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Grenzen erreicht - Ute Hübner hat nach 20 Jahren das Hesse-Museum Gaienhofen verlassen

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AUTOR/IN
Barbara Paul

Ute Hübner hat 20 Jahre lang das Hesse-Museum in Gaienhofen geleitet, schuf aus dem ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers einen angesehenen Ausstellungsort. Anfang des Jahres kündigte sie ihre Stelle. Zuvor hatte die Gemeinde eine Stellenumstrukturierung beschlossen: eine von zwei Halbtagsstellen wurden gestrichen und mit einer Saisonstelle und einer Minijob-Stelle ersetzt. Schlecht empfundene Kommunikation und der Eindruck fehlender Wertschätzung: für Ute Hübner war damit nach den vielen Jahren nun die Grenze erreicht.

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Kunst und Kultur - für die Gaienhofener Rathausspitze nur Kür

In den ganzen 20 Jahren die Ute Hüber das Hesse-Museum in Gaienhofen leitete, kollidierte ihre Haltung stets mit der Haltung der Rathausspitze. „Ich musste mich immer gegen die Ansicht verteidigen, Kunst und Kultur ist keine Pflicht, nur Kür! Das habe ich die ganzen Jahre zu hören bekommen“, erzählt sie.

Das Hermann-Hesse-Museum in Gaienhofen auf der Höri (Foto: IMAGO,  imago images/Westend61)
Das Hermann-Hesse-Museum in Gaienhofen imago images/Westend61

Trotzdem schaffte es die promovierte Kunsthistorikerin in dieser Zeit aus dem ehemaligen Wohnhaus von Hermann Hesse einen überregional beachteten Ausstellungsort zu machen. Sie schuf in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv Marbach eine neue Dauerausstellung zu Hesse, richtete zwei neue Themenbereiche ein: die „Künstlerlandschaft Höri“ und die „Literaturlandschaft Höri“. Und sie zeigte zusätzlich bis zu vier Wechselausstellungen pro Jahr. Mit kommunalen Geldern allein hätte sie das nicht umsetzten können, sagt sie.

Vielmehr hatte sie Unterstützung für Projekte vom Land oder vom Bund bekommen, die „Kunst und Kultur im ländlichen Raum“ in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit widmeten. „Und das hat mich dann auch dazu bewogen bei der Stange zu bleiben“, sagt Hübner.

Museen sind Bildungseinrichtungen - keine Freizeiteinrichtungen

Hübners Handschrift: Literatur in Verbindung mit Bildender Kunst zu inszenieren. Dafür lud sie Kuratorinnen und Kuratoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen ein, genauso wie zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler. So war immer viel los im Hesse-Museum. Auch weil Hübner sich viel Zeit für das Publikum nahm, das Grundverständnis ihrer Arbeit. „Ich wollte damit immer herausstellen, dass Museen zu Bildungseinrichtungen gehören, und nicht zu Freizeiteinrichtungen!“ erklärt sie.

Dass Ute Hübner Anfang des Jahres bei der Gaienhofener Gemeinde ihre Kündigung einreichte und nun zum Sommer das Haus verlassen hat, war für viele in der Kulturszene ein Schock. Zuvor wurde von der Gemeinde entschieden, eine von zwei Halbtagsstellen zu streichen und dafür einen Minijob und eine Saisonstelle zu schaffen.

„Es ist mir natürlich klar, dass Ressourcen für Kultur schrumpfen“, sagt Hübner. Fehlende Kommunikation in dieser Sache hätten sie aber dazu gebracht, diese Konsequenz zu ziehen.

Die Stellenumstrukturierungen am Hesse-Museum sparen jährlich rund 12.000 Euro

Auf SWR-Anfrage bestätigte der Gaienhofener Bürgermeister Uwe Eisch, dass mit der Stellenumstrukturierung jährlich rund 12.000 Euro eingespart würden. Er betonte nochmals: „Der Betrieb eines Museums gilt als freiwillige Aufgabe einer Gemeinde. Und bedeutet stets eine besondere Herausforderung für eine Kommune dieser Größenordnung.“

Wer Ute Hübner in ihrer ruhigen und konzentrierten Art erlebt, kann erahnen, dass der Schritt zu gehen für sie sicher nicht einfach, aber schließlich wohlüberlegt war. Schlecht empfundene Kommunikation und der Eindruck fehlender Wertschätzung: Für Ute Hübner war damit nach den vielen Jahren nun die Grenze erreicht. Für das Hesse-Museum in Gaienhofen bedeutet das einen enormen Verlust!

Gaienhofen

Gaienhofen Neue Leiterin für das Hesse-Museum

Das Hesse-Museum in Gaienhofen auf der Höri (Kreis Konstanz) bekommt eine neue Leiterin: Yvonne Istas. Der Gemeinderat hat sie aus elf Bewerbern ausgewählt. Die promovierte Kunsthistorikerin leitet bislang das Stadtmuseum Rosenegg im Schweizerischen Kreuzlingen, zuvor war sie 16 Jahre lang Leiterin des Stadtmuseums und Stadtarchivs Stockach (Kreis Konstanz). Ihre Vorgängerin im Hesse-Museum hatte Anfang des Jahres gekündigt.  mehr...

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Barbara Paul