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Wie eine Warnung thront der einstige keltische Fürstensitz von Weitem sichtbar auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg. Im Mittelalter zur Burg umgewandelt und bis ins 20. Jahrhundert als Gefängnis genutzt, wurde die Anlage im Volksmund auch Demokratenbuckel und Freiheitsgrab genannt und die Liste der Gefangenen liest sich wie das Who is Who der schwäbischen Intelligenz.

Hohenasperg – ein deutsches Gefängnis (Foto: Haus der Geschichte, Baden-Württemberg)
Steil und kurvig schlängelt sich der Weg hinauf auf die bedrohlich anmutende Festung mit ihren dicken Mauern, malerisch umgeben von Weinbergen und von Weitem sichtbar. Ganz oben, von wo aus man einen traumhaften Rundumblick auf Ludwigsburg und die umliegenden Hügel hat, befindet sich der Arsenalbau, die einstige Waffenkammer - heute ist dort das Museum untergebracht. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Der wohl berühmteste Häftling war der Journalist, Dichter und Herausgeber des poltisch-künstlerischen Wochenblatts „Teutsche Chronik“ Christian Friedrich Daniel Schubart. 1777 wurde er ohne Anklage auf Geheiß des württembergischen Herzogs Carl Eugen eingekerkert. Nach zehn Jahren Haft wurde Schubart – für viele seiner Zeitgenossen das Symbol der Fürstenwillkür - ebenso willkürlich wieder freigelassen von seinem „Tränenberg“. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Die große schwere rostige Tür von Schubarts Zelle erinnert an die lange Isolationshaft. In der Ausstellung wurde sie so aufgebaut, dass die Betrachter*innen die Innenseite — wie der Häftling selbst — sehen. Laut Museumsleiterin Franziska Dunkel handelte es sich damals um regelrechte Folterhaft, Schubart habe einmal pro Tag Essen hingestellt bekommen, Besuche und Briefe zu schreiben war verboten. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung greift die Schicksale und Biografien bekannter Insass*innen des Hohenasperg auf, wie etwa Joseph Süß Oppenheimer. Der Hoffakter von Herzog Karl Alexander von Württemberg wird Opfer von Antisemitismus und Intrigen am Hof. Er saß vom 30. Mai 1738 bis kurz vor seiner Hinrichtung in Stuttgart in der Festung in Haft. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Walter Hinrik Dorn, dessen Häftlingskleidung ausgestellt ist, war ein Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie. Verurteilt wegen eines Trickbetrugs, wurde er auf dem Hohenasperg wegen Schizophrenie in der besonderen Abteilung für Geisteskranke untergebracht. Fast wäre ihm die Flucht geglückt, er hatte Tarnkleidung angefertigt, ein Loch in die Decke gebohrt und sich in den Gefängnisgraben abgeseilt. Dort wurde er gestellt. Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Helmut Palmer, der „Remstalrebell“, war ein anderer prominenter Häftling. Im Bild ist er 1980 in seiner selbst gefertigten „Häftlingsjacke“ zu sehen. Durch verschiedene Streitigkeiten mit Verwaltung und Justiz verbrachte Palmer mehr als 400 Tage in verschiedenen Haftantstalten — diese Aufenthalte wusste er oft medienwirksam zu inszenieren. privat /Haus der Geschichte, Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen

Inhaftiert waren politisch anders Denkende vom Journalisten und Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart bis zum Zentrumspolitiker Eugen Bolz. Welches Schicksal sie dort erleiden mussten, veranschaulicht eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Arsenalbau Hohenasperg.

Die Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg im Museum im Arsenalbau auf dem Hohenasperg ist von April bis Oktober zu besichtigen.

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