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"Basquiat. Boom for real" in der Schirn Frankfurt Der Kosmos von Basquiat

Kulturthema am 15.2.2018 von Martina Conrad

Er war das Genie der New Yorker Kunstszene, mit 27 Jahren im Drogenrausch untergegangen. Basquiat, 1960 in Brooklyn geboren, gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt widmet ihm erstmals seit über 30 Jahren in Deutschland eine Einzel-Ausstellung mit über 100 Werken.

Basquiat tanzt durchs Atelier

Schon im Treppenhaus der Schirn begegnet der Besucher Basquiat, der mit kurzen Dreadlocks auf dem schmalen Kopf total entspannt durch sein Atelier tanzt. Einer von vielen Filmen, der zeigt, dass der afro-amerikanische Künstler sich nicht nur der bildendenden Kunst verschrieben hatte.


Filme und Videos beleuchten Basquiats Leben

Aus allen Ecken der Ausstellung tönt Musik. Filme und Videos beleuchten das Leben Basquiats, der gleichzeitig Künstler, Musiker, Schauspieler, Poet und DJ war. Ein Leben voller Partys. Es kam aber auch vor, dass Basquiat nach einer Clubsession nachts um zwei noch ins Atelier ging, um dort mehrere Stunden zu arbeiten.

Energiegeladene, zornige Gemälde

Ein permanentes Crossover so Kurator Dieter Buchhardt: "Diese sehr energiegeladenen, zornigen Gemälde, voll mit Piktogrammen, Bildern, Worten, bilden eine Zusammenfassung eigentlich all dem, was er im Fernsehen gesehen hat. Seine Zeit und seine Art zu arbeiten nimmt sehr unsere Art zu arbeiten vorweg – wie wir heute alle unterschiedlichsten Dinge mit unterschiedlichsten Devices miteinander im gleichen Moment verknüpfen."

Wie Basquiat Disziplinen verknüpfte

Die Ausstellung in der Frankfurter Schirn zeigt chronologisch die Entwicklung von Basquiat. Wo er herkommt, welchen Einfluss die Szene auf ihn hatte, wie interdisziplinär er alles verknüpft hat.

Ende der 1970er Jahre war Basquiat als Sprayer mitten im teuren New Yorker Galerienviertel unter dem Pseudonym SAMO© unterwegs, was „Same Old Shit“ bedeutete. Durch seine poetisch konzeptuellen Graffiti, kryptischen Sätze und Gags an den Wänden wurde er berühmt.

Mit Warhol in der New Yorker Szene

Der Autodidakt war schnell Teil der New Yorker Szene und ein Freund von Warhol. Zu Beginn der 1980er Jahre entstand ein malerisches Werk, das collagiert mit Papier, Holz und Altmetall immer wieder gesellschaftskritische und politische Themen aufgreift.

„Jesse“ von 1983 zeigt den afroamerikanischen Leichtathleten Jesse Owens, Teilnehmer der Olympischen Spiele in Berlin. Basquiat kombiniert Jesse mit Hakenkreuz, NS-Zitaten und Superman, dessen Figur von jüdischen Autoren stammt.

Der erste afroamerikanische Kunststar

Dieter Burchardt: "Er ist der erste afroamerikanische Künstler, der es geschafft hat, zum Kunststar zu avancieren - der sich aber auch den afroamerikanischen Menschen als Thema gewählt hatte und damit reüssieren konnte. Er ist in der Linie mit Martin Luther King, Michael Jackson und Barack Obama für die Rechte der Schwarzen in der USA und Minderheiten generell. Und er ist einer der absolut federführenden, dammbrechenden Künstler."

Überbordend lebendig und ausdrucksstark

Radikal und roh, aber auch überbordend lebendig und ausdrucksstark, prallvoll und doch manchmal fast leer sind die Zeichnungen und Bilder von Basquiat. Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit wie es der Titel „Boom for real“ verkündet.

Damit trifft die Schirn in Frankfurt den Nerv der Zeit, denn auch die Besucher müssen multitaskingfähig sein um diese Kunst in all ihren Facetten auszuhalten.

"Basquiat. Boom for real" in der Frankfurter Schirn, 16. Februar bis 27. Mai 2018. Eine Ausstellung des Barbican Centre, London, in Kooperation mit der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT.

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