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In Zeiten, in denen die Corona-Pandemie unsere sommerlichen Ferienplanungen weitgehend ruiniert hat sorgt eine Ausstellung in Mannheim für eine kleine, feine Ablenkung und Erinnerung an schönere Tage. Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zeigen eine historische, aber durchaus aktuelle Foto-Ausstellung: „In 80 Bildern um die Welt“. Gezeigt wird eine sehenswerte Ausstellung mit den schönsten Reisefotos aus der eigenen Bildersammlung der REM.

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Bilder für Reisende und Daheimgebliebene

Wer Ende des 19. Jahrhunderts auf Italien-Reise ging, der bestellte und kaufte sich ein exklusives Fotoalbum bei Giorgio Sommer in Neapel. Städteansichten, Landschaften, Leute — und Naturkatastrophen wie der Vesuvausbruch 1872, sind etwa in dem fünf Kilogramm schweren Prachtband in rotbraunem Chagrinleder mit der geprägten Inschrift „ITALIA“ abgebildet.

In 80 Bildern um die Welt – Reisefotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert

In 80 Bildern um die Welt – Reisefotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Foto: rem, Forum Internationale Photographie)
Blick über Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund, Photochrom Zürich, um 1895 rem, Forum Internationale Photographie Bild in Detailansicht öffnen
Gizeh, an der Pyramidenstraße von Pascal Sébah, um 1875 rem, Forum Internationale Photographie Bild in Detailansicht öffnen
Abu Simbel, der große Tempel für Ramses II., von Pascal Sébah, um 1875 rem, Forum Internationale Photographie Bild in Detailansicht öffnen
Am Nil, Luxor, Ägypten, von Fee Schlapper, 1958 museum-folkwang.essen Bild in Detailansicht öffnen
Orientalische Gasse in Marrakesch, Marokko, von Peter Thomann, 1964 Peter Thomann Bild in Detailansicht öffnen
Ruhender Reiter, Kamerun, von Jürgen Heinemann, 1964 Jürgen Heinemann Bild in Detailansicht öffnen
Der große Fischzug, Strand von Kayar, Senegal, von Robert Lebeck, um 1960 Archiv Robert Lebeck Bild in Detailansicht öffnen
Hakone-Distrikt, Blick von Kashiwabara aus auf den schneebedeckten Gipfel des Fuji, von Tamamura Kozaburo (zug.), 1890er Jahre rem, Forum Internationale Photographie Bild in Detailansicht öffnen
Ōsaka, Dotonbori-Straße, um 1885 rem, Forum Internationale Photographie Bild in Detailansicht öffnen
Straßenfotograf in Genua, von Robert Häusser, 1959 Robert Häusser – Robert-Häusser-Archiv/Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim Bild in Detailansicht öffnen
Kultstätte, von Robert Häusser, 2000 Robert Häusser – Robert-Häusser-Archiv/Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim Bild in Detailansicht öffnen
Kalktuff-Formationen, Mono Lake, Kalifornien, von Volkhard Hofer, 1988 Volkhard Hofer Bild in Detailansicht öffnen

Spektakuläre Ansichten — auch mal nachbearbeitet

Diese frühen, standardisierten Reisefotografien sollten den Daheimgebliebenen ein möglichst umfassendes Bild der Reise geben. Aber auch ohne Computer und Fotoshop wurde damals analog kräftig aufgehübscht. Zwei Bildvarianten des Colosseums in Rom zum Beispiel: einmal mit leerem weißen Himmel und eine andere Variante mit dramatisch aufgetürmten Wolkenmassen.

Kurator Claude Sui erklärt: „Man hat hier kürzere Belichtungszeiten verwendet, um die Wolken festzuhalten, die anderen Bilder mit dem leeren Himmel, das waren die längeren Belichtungszeiten.“

Dann habe man versucht die Kurz- und Langzeitbelichtung der beiden Negative miteinander zu verbinden, um den dramatischen Wolkenhintergrund zu erzielen — was viel stimmungsvoller für die Käufer*innen und das Collosseum gewesen sei, so Sui.

Forum "Sonnige Grüße" - Eine Kulturgeschichte der Postkarte

Es diskutieren:
Dr. Anett Holzheid, Medienwissenschaftlerin, ZKM Karlsruhe
Prof. Dr. Heiko Hausendorf, Linguist, Universität Zürich
Prof. Dr. Stephan Porombka, Kulturwissenschaftler, Universität der Künste Berlin
Moderation: Norbert Lang  mehr...

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Einmal um die ganze Welt

Reisen war einmal exklusiv und ziemlich abenteuerlich: Auf Pyramiden klettern, am Berg Fuji Erleuchtung suchen und in Jerusalem auf den Spuren des Erlösers wandeln. Für das aus drei Abzügen riesiger Glasplatten zusammengesetzte Jerusalem-Panorama sollte man eigens eine Lupe mitnehmen, denn „das ganz Besondere an dem Panorama ist die unglaubliche, durchgängige Tiefenschärfe, das bekommen selbst die heutigen Kameras nicht hin“, berichtet Claude Sui.

Die Ausstellung „In 80 Bildern um die Welt“ vom 14.8.2020 - 10.1.2021 illustriert die Geschichte der Reisefotografie und zeigt zugleich die schönsten Sehnsuchtsorte auf allen Kontinenten. Ein kleiner Trost für Reiseverzicht in den risikoreichen Zeiten von Corona. Allemal Augenfutter für Daheimgebliebene.

In 80 Bildern um die Welt – Reisefotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Foto: Robert Häusser – Robert-Häusser-Archiv/Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim)
An der Promenade von Robert Häusser, 1954 Robert Häusser – Robert-Häusser-Archiv/Curt-Engelhorn-Stiftung, Mannheim

Mit einer Abteilung großformatiger Schwarz-Weiß-Fotografien von verwaisten Ferienorten des 2013 verstorbenen Hasselblad-Fotopreisträgers Robert Häusser liefert Kurator Claude Sui sogar einen sehr aktuellen Kommentar.

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