor gehört das Gesicht – und seine Verformungen - zu den zentralen Motiven der Kunst.

Kunst sammeln als Macke und Sucht

Zum Schluss gesteht Galerist Michael Haas, dass Kunst-Sammeln für ihn zur Sucht geworden ist, nach jedem Kauf gehe er wieder auf Jagd, auch wenn er gerade pleite sei:

„Wenn man da eine Macke hat, findet man immer einen Weg.“ Auch die Kunden der Haas‘ müssten kaufen, sie könnten nicht anders: „Wir haben nicht die Spekulationskunden, sondern die, die die Leidenschaft mit uns teilen.“

Die Augen des Sammlers füllen sich mit Tränen, sein Gesicht zeigt für einen kurzen Moment echte Rührung – und passt damit ganz hervorragend in seine eigene Ausstellung.

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Sandra Helmeke