Kunst

Isenheimer Altar von Matthias Grünewald restauriert: Die Renaissance von Colmar

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Vier Jahre lang hat ein breit aufgestelltes Expert*innenteam den weltberühmten Isenheimer Altar aus Colmar grundlegend restauriert. Er ist zwei großen Meistern des 16. Jahrhunderts zu verdanken: Seine Altartafeln wurden von Matthias Grünewald gemalt, die Holz-Skulpturen wurden von Niklaus von Hagenau geschnitzt. Der Isenheimer Altar gilt als Meisterwerk der Spätgotik und als Ikone der Kunstgeschichte.
Nach den jahrelangen Restaurierungsarbeiten erstrahlt der Isenheimer Altar jetzt wieder in seiner ganzen Farbigkeit. Kostenpunkt 1.4 Mio Euro. Am 1. Juli wurde das Ergebnis öffentlich vorgestellt.

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Eine echte Wiedergeburt des Isenheimer Altars

Das Unterlindenmuseum spricht von einer „Renaissance“, also einer Wiedergeburt des Isenheimer Altars. Und tatsächlich sieht man dieses spätgotische Meisterwerk von Mathias Grünewald jetzt, wo es wieder in seiner vollen Pracht erstrahlt, mit ganz anderen Augen.

Die Direktorin des Unterlinden Museums, Pantxika de Paepe, hat in den letzten vier Jahren jeden Tag die Fortschritte der Restaurierungsarbeiten verfolgt und staunte immer mehr, wie sehr sich der Altar veränderte.

„Als erstes überraschen die Kontraste der Farben. Vor der Restaurierung war alles mit einem gelblich-braunen Firnis überzogen. Jetzt sieht man auf einmal die feinen Nuancen und die Farben haben wieder ihre enorme Leuchtkraft zurückbekommen.“

Auf einmal sind Pflanzen und Wassertropfen zu sehen

Um diese Farbigkeit herauszuarbeiten, hat das französische Restauratorenteam mit größter Vorsicht und Sorgfalt mehrere alte Firnis-Schichten abgetragen. Dabei kamen immer wieder Überraschungen zum Vorschein. Kleine Details, wie zum Beispiel fein gezeichnete Pflanzen, die bisher in einer dunkelbraunen Ecke gar nicht zu sehen waren oder eine sprudelnde Quelle mit perlenden Wassertropfen.

Am auffälligsten sind die Veränderungen bei den Hauttönen der menschlichen Figuren. Früher hatte nicht nur das Jesuskind ein etwas gelbliches Gesicht.

Das weiße Kleid von Maria wirft helle Lichtreflexe

Doch nicht nur die Gemälde der Altartafeln wurden restauriert, auch die Holzrahmen drumherum. Dabei wurde festgestellt, dass sie ursprünglich so angemalt waren, dass sie wie aus Marmor wirkten. Und nicht nur das: sie korrespondieren mit den jeweiligen Bildinhalten. So laufen Linien aus den Gemälden dann in der gemalten Marmormaserung des Rahmens weiter.

An anderer Stelle scheint es so als ob das weiße Kleid von Maria helle Lichtreflexe auf den Rahmen werfen würde. Überhaupt kamen bei der Restaurierung immer wieder neue Lichtquellen in den Gemälden zum Vorschein, die wie spotlights einzelne Gesichter oder andere Details hervorheben.

„Auch die Holzskulpturen von Niklaus von Hagenau aus dem Mittelschrein des Altars - die wir zuerst gar nicht so beachtet haben - wurden farblich den Altarbildern angepasst. Das greift alles zusammen. Der Isenheimer Altar ist wirklich ein faszinierendes Gesamtkunstwerk – geradezu magisch. Alles an dieser Geschichte ist magisch!“

Colmar

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