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Deana Lawson fotografiert schwarzen Alltag: Menschen in oft prekären Verhältnissen, aber immer mit Würde. Die Basler Kunsthalle zeigt die erste große Ausstellung der Afroamerikanerin in Europa. Eine großartige Schau mit Bildern, die gerade weißen Europäer*innen zu einem anderen Blick auf das Leben von Schwarzen und People of Color herausfordert.

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Bilder aus der Schwarzen Diaspora

Deana Lawson hat die afrikanische Diaspora bereist und in den brasilianischen Favelas oder auf einem Feld in Jamaica oder in billigen New Yorker Absteigen ihre Fotoobjekte getroffen: Schwarze Menschen, People of Color, die sie faszinierten, durch ihre Präsenz, ihre Persönlichkeit.

Deana Lawson in der Kunsthalle Basel (Foto: Alle Werke Courtesy die Künstlerin und Sikkema Jenkins & Co., New York )
Deana Lawson, Vera, 2020 Alle Werke Courtesy die Künstlerin und Sikkema Jenkins & Co., New York

Sie zeigt Bilder vom Alltag dieser Menschen, der oft von Armut, Chaos oder einem kleinkriminellen Milieu geprägt ist. „Chief“ etwa, eines der weniger männlichen Fotoobjekte der Ausstellung: Ein Mann sitzt feierlich auf der Kante eines alten Sofas, ausstaffiert mit dickem Goldschmuck und Krone. Leonardo Da Vincis Abendmahl hängt als billiger Wandteppich an der fleckigen Wand.

Das könnte absurd, fast lächerlich wirken und trotzdem schafft es die Fotografin, dem König ohne Königreich eine stille Eleganz zu verleihen.

„Gerade als Europäer*in, weiß vielleicht, ist man herausgefordert, sich immer wieder zu überprüfen, ob ich nicht selber einen kolonialistischen, imperialistischen Blick übe, dass ich mich nur auf das verlasse, was meine Perspektive ist.“

Deana Lawson in der Kunsthalle Basel (Foto: Alle Werke Courtesy die Künstlerin und Sikkema Jenkins & Co., New York )
Deana Lawson, Axis, 2018 Alle Werke Courtesy die Künstlerin und Sikkema Jenkins & Co., New York

Fotografin aus Familientradition

Die Kamera wurde der Afroamerikanerin quasi in die Wiege gelegt: Der Vater war Familienfotograf bei Xerox, die Mutter arbeitete für Kodak im Staat New York und so war es fast unvermeidlich, dass auch die Tochter den Beruf ergriff.

Und sehr schnell lernte, dass in der Kunstwelt kein Platz für Schwarze vorgesehen war, weder vor noch hinter der Kamera.

At Kunsthalle Basel we stand in solidarity with the Black Lives Matter movement and the call for justice and equality for all people. [...] 📸 Deana Lawson, "Young Grandmother," 2019. Courtesy of the artist and @sikkemajenkins ❤️ #lovebasel #kunsthallebasel #deanalawson

Explizit und implizit politische Kunst

Während ihre Bilder allein schon durch ihre würdevolle Darstellung von People of Color ein enormes politisches Potential haben, scheut Lawson aber nicht noch deutlicher zu werden: Ashantigesänge aus Ghana, in einem Video zusammengeschnitten mit historischem Bildmaterial vom äthiopischen Befreiungskampf gegen die italienische Kolonialmacht.

Gemeinsame Wurzeln der black community werden beschworen, der ewige Kampf um Respekt und die Forderung nach einem Leben in Würde, in Menschenwürde — vielleicht die wichtigste Botschaft dieser großartigen Ausstellung:

„Eines der wichtigsten Güter, die wir haben, ist die Menschenwürde. Und dass alle Menschen diese Würde in sich haben und deswegen auch wertgeschätzt werden müssen, egal, wie sie aussehen, egal unter welchen Umständen sie leben und dass wir großen Anteil daran haben, dass diese Würde allen gleich zugestellt wird.“

Die Ausstellung „Deana Lawson — Centropy“ läuft vom 9.6.-11.10.2020 in der Kunsthalle Basel.

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