Geld für internationale Museumskooperation Austausch mit afrikanischen Museen - wer profitiert?

Gespräch mit Inés de Castro, Direktorin des Linden-Museums Stuttgart

Fünf bis acht Millionen Euro will der Bund jährlich bereitstellen, um große internationale Ausstellungen zu ermöglichen und den Kulturaustausch zwischen deutschen Museen und Partnern im Ausland, insbesondere in Afrika, zu fördern. Was bringen solche Kooperationen der deutschen Kulturlandschaft, was der afrikanischen? Das erklärt Inés de Castro, Direktorin des Linden-Museums in Stuttgart, im SWR2-Gespräch.

Inés de Castro begrüßt ausdrücklich, dass der Bund internationale Museumskooperationen künftig finanzieren wird. Denn Versicherungen, Visa, Personal- und Transportkosten mache diese oft zu einem kostspieligen Unterfangen.

Allerdings bezweifelt die Direktorin des Linden-Museums in Stuttgart, dass es der Initiative in erster Linie um die Stärkung der afrikanischen Museen und Sammlungen gehe. "Ich habe den Eindruck, dass es mehr darum geht, eine deutsche Marke zu etablieren."

Dekolonisierung der Institutionen nicht entgegenwirken

Hinsichtlich der anhaltenden Kolonialismusdebatte müsse man mit einem solchen Konzept vorsichtig sein. "Die ethnologischen Museen arbeiten seit vielen Jahren an der Dekolonisierung der Institutionen. Wir bemühen uns, gemeinsam mit den Partnern aus den Herkunftsländern die westliche Sichtweise in Frage zu stellen. Wenn es sich bei dieser Initiative darum handelt, eine deutsche Narrative im Ausland etablieren zu wollen, könnte das aus afrikanischer Sicht missverstanden werden."

Digitalisierung der Sammlungen bleibt Wunschprojekt

Bezogen auf den internationalen Austausch zwischen den Kulturhäusern sieht Inés de Castro den eigentlichen Handlungsbedarf an ganz anderer Stelle: "Was ich mir wünschen würde, wäre eine groß angelegte Initiative des Bundes zur Digitalisierung."

Würden die Sammlungen der Museen digital erfasst und zugänglich gemacht werden, würde dies die internationalen Kooperationen massiv vereinfachen. „Da sind die deutschen Museen wirklich hintendran."

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