James Turrell "The substance of light" in Baden-Baden Überwältigende Räume aus Licht

Am 9.6.2018 von Johannes Halder

Der amerikanische Künstler James Turrell schafft seine Werke aus nichts als Licht. Damit flutet er ganze Räume, hüllt sie in farbige Nebel und taucht sie in samtigen Dunst. Räume, in denen der Betrachter ins Taumeln gerät, aus denen er überwältigt und benommen wieder herauskommt. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt mit „James Turrell – The Substance of Light“ Werke der letzten 40 Jahre.

Für Turrell das Burda-Museum verdunkelt

Das Museum Frieder Burda wird wegen seiner lichten Räume und Transparenz stets hoch gelobt. In diesem Falle war es ausnahmsweise nicht der ideale Ort für eine Schau wie diese, sagt Museumschef Henning Schaper: „Damit Licht sichtbar ist, müssen Sie erstmal Dunkelheit schaffen. Insofern haben wir das gesamte Museum komplett umgebaut. Wir haben in den drei Ebenen des Museums fünf unterschiedlich große Lichträume geschaffen, in denen die Lichtkunst von James Turrell eingezogen ist.“

Video: James Turrells Lichtkunst im Museum Frieder Burda

Am Anfang war das Licht

James Turrell, 75 Jahre alt, eine markante Erscheinung mit weißem Prophetenbart, bemüht sogar die Schöpfungsgeschichte, um sein Verhältnis zum Licht zu erklären. „In the beginning there was light“ - am Anfang war das Licht. Und was Turrell daraus macht, ist schon speziell: „Er nutzt wie ein Architekt Licht als Material, um Räume zu schaffen“, so Henning Schaper.

James Turrell im Museum Frieder Burda (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Uli Deck)
James Turrell im Museum Frieder Burda picture-alliance / dpa - Foto: Uli Deck

Räume, in denen man die Orientierung verliert

Gleich im Erdgeschoss gibt es ein sogenanntes „Ganzfeld“ zu bestaunen. „Sie betreten über einen Vorraum den Viewing Space, haben das Gefühl, dass Sie in einem Raum sind, der schwebt, aber Sie verlieren in diesem Raum völlig die Orientierung. In diesem Raum fühlen Sie sich wie der Besucher eines Weltalls in der unendlichen Weite. Sie spüren, dass Sie nicht nur mit den Augen sehen, sondern mit dem Körper anfangen zu sehen.“

Installationen wie Klänge, wie Musik

Doch wie geht das, Licht körperlich fühlbar zu machen? Dazu Turrell selbst: „Es ist ja nicht wie Ton, den man mit der Hand formt. Oder wie heißes Wachs. Es lässt sich auch nicht abtragen wie Holz oder Stein. Wenn man mit Licht arbeitet, ist es fast so, als ob man erst das Instrument schafft, das einem dann bei der Gestaltung hilft. Es ist eher so wie Klang, wie Musik.“

„Accretion Disk“, also „Akkretionsscheibe“ heißt eines von Turrells Werken – ein Begriff aus der Astrophysik. In einem großen Raum glimmen hinter einer gebogenen Scheibe zigtausende Leuchtdioden, ohne dass man deren Quelle sieht.

James Turrell, Wedgework, 2016 (Foto: © James Turrell, Foto Florian Holzherr -)
James Turrell, Wedgework, 2016 © James Turrell, Foto Florian Holzherr -

Kosmische Dimension des Lichts

Museumschef Henning Schaper: „Diese LED-Technik erzeugt ein drei Stunden dauerndes Farbspektrum, eine Farbsymphonie. Man setzt sich in den Raum auf eine Bank und lässt die Farbe auf sich wirken. Der Raum wird komplett durch dieses Licht, das hinter der gebogenen Scheibe erzeugt wird, illuminiert.“

Eine kosmische Dimension des Lichts kommt hier ins Spiel, ähnlich wie in der Wüste von Arizona, wo Turrell schon seit Jahrzehnten ein System von Gängen, Tunneln, Treppen und Stollen in einen erloschenen Vulkankrater gräbt – ein Observatorium, mit dem sich Lichterscheinungen am Himmel bestaunen lassen. Gezeigt werden davon Fotos und Modelle.

James Turrell, Stone Sky, Stonescape, 2005 (Foto: © James Turrell, Foto Florian Holzherr -)
James Turrell, Stone Sky, Stonescape, 2005 © James Turrell, Foto Florian Holzherr -

„Eigentlich sind wir Lichtesser“

Zu sehen sind auch Hologramme, die unsere Wahrnehmung buchstäblich hinters Licht führen, oder streng geometrische Grafiken, die auf raffinierte Weise zum Leuchten gebracht werden.

Turrells Werke sind mal nüchtern kalkuliert, mal spirituell, gelegentlich auch etwas esoterisch. Der Künstler erklärt: „Neuerdings vermutet man sogar, dass Licht weiß, wenn wir es anschauen. Es verhält sich dann anders. Das hat angeblich etwas mit der Brechung der Strahlen zu tun. Es ist im Grunde ein Lebensmittel, wir nehmen es auf durch die Haut. Eigentlich sind wir Lichtesser.“

Zwischen Zauberschau und Physiklabor

Licht als Lebensmittel, als Materie, als Energie. Die Ausstellung ist eine Mischung aus Meditationskammer, Zauberschau und Physiklabor. Ein starkes Erlebnis, sagt Henning Schaper: „Es gibt, glaube ich, kaum eine Kunst, die so emotional auf den Besucher wirkt wie die Lichtkunst von James Turrell, weil Sie inmitten der Kunst sind und die Kunst wirklich erleben.“

STAND