Kunst Hiwa K - ein außergewöhnlicher Künstler in Mannheim

Weil ihnen Saddam Hussein das Farbfernsehen verweigerte, klebten die Kurden im Nordirak einfach bunte Folien auf den Bildschirm. Vielleicht ist Hiwa K so zum Künstler geworden. Als junger Mann floh er nach Deutschland. Seine politische Kunst beschäftigt sich mit den Kriegsgräueln im Irak und auf der Welt. Die Mannheimer Kunsthalle ehrt ihn mit dem Hector Preis und einer Ausstellung. Kunscht! hat ihn dort getroffen.

Hiwa K: Keine Zeit für ein Leben als Star

In seinen Installationen verarbeitet der Künstler Hiwa K Erinnerungen und Erfahrungen aus seiner Jugend in Kurdistan. Vor zwanzig Jahren ist er aus dem Irak nach Deutschland geflohen, hat Kunst studiert und zählt heute zu den bedeutenden politischen Künstlern.

Kunstwerk von Hiwa K in der Mannheimer Kunsthalle: ein acht mal acht Meter großer Teppich mit einer Karte der Mannheimer Innenstadt, auf der Bombeneinschläge farbig markiert sind. (Foto: SWR, SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel)
Auf dem acht mal acht Meter großen Teppich von Hiwa K, der eine Karte von Mannheim zeigt, sind Bombeneinschläge aus dem Zweiten Weltkrieg farbig markiert. Besucher dürfen ohne Schuhe auf dem Teppich herumspazieren und sollen so ins Gespräch kommen. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel

„Das Leben ist zu kurz, um als Star zu leben“, sagt er über den erworbenen künstlerischen Ruhm. Die Zeit dafür habe er nicht. In Deutschland vermisse er Menschen, die Zivilcourage zeigten, gegen Rechtsextremismus und Klimawandel. Deshalb arbeite er an Kooperationen.

Ankündigung des eigenen Scheitern

An der Wirkung seiner Werke zeigt der bescheidene Künstler große Selbstzweifel. Inzwischen versuche er in seinen Arbeiten sein „Scheitern“ anzukündigen, sagt er in SWR2.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

„Bewohnbare“ Betonröhren

Bei der documenta 14 in Kassel 2017 verwandelte er Betonröhren in „Wohnzimmer“. Die monumentale Skulptur sollte an Flüchtlinge erinnern, die im Hafen von Patras in solchen Röhren hausten. Auch er ist einst in Baurohren auf einem LKW geflüchtet.

Unter den in Mannheim gezeigten Kunstwerken ist auch die berühmte Glocke, die Hiwa K aus eingeschmolzenen Waffenteilen aus dem Irak gießen ließ. Den internationalen Durchbruch schaffte er auf der documenta und mit der Ausstellung seiner Arbeiten 2015 auf der Biennale von Venedig.

Ausstellung 5.7. - 1.9.
Hector-Preis: Hiwa K
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim

Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag & Feiertage 10 - 18 Uhr
Mittwoch 10 - 20 Uhr / 1. Mittwoch im Monat 10 - 22 Uhr
Montag geschlossen

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