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9. Internationaler Waldkunstpfad Darmstadt Irritierende Kunst zum Klimawandel

Kulturbeitrag von Ludger Fittkau

Sie benutzen Hirschgeweihe, Knochen und Moose für ihre Kunstwerke: 23 Künstler aus neun Ländern haben für den Darmstädter Waldkunstpfad rund 50 Performances, Skulpturen und Installationen geschaffen. Das Thema in diesem Jahr ist Ökologie. Einige Kunstwerke zeigen auf, wie die Natur den Klimawandel voraussagt.

Meterhohe Skulpturen im Forst

Drei Wochen lang haben 23 Künstler aus neun Ländern unter extremen Hitzebedingungen teils meterhohe Großskulpturen in den Darmstädter Wald platziert. Zuweilen wirkt der zweieinhalb Kilometer lange Rundweg mit rund 50 Installationen wie ein Waldlehrpfad mit pädagogischem Zeigefinger. Doch an manchen Stellen stößt man auch auf irritierende oder ästhetisch überzeugende Objekte.

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9. Internationaler Waldkunstpfad Darmstadt

Installationen thematisieren den Klimawandel

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Der japanische Künstler Nobuyuki Sugihara arbeitet an seiner Installation "The Ship of the Moon" ("Mondschiff").

Der japanische Künstler Nobuyuki Sugihara arbeitet an seiner Installation "The Ship of the Moon" ("Mondschiff").

Das Phantasie-Skelett der Installation "Mondschiff" von Nobuyuki Sugihara

"Wald Weites Web" von Bianca Bischer und Stefanie Welk

"Pollen Windows" von Isabelle Aubry (Frankreich)

"Green Benches" von Emauela Camacci (Italien)

Performance Künstlerin Haike Rausch benutzt Moos, um ein Protest-Graffito gut sichtbar im Wald zu platzieren

"Migrant Sanctuary Garden" von Mark, Beth und Celia Cooley, USA

"Floating Energy" von Imke Rust

Skelett aus Schneckenhäusern

Der japanische Performancekünstler Nobuyuki Sugihara windet sich im trockenen Laub des Waldbodens. Sugihara hat seine begehbare Skulptur aus Steinen gebaut, die er im Forst am Rande des Odenwaldes gesammelt hat. Auf dem Waldboden sind Fragmente eines Schiffsrumpfes zu sehen, auf dem steinernen Schiffsbug liegt ein aus Hirschgeweihen, Knochen und Schneckenhäusern zusammengesetztes Fantasie-Skelett. Die gruselige Installation erinnert an eine todbringende Dürrelandschaft. Sie soll tatsächlich als ein „Gebetsschiff“ gegen den Klimawandel dienen.

Moos als Indikator des Klimawandels

„Die Klimaziele von 2020 werden nicht erreicht. Die ganze Sache liegt auf dem Boden“, moniert auch Torsten Grosch vom deutschen Künstlerduo „431Art“. Das Duo erinnert in seiner Performance zur Eröffnung des Waldkunstpfades an die gescheiterte Ziel zurückliegender Klimakonferenzen. Statt einer Spraydose für Protest-Graffiti benutzen Torsten Grosch und seine Performance-Partnerin Haike Rausch Stücke aus Moos. "Moss Indicators" heißt ihr Projekt. Moose reagieren sehr empfindlich auf Umweltbedingungen und werden auch zur Schadstoffanalyse eingesetzt.

Performance Künstlerin Haike Rausch:  Waldkunstpfad Darmstadt 2018

Performance Künstlerin Haike Rausch benutzt Moos, um ein Protest-Graffito gut sichtbar im Wald zu platzieren

Blutbahnen am Waldboden

Die Künstlerin Imke Rust hat für ihre Installation „Floating Energy“ Äste in feuerrote Farbe getaucht. Wie Blutbahnen verlaufen sie viele Meter über den braunen Waldboden.

Waldkunstpfad Darmstadt 2018. Imke Rust: "Floating Energy"

"Floating Energy" von Imke Rust

Verein organisiert den Kunstpfad seit zwei Jahrzenten

Gotthard Scholz-Curtius vom Verein für internationale Waldkunst e.V. beschreibt den Produktionsprozess für den Kunstpfad, den sein Verein sein beinahe zwei Jahrzenten organisiert: "Die Künstler kommen zum Teil aus Japan, China oder Singapur und kennen dieses Waldstück vorher nicht. Erst drei Wochen vorher entscheidet sich vor Ort, wer welchen Platz im Wald bekommt."

Rund 100.000 Besucherinnen und Besucher erwartet

Oftmals müssen zuvor erst wieder alte Objekte abgeräumt werden, damit es Platz für neue Kunstwerke gibt. Maximal fünfzig Installationen darf es gleichzeitig auf dem Gelände des Kunstpfads geben, das zum hessischen Staatswald gehört. Deshalb musste in diesem Jahr auch ein Kunstwerk abgebaut werden, das mehr als ein Jahrzehnt lang Aushängeschild des Darmstädter Waldkunstpfades gewesen ist: Ein mehrere Meter langes U-Boot aus Holz, das in der Nähe einer inzwischen zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten US-Kaserne stand.

Doch auch ohne das U-Boot im Wald werden bei gutem Wetter bis Ende September wieder 100.000 Besucherinnen und Besucher auf dem Darmstädter Waldkunstpfad erwartet.

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