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„Gurlitt. Eine Bilanz“ das Kunstmuseum Bern blickt hinter Gurlitts Bilder

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Frauke Oppenberg

Das Kunstmuseum in Bern präsentiert eine erste Bilanz seines Umgangs mit dem schwierigen Gurlitt-Erbe. Acht Jahre nachdem das Schweizer Museum den Nachlass von Cornelius Gurlitt übernommen hat, gibt es nun der Öffentlichkeit erstmals spannende Einblicke in die Provenienzforschung, der rund 1600 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken.

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Gurlitt bleibt ein großes Rätsel

„Ganz eindeutig als NS-Raubkunst identifiziert und an die Erben der rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurden bis jetzt nur neun Werke“, berichtet die Schweizer Korrespondentin Kathrin Hondl. Die Ausstellung zeige sehr eindrücklich die aufwendige Detektivarbeit, die die Mitarbeiter*innen des Museums seit Jahren leisten meint Hondl, „da wurde zu Beispiel ganz systematisch Spuren von Manipulationen auf und an den Bildern nachgegangen.“

Besonders markant sei das in der Ausstellung bei drei Bildern von Gustave Courbet. Diese gerahmten Bilder stammen, laut der Berner Forschung, eigentlich von einer Holzkiste. „Da sich gerahmte Bilder mehr lohnen, hat der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der Vater von Cornelius Gurlitt, die Kiste zerstören lassen und die Bilder einzeln verkauft“, weiß Hondl.

Darüber hinaus zeige die Ausstellung aber auch die verschiedenen Methoden, die Gurlitt bei der Verschleierung sogenannter entarteter Kunst aus deutschen Museen anwandte. „Das große Rätsel bleibt aber weiterhin Cornelius Gurlitt. Er wird erwähnt, wir erfahren aber nichts näheres über ihn“, sagt Kathrin Hondl.

Gurlitt. Eine Bilanz (Foto: Pressestelle, Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014)
Max Beckmann; Zandvoordt Strandcafé, 1934, Aquarell mit Gouache über Spuren einer Vorzeichnung mit Kohle auf Papier, 49,9 x 65 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Paul Cézanne: La Montagne Sainte-Victoire, 1897, Öl auf textilem Träger, doubliert, 73 x 91,5 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
George Grosz: o. T. [Strassenszene], ohne Datum, Feder in Schwarz [Tusche], über Aquarell, auf Papier [vergé], 47,9 x 56,6 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Wassily Kandinsky: Schweres Schweben, 1924, Schwarze und farbige Tusche [Ausziehtusche] und Aquarell auf Karton, 48,5 x 33,6 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Franz Marc: Pferde in Landschaft, 1911, Aquarell und Deckweiss mit Grafitstift über Vorzeichnung mit Grafitstift auf Holzschliffpapier, 23,5 x 29,6 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Claude Monet: Waterloo Bridge, temps gris, 1903, Öl auf textilem Träger, doubliert, 65 x 101,5 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Edvard Munch: August Strindberg, 1896, Lithografie in Schwarz und Grau, [mit Kreide, Tusche und Schabtechnik] auf grauem Papier [vélin] 66,5 x 49,6 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Auguste Rodin: La Danaïde, 1885, Bronze, 22 x 39 x 25,5 cm Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 Bild in Detailansicht öffnen

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