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Josephine Baker steppt in Stuttgart - die fabelhafte Ausstellung „Stuttgart Twenties“

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Unter dem Titel „Stuttgart Twenties“ zeigt das Stadtmuseum Stuttgart eine interaktive Ausstellung: In sechs nachgebauten Innenräumen darf alles angefasst und benutzt werden, vom elektrischen Grammophon mit Schellack-Platte bis echten Milliarden-Paketen alter Geldscheine.

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Alles darf angefasst werden

Ein paar Tage vor Eröffnung der Ausstellung „Stuttgart Twenties“ sieht es im großen Saal des Stadtpalais aus wie in einem Filmstudio oder auf einer Theaterbühne. Ringsum werkeln Handwerker*innen und Kurator*innen in Kulissen nach realen 20er-Jahren-Innenräumen: Kaufhaus und Küche, Architektenbüro, Künstleratelier, Hotelbar und Fabrikhalle.

Eine Hotelbar Kulisse nach realen 20er-Jahren-Innenräumen nachgebaut (Foto: Pressestelle, StadtPalais, Foto Julia Ochs)
Eine Hotelbar Kulisse, realen 20er-Jahren-Innenräumen nachempfunden. Pressestelle StadtPalais, Foto Julia Ochs

Das Besondere: Alles hier ist buchstäblich barrierefrei: „Sie dürften sich alles nehmen. Sie dürfen alles anfassen. Sie dürfen mit allem was machen. Ein paar Dinge sind einfach Imitate und Nachbildungen, ein paar Dinge sind echt und sind alt (..) und es gibt Objekte zum Ausprobieren, zum Benutzen, wie zum Beispiel eine Registrierkasse.“ sagt Museumsdirektor Torben Giese und betritt den ersten Raum, nachempfunden dem Erdgeschoss des legendären „Kaufhaus Schocken“.

Mittendrin sein mit allen Sinnen

Regale, Wandschränke und Schriftzüge gehen nahtlos über in ein historisches Foto des Verkaufsraums im Maßstab 1:1. Man spürt, wie lebensecht dieser Nachbau ist. Statt pixeliger 3D-Animation genau das, was man nach Jahren von Bildschirmüberdruss ersehnt: Mittendrin sein, mit allen Sinnen – anfassen, berühren, begreifen ausdrücklich erwünscht.

Kulissen nach realen 20er-Jahren-Innenräumen: Kaufhaus Schocken (Foto: Pressestelle, StadtPalais, Foto Julia Ochs)
Kulissen nach realen 20er-Jahren-Innenräumen: Kaufhaus Schocken Pressestelle StadtPalais, Foto Julia Ochs

Im nächsten Kabinett ist eine so genannte Reform-Küche aus dem Jahr 1926 rekonstruiert. Das Original stammt vom Schwäbischen Siedlungsverein, als moderner Standard in preiswerten Stuttgarter Wohnungen eingebaut; die Küchenzeile mit den Einbauschränken würde heute noch als zeitgemäß durchgehen. Die Umstände der Haushaltsarbeit dagegen nicht.

In Stuttgart bejubelte man Baker

Im Küchenschrank liegen zwischen Töpfen und Pfannen Lebensmittelmarken und packenweise echtes Notgeld. Die Haushaltswaage, erklärt Torben Giese, brauchte man nicht nur zum Kochen und Backen.

Küchenschrank mit Töpfen und Pfannen und Lebensmittelmarken  (Foto: Pressestelle, StadtPalais, Foto Julia Ochs)
Küchenschrank mit Töpfen, Pfannen und Lebensmittelmarken Pressestelle StadtPalais, Foto Julia Ochs

Die große Josephine Baker, afroamerikanische Ikone der Roaring Twenties, hatte in vielen deutschen Städten Bühnenverbot wegen ihrer erotischen Show – im Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté wurde sie bejubelt.

Fotografie „Ludwig Windstosser. Industriefotografie und Stadtporträt“: Sonderausstellung im StadtPalais Stuttgart

Das Stadtmuseum im StadtPalais Stuttgart zeigt Werke des Industriefotografen Ludwig Windstosser, der das Lebensgefühl der 60er bis 80er Jahre in aufwändigen Inszenierungen festhielt. „Windstosser ist ein Fotograf der multiplen Identitäten – Künstler, Ästhet und Chronist des Zeitgeistes“, sagt Kunsthistoriker Moritz Wullen.  mehr...

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