Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo BayFoto: Debi Cornwall (Foto: Pressestelle, Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo Bay/Foto: Debi Cornwall)

Fotografie

Guantánamo — ein Erholungscamp? Ulmer Ausstellung karikiert die Perspektive der US-Militärs

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INTERVIEW
Astrid Tauch

„Die amerikanische Militäradministration will das Gefangenenlager Guantánamo als lebenswerten Ort für die dort stationierten Soldat*innen darstellen“, so Kuratorin Daniela Yvonne Baumann, die Fotos der US-Menschenrechtsaktivistin Debi Cornwall aus Guantanamo im Stadthaus Ulm ausstellt. Die Aktivistin hatte das Lager dreimal besucht und die Erlaubnis zum Fotografieren erhalten. Jedes ihrer Bilder, die eine vermeintlich heile Welt zeigen, ging durch die Zensur des US-Militärs.

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Bilder von vermeintlich heiler Welt in Guantanamo  (Foto: Debi Cornwall)
Für US-Soldaten gilt ein Aufenthalt auf der Marinebasis Guantanamo als Belohung für gute Arbeit im Dienste der USA. Debi Cornwall

Keine Häftlinge, sondern Bowlingbahn, Sandstrände und Swimmingpool

Die Bilder zeigen eine Scheinwelt mit gut ausgestatteter Bowlingbahn, traumhaften Sandstränden und Luxus-Swimmingpool. Die Bilder seien einer Zensur unterworfen gewesen, sodass sie die Wahrheit nur sehr subtil aufdecken.

Zum Beispiel, indem sie zeigen, worin die „Annehmlichkeiten“ bestehen: Aus Hygieneartikeln oder Kleidung. Keine Selbstverständlichkeit, denn früher sei Nacktheit als Mittel der Entwürdigung und Folter benutzt worden.

Artikel für den persönlichen Komfort der Gefangenen, Camp 5, US Marinestützpunkt Guantánamo Bay, Kuba 2015 (Foto: Pressestelle, Foto: Debi Cornwall)
Artikel für den „persönlichen Komfort der Gefangenen“, Camp 5 Pressestelle Foto: Debi Cornwall

Cornwall konnte ihre Fotos nur in Camp 6 machen, Camp 7 sei eine „Blackbox“: „Wer hier einsitzt, käme nie wieder frei und habe keine Aussicht auf einen Gerichtsprozess.“ Ein Ausstellungsraum in Ulm zeigt Fotos von Ex-Häftlingen. Viele seien traumatisiert, manche engagierten sich heute aber im Menschenrechtsbereich.

„Kriegs gegen den Terror“ – Das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba

Die 2002 erreichtete US-Marinebasis in Guantánamo, Kuba, ist einer der berüchtigtsten Orte der jüngsten amerikanischen Geschichte. 2002 errichtete das amerikanische Militär dort im Rahmen des globalen „Kriegs gegen den Terror“ ein Gefangenenlager.

Bilder von vermeintlich heiler Welt in Guantanamo  (Foto: Debi Cornwall)
Vielseitiges Freizeitangebot: „Familienspaß“ im Kinderpool der US-Militärbasis Debi Cornwall

Bilder von Insassen in orangefarbener Häftlingskleidung, die in der prallen Sonne in Drahtkäfigen ausharren, gingen um die Welt und sorgten zusammen mit Berichten über die Anwendung von Folter für weltweite Kritik und Diskussionen über die Menschenrechtssituation vor Ort. Gefoltert wird in Guantánamo aktuell nicht mehr. Häftlinge gibt es aber immer noch. 39 Männer werden von rund 1.500 Militärs bewacht.

Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo BayFoto: Debi Cornwall (Foto: Pressestelle, Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo Bay/Foto: Debi Cornwall)
Der „Frischluft-Käfig“ wird auch als „Annehmlichkeit“ inszeniert. Pressestelle Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo Bay/Foto: Debi Cornwall
Ulm

Fotoausstellung von Debi Cornwall "Inside Guantanamo Bay" - Ulmer Stadthaus zeigt Bilder aus dem Foltergefängnis

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