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Ohne sie hätte es den Dadaismus nicht gegeben: Emmy Hennings, Frau des Künstlers Hugo Ball, widmet das Forum Alte Post in Pirmasens eine Ausstellung über Leben und Schaffen der Künstlerin. Ähnlich Sophie Taeuber-Arp gehört Hennings zu jenen Avantgarde-Künstlerinnen, die sich Jahrzehnte nach ihrem Tod in der gesellschaftlichen Wahrnehmung allmählich aus dem Schatten ihrer Männer lösen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Geboren 1885 in Flensburg, arbeitete Emmy Hennings nach der Volksschule zunächst als Dienstmädchen. Sie lernte den Künstler Hugo Ball in München kennen. Dort sang sie in der Künstlerkneipe Simpl und gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zur Bohème der Stadt.

Eine unkonventionelle Frau

1914 musste sie für drei Monate ins Gefängnis wegen Beischlafdiebstahls und Verdacht auf Hilfe zur Fahnenflucht. Diese Erfahrung prägte später ihr literarisches Werk: „Gefängnis“ hieß ihr erster Roman.

„Sie hat immer das gemacht, was sie wollte: Sie wollte Schauspielerin werden und ist zum Wandertheater gegangen, sie wollte Schriftstellerin werden und sie hat geschrieben.“

Charlotte Veit, Kuratorin der Ausstellung in Pirmasens


Das Paar zog in die Schweiz und gründete zusammen mit Künstlern, wie Tristan Tzara und Hans Arp im Februar 1916 in Zürich das Cabaret Voltaire. Es wurde zur Geburtsstätte des Dadaismus.

Die Stimme des Cabaret Voltaire

Für Eckhart Faul, den Geschäftsführer der Hugo-Ball-Gesellschaft war Emmy Hennings die Attraktion des Cabaret Voltaire: „Sie sang dort ihre Lieder, die sie schon in München und Berlin gesungen hat. Und deswegen kamen die Leute, um sie zu hören. Und die Jungs, die dabei waren, durften ihren experimentellen Quatsch machen.“

Emmy Hennings-Ball mit ihrer Tochter Annemarie und Hugo Ball (Foto: Stadtverwaltung Pirmasens / Hugo-Ball-Sammlung)
Emmy Ball-Hennings mit ihrer Tochter Annemarie und Hugo Ball Stadtverwaltung Pirmasens / Hugo-Ball-Sammlung

Trotzdem mussten Hennings und Ball nach ein paar Monaten das Cabaret Voltaire verlassen, sie blieben aber in der Schweiz und heirateten im Jahr 1920. Kurz darauf reisten sie nach Pirmasens, um die Familie Hugo Balls zu besuchen.

Auch lange nach dem Tod ihres Mannes 1927 hielt Emmy Ball-Hennings Kontakt zu seiner Schwester in Pirmasens. Sie schrieben sich regelmäßig Briefe und unterstützten sich.

„Sie war sehr charismatisch und sehr beeindruckend. Ich glaube, dass sie viele Menschen um sich herum inspiriert hat.“

Charlotte Veit, Kuratorin der Ausstellung in Pirmasens

Schreiben bis zum Schluss

Die Schriftstellerin blieb in der Schweiz, wo sie 1948 starb. Bis zuletzt schrieb sie Artikel und Bücher, arbeitete immer mal wieder etwa in einer Fabrik und war abhängig von Mäzenen und Freunden wie Hermann Hesse, um finanziell über die Runden zu kommen.

All dies kann der Besucher in dieser sehenswerten Ausstellung nachvollziehen, denn auf großen Tafeln sind Gedichte und Briefe von Emmy Ball-Hennings abgedruckt, aber auch Texte und Zitate über sie zu lesen. Die Exponate stammen alle aus der Pirmasenser Hugo-Ball-Sammlung.

Emmy Hennings — Jahrhundertfrau der Avantgarde. Forum Alte Post, Pirmasens, 8.2.-26.4.

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