Ausstellung

Als US-Leichtlebigkeit auf pfälzische Skepsis traf: Ausstellung zeigt die Anfänge der deutsch-amerikanischen Freundschaft

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AUTOR/IN
Helen Roth

Seit mehr als 70 Jahren leben US-Amerikaner*innen und Deutsche zusammen in der Pfalz. Anfangs trafen Welten aufeinander. Die Pfalzbibliothek Kaiserslautern zeigt mit „handshake“, mit welcher Skepsis sich beide Bevölkerungsgruppen zunächst begegneten.

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Unbekannte Gepflogenheiten in der Provinz

Die Fünfziger Jahre an den US-Standorten Ramstein und Kaiserslautern: Die Anwesenheit der Amerikaner war für die Bevölkerung der ländlich geprägten Pfalz etwas Ungewohntes, erzählt Mario Aulenbacher, der Leiter des Docu Centers Ramstein.

„Da waren dann plötzlich die großen amerikanischen Autos auf den kleinen Dorfstraßen unterwegs. Aber auch in Kaiserlautern kannte man sowas vorher ja gar nicht.“

 US-Leichtlebigkeit trifft pfälzische Skepsis

Anhand von Fotografien, Büchern und Broschüren lässt die Ausstellung „handshake“, die aus dem breiten Archiv des Docu Center Ramstein zusammengestellt wurde, diese Zeit der Annäherung wieder aufleben. Besonders die anfänglichen Widersprüche zwischen den beiden Kulturen zeigen sich deutlich.

Auf der einen Seite waren da die weltoffenen Amerikaner, die Jeans trugen und Jazz und Rock ‘n‘ Roll hörten. Auf der anderen Seite die eher volkstümlichen Deutschen, in Rock und Anzugshose und manchmal mit leicht skeptischem Blick.

Handshake - Pfalzbibliothek Kaiserslautern (Foto: SWR, Helen Roth)
Einführung zur Ausstellung „handshake“ in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Reiseführer mit Ausflugszielen in Ramstein und dem Nahetal. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Vitrine mit ersten Sprachlernbüchern aus der Besatzungszeit. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die Ausstellung. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Bücher zu den kulturellen Eigenheiten der Deutschen. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Reiseführer zur Erkundung der Region für die US-Soldaten und deren Familien. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Zusammenfassung des Inhalts aus dem Buch „These strange german ways“. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Sprachführer und Wörterbücher für die deutschen Arbeitnehmer zum Englisch lernen. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen
Bücher zu weiteren Besonderheiten u.a. die Trinktemperatur des deutschen Bieres. Helen Roth Bild in Detailansicht öffnen

„Man kam gerade aus dem zweiten Weltkrieg und war mit Wiederaufbau beschäftigt. Das war eine neue Welt, die mit den Amerikanern hier Einzug gehalten hat“, sagt Aulenbacher.

Diese seltsamen deutschen Gewohnheiten

Damit diese beiden Welten nicht völlig unvorbereitet aufeinanderstießen, wurden die US-Soldaten und ihre Familien mit einer Vielzahl von Welcome Guides über den Standort und seine Einrichtungen informiert. Daneben gab es Reiseführer für die nähere und weitere Umgebung und schließlich Informationsbücher über Deutschland und die Deutschen.

Beim Blick über die Ausstellungsstücke fällt einem besonders der Buchtitel „These strange German Ways“ ins Auge, zu deutsch „Diese seltsamen deutschen Gewohnheiten”.

„Da steht drin, in welcher Temperatur das Bier hier getrunken wird, in welcher Situation man sich die Hand schüttelt, wer auf welcher Seite geht. Wenn man das heute ließt, dann ist das schon sehr skurril“, sagt Aulenbacher.

Ausstellung lädt zum Schmökern ein

Selbstverständlich hat man aber auch an die deutschen Arbeitnehmenden gedacht. Bereits in der Besatzungszeit kam eine große Umstellung auf sie zu. Innerhalb kurzer Zeit mussten sie die Fremdsprache Englisch lernen.

Und so finden sich in der Ausstellung auch viele Lehrbücher zum Spracherwerb, die im Vergleich zu heutigen Schulbüchern sehr unpädagogisch wirken. Die Ausstellung „handshake“ vom Docu Center Ramstein, die nun in der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern gezeigt wird, lädt zum genauen Hinsehen und Schmökern ein. 

Die deutsch-amerikanische Beziehungen haben sich seit 70 Jahren bewährt, aus heutiger Sicht rist erstaunlich, wie fremd sich die Kulturen damals waren. 

Über das Flugunglück von Ramstein

Film „Ramstein – das durchstoßene Herz“: Spielfilm und Doku in der ARD Mediathek

Es war als fröhliches Völkerfest geplant und endete mit 70 Toten und hunderten Verletzten: Am 28. August 1988 kam es bei einer Flugschau der US Air Force in Ramstein zur Katastrophe. Der Spielfilm „Ramstein - Das durchstoßene Herz“ und die begleitende Dokumentation möchten den Opfern und Hinterbliebenen gedenken und macht Notfall-Seelsorge zu einem wichtigen Thema.

SWR2 Journal am Mittag SWR2

8.9.1988 Debatte: Wer trägt Schuld an der Ramstein-Katastrophe?

8.9.1988 | Zwei Wochen nach dem Flugunglück in Ramstein debattiert der rheinland-pfälzische Landtag über die Verantwortung und die Konsequenzen. Hier: Ministerpräsident Bernhard Vogel und Oppositionschef Rudolf Scharping (ab Min. 29).

28.8.1988 Ramstein: Erster Live-Bericht nach dem Flugunglück

28.8.1988 | Mehr als 300.000 Besucher sind zur Flugschau nach Ramstein gekommen. Virtuos fliegen zehn Maschinen im Formationsflug über das Gelände, bis 3 von ihnen kollidieren und abstürzen. Eine davon schlägt fünfzig Meter vor dem Zuschauerbereich auf und rutscht dann brennend in ihn hinein. Vor Ort ist auch SWF-Reporter Aris Donzelli.

SWR2 Zeitwort 28.8.1988: Auf dem Airport Ramstein passiert eine Katastrophe

Am 28. August 1988 stoßen bei eine Flugschau in Ramstein drei Flugzeuge zusammen. Bei einem der schwersten Flugzeugunglücke kommen insgesamt 70 Menschen ums Leben, 345 werden zum Teil schwer verletzt.

SWR2 Zeitwort SWR2

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Helen Roth