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Karl Hofer wollte die Kunst nicht einengen durch die Festlegung auf eine bestimmte Stilrichtung. Der Künstler verband in seinem Werk unterschiedliche Stilrichtungen und legte als Dekan der Akademie der Bildenden Künste in Berlin Wert darauf, einen toleranten Austausch zwischen den Kunstrichtungen zu fördern. Mit der Ausstellung „Lebenslinien“ zeigt das Museum im Ettlinger Schloss einen Ausschnitt aus dem großen Gesamtwerk des Künstlers.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:40 Uhr
Sender
SWR2

Ausstellung Toleranz in Zeiten der Intoleranz: Karl Hofer im Museum Ettlingen

Karl Hofer im Museum Ettlingen (Foto: SWR, Johannes Köhler)
„Wer war Karl Hofer?“ Eine Frage, die Kuratorin Daniela Maier nach mehr als 30 Jahren als Leiterin des „Museums Ettlingen“ nun mit der Ausstellung „Lebenslinien“ zu beantworten versucht, einer Schau, die anhand von figurativer Kunst, aber auch Landschaftsmalerei und Aktmalerei, vom bewegten Leben des Karlsruher Künstlers zeugt. - Auf dem Bild: Porträt Karl Hofer. Bronzeskulptur von Karl Albiker, 1927. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen
„Man kann das Werk von Karl Hofer nicht in eine Stilschublade packen“, so Daniela Maier, „das macht ihn interessant. Er ist kein rein Neu-Sachlicher, er ist kein reiner Expressionist. Er hat aber von vielem Elemente in seiner Malerei. Und das macht ihn für uns, aber auch für die Kunstwissenschaft nach wie vor interessant.“ - Auf dem Bild: Karl Hofer, Selbstbildnis um 1908. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen
Bereits in seiner Studienzeit entwickelt Karl Hofer bei seinen figürlichen Radierungen eine eigene Handschrift. Sie ist besonders detailliert und auch von einer ungewöhnlichen Düsternis durchzogen. Bei einem Auslandsaufenthalt in Rom wechselt er von der Tempera- zur Ölmalerei. Er entwickelt einen flotten Pinselstrich im Stile El-Grecos. - Auf dem Bild: Die Zuschauer, 1900, Radierung Dauerleihgabe Stiftung Menschenbild, Winterthur. Museum Ettlingen/VG Bild Kunst Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen
Während des Ersten Weltkriegs gerät er in französische Kriegsgefangenschaft, eine jähe Unterbrechung seines künstlerischen Entwicklungsprozesses. Aber Hofer findet zurück ins Künstlerleben und verzeichnet in den 20er und 30er Jahren seine größten Erfolge. Die großen Galeristen dieser Zeit stellen Hofer aus, seine Werke schaffen es in den Bestand großer europäischer Museen. - Auf dem Bild: Die Turmbläser, 1935, Öl auf Leinwand Dauerleihgabe Stiftung Menschenbild, Winterthur. Museum Ettlingen/VG Bild Kunst Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen
Doch die Nationalsozialisten machen Hofer das Leben als Künstler schwer. Sie stufen seine Kunst als entartet ein. 1934 verliert er seine Stelle an der Akademie. Dem Ausstellungs- und Berufsverbot folgt nach 35 Jahren die Scheidung von Frau Thilde. Die Nationalsozialisten deportieren sie ins Konzentrationslager. - Auf dem Bild: Liebespaar, 1939, Öl auf Leinwand. Dauerleihgabe Stiftung Menschenbild, Winterthur. Museum Ettlingen/VG Bild Kunst Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen
Die Frau von Karl Hofer ist schließlich im Konzentrationslager zu Tode gekommen. Daniela Maier: „Das hat natürlich einen großen Eindruck auf Karl Hofer gemacht, der immer – auch trotz der Scheidung – eng mit seiner ersten Ehefrau verbunden war. Das sind menschliche Katastrophen, die er in seinen Lebenserinnerungen nie erwähnt. Ich glaube, da saß der Schock einfach so tief, dass er dafür schlichtweg keine Worte gefunden hat.“ - Karl Hofer, Porträt mit Gelbem Hut. Museum Ettlingen/VG Bild Kunst Bonn 2020 Bild in Detailansicht öffnen
Weitere Katastrophen folgen – Hofers Atelier und Wohnung werden kurz nacheinander zerstört. Das nahende Kriegsende markiert in der Ausstellung „Lebenslinien“ einen Neuanfang im Leben von Karl Hofer – der letzte Raum der Ettlinger Werkschau. - Auf dem Bild: Karl Hofer, Zwei Figuren, 1954/55. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen
Hofer hilft beim Aufbau der Kunstakademie und wird Direktor der Hochschule für Bildende Künste. Er reift zur bedeutenden Persönlichkeit im Berlin der Nachkriegszeit. Seine künstlerischen Ansichten tut er unverblümt in der Öffentlichkeit kund. Das kommt bei vielen Zeitgenossen nicht gut an. - Auf dem Bild: Karl Hofer, David, 1937. Dauerleihgabe der Stiftung Menschenbild, Winterthur. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen
Hofer habe sich „schwer mit der neuen Tendenz getan, abstrakte oder konkrete Kunst als allein sinnvoll für eine Zukunft nach dem Zweiten Weltkrieg anzusehen“, erklärt Daniela Maier. „Er war eher dafür, die Kunst nicht einzuengen durch eine bestimmte Stilrichtung, sondern ihm ging es darum, dass an den Akademien ein toleranter Austausch stattfindet.“ - Karl Hofer, Tessiner Landschaft. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen
Die Kunst seiner letzten Jahre ist geprägt von einer Disparität. Kennt man seine Lebensgeschichte, ist es wohl auch menschliche Enttäuschung, die aus seinen Bildern spricht. Ein knalliger Farbauftrag steht Figuren mit resigniertem Gesichtsausdruck gegenüber. 1955 stirbt Hofer in Berlin an einem Schlaganfall. Viele mutmaßen, es sei die Reaktion auf die erbitterte Auseinandersetzung mit seinen Kritikern über Figuration und Abstraktion gewesen. - Auf dem Bild: Karl Hofer, Liegender Akt, 1934. Dauerleihgabe der Stiftung Menschenbild Winterthur. Johannes Köhler Bild in Detailansicht öffnen

Karl Hofer „Lebenslinien” im Museum Ettlingen, noch bis zum 20. Dezember 2020.

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