Bitte warten...

Kunst Hiwa K - ein außergewöhnlicher Künstler in Mannheim

Weil ihnen Saddam Hussein das Farbfernsehen verweigerte, klebten die Kurden im Nordirak einfach bunte Folien auf den Bildschirm. Vielleicht ist Hiwa K so zum Künstler geworden. Als junger Mann floh er nach Deutschland. Seine politische Kunst beschäftigt sich mit den Kriegsgräueln im Irak und auf der Welt. Die Mannheimer Kunsthalle ehrt ihn mit dem Hector Preis und einer Ausstellung. Kunscht! hat ihn dort getroffen.

4:20 min | Do, 4.7.2019 | 22:45 Uhr | Kunscht! | SWR Fernsehen

Mehr Info

Kunstpreis

Hiwa K erhält den "Hector Preis" der Kunsthalle Mannheim

Wie man aus Schwarz-Weiß-Fernsehen Farbfernsehen macht? Ganz einfach: Man hält bunte Folien davor. Für seinen Erfindungsreichtum ist Hiwa K bekannt. Jetzt erhält er den Hector Preis.

Hiwa K: Keine Zeit für ein Leben als Star

In seinen Installationen verarbeitet der Künstler Hiwa K Erinnerungen und Erfahrungen aus seiner Jugend in Kurdistan. Vor zwanzig Jahren ist er aus dem Irak nach Deutschland geflohen, hat Kunst studiert und zählt heute zu den bedeutenden politischen Künstlern.

Kunstwerk von Hiwa K in der Mannheimer Kunsthalle: ein acht mal acht Meter großer Teppich mit einer Karte der Mannheimer Innenstadt, auf der Bombeneinschläge farbig markiert sind.

Auf dem acht mal acht Meter großen Teppich von Hiwa K, der eine Karte von Mannheim zeigt, sind Bombeneinschläge aus dem Zweiten Weltkrieg farbig markiert. Besucher dürfen ohne Schuhe auf dem Teppich herumspazieren und sollen so ins Gespräch kommen.

„Das Leben ist zu kurz, um als Star zu leben“, sagt er über den erworbenen künstlerischen Ruhm. Die Zeit dafür habe er nicht. In Deutschland vermisse er Menschen, die Zivilcourage zeigten, gegen Rechtsextremismus und Klimawandel. Deshalb arbeite er an Kooperationen.

Ankündigung des eigenen Scheitern

An der Wirkung seiner Werke zeigt der bescheidene Künstler große Selbstzweifel. Inzwischen versuche er in seinen Arbeiten sein „Scheitern“ anzukündigen, sagt er in SWR2.

3:34 min | Do, 4.7.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

Mehr Info

Kunst

Hiwa K erhält Hector-Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim

Marie-Dominique Wetzel

Hiwa K ist als junger Mann aus seiner nordirakischen Heimat nach Deutschland geflohen. Seit vielen Jahren lebt er bereits in Berlin und arbeitet als freier Künstler. Der Durchbruch gelang ihm, als er seine Arbeiten 2015 auf der Biennale von Venedig und 2017 bei der documenta 14 in Kassel zeigen durfte. Am 4. Juli wird ihm in der Kunsthalle Mannheim der Hector-Kunstpreis verliehen. Die Auszeichnung für zeitgenössische Kunst ist mit 20.000 Euro dotiert und die Werke der Preisträger werden in einer Sonderausstellung in der Kunsthalle Mannheim gezeigt.

Bewohnbare Betonröhren

Bei der documenta 14 in Kassel 2017 verwandelte er Betonröhren in „Wohnzimmer“. Die monumentale Skulptur sollte an Flüchtlinge erinnern, die im Hafen von Patras in solchen Röhren hausten. Auch er ist einst in Baurohren auf einem LKW geflüchtet.

Unter den in Mannheim gezeigten Kunstwerken ist auch die berühmte Glocke, die Hiwa K aus eingeschmolzenen Waffenteilen aus dem Irak gießen ließ. Den internationalen Durchbruch schaffte er auf der documenta und mit der Ausstellung seiner Arbeiten 2015 auf der Biennale von Venedig.

Weitere Themen in SWR2