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Gewissen und Protest - Museum der Stadt Worms zeigt die Landesausstellung zu Martin Luther

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Welchen Stellenwert haben Glaube und Gewissen? Diese Frage will die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ im Museum der Stadt Worms zu beantworten.

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Worms war eine bedeutende Reichsstadt

Der erste Teil der Ausstellung im Museum der Stadt Worms zeigt in der profanisierten Andreaskirche die Ereignisse in Worms, schildert ausführlich die Geschichte anhand schematischer Darstellungen und Texte. Worms war im Mittelalter eine bedeutende Reichsstadt, die auch durch die jüdische Bevölkerung zu einem wichtigen Handels- und Messezentrum aufgestiegen war.

Hier fanden zahlreiche mehrmonatige Reichstage statt. Highlights unter den Exponaten sind die handschriftliche Notiz, die sich Martin Luther in der Nacht zwischen ersten und zweitem Verhörtag gemacht hat, und ein Bildnis des Kirchenrebellen gemalt von Lucas Cranach d.Ä..

Martin Luther schrieb Weltgeschichte

Vorgestellt wird ein facettenreicher Mensch, der offensiv für seine Thesen eingetreten ist, aber gleichzeitig auch Antisemit war. Der Mythos Martin Luther wird in Filmausschnitten und Hörstationen vorgestellt.

Mit der Entscheidung einzig und allein seinem Gewissen verantwortlich zu sein, und nicht dem Kaiser oder Papst, hat Martin Luther Weltgeschichte geschrieben. Dank der Erfindung der Druckkunst, die er sich zunutze machte, wurde das Ereignis zu einer Medienschlacht zwischen Papstkirche und Reformation – zahlreiche Bücher und Flugblätter belegen das.

Personifizierte David versus Goliath Geschichten

Im zweiten Teil der Ausstellung geht es dann in um berühmte Persönlichkeiten, die für ihre Überzeugung und Ideale eingetreten sind wie Martin Luther King, Nelson Mandela, Sophie Scholl oder Georg Büchner.

Es sind personifizierte Geschichten David gegen Goliath von der Aufklärung über die französische Revolution bis zum Thema Sterbehilfe. Dahinter steht die Frage: „Ob man zu reflektierten ethisch begründbaren Idealen in riskanten Situationen steht, wo man auch in äußeren Konflikt gerät und schlimmstenfalls genötigt ist nur auf sich selbst oder auf Gott oder das Naturrecht oder auf eine Art Humanismus zu vertrauen.“

Die Ausstellung erinnert an den Stellenwert von Glaube und Gewissen

Exponate wie die Jeansweste des Theologen Christian Führer, der aus Protest gegen das Wettrüsten die Montagsgebete in der Leipziger Nicolaikirche initiierte oder die Spindeluhr des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn stellen dabei immer den Menschen in den Mittelpunkt.

Die Wormser Ausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Freiheit 1521-2021“ fußt vor allem auf Texten und Schaubildern, ist durch zahlreiche Hörbilder und Animationen aber auch sehr lebendig. Kompakt schildert sie historische Ereignissen, die uns neu denken lassen, welchen Stellenwert Glaube und Gewissen in den letzten 500 Jahren hatten und bis heute haben.

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Was ist Fiktion, was Wahrheit? Die berühmten Aussprüche von Martin Luther

Die Stadt Worms feiert im Frühjahr 2021 den legendären Auftritt Martin Luthers auf dem Reichstag vor exakt 500 Jahren. Ein Ereignis, bei dem der Wittenberger Reformator Weltgeschichte geschrieben hat. Unter anderem mit dem Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Aber hat er den Satz wirklich gesagt? Möglicherweise, aber aus einem anderen Grund, als viele vermuten, sagt der Theologe und Journalist Andreas Malessa.  mehr...

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Luther werde heute vor als Vorbild für Zivilcourage gesehen, so die Mainzer Kirchenhistorikerin Irene Dingel in SWR2. So werde heute auch der angebliche berühmte Ausspruch Luthers vor dem Wormser Reichstag vor genau 500 Jahren verstanden: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“. Es sei heute ein berühmtes Diktum für Aufrichtigkeit und Mut, so Dingel: „Da steht jemand inmitten seiner Feinde, und er bleibt bei seiner Meinung.“
Das berühmte Zitat sei dabei erst nach dem Tod von Luther aufgekommen, nach 1546, so die Leiterin des Leibniz Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Es finde sich erst im zweiten Band der lateinischen Ausgabe von Luthers Werken, in einer vorgeschalteten Biographie von Philipp Melanchthon, und sei so auch weiterverbreitet worden, beispielsweise über den Straßburger Theologen Ludwig Rabus.
Trotz solcher erst nachträglich kolportierten Aussprüche sei Luther aber keineswegs eine Projektionsfläche für beliebige Äußerungen. Nur weil der Wittenberger Mönch eine singuläre geschichtliche Figur gewesen, früh heroisiert worden und ungeheuer populär gewesen sei, versuche sich letztlich jedes Zeitalter auf neue Art in seiner Figur zu spiegeln.
So sei das berühmte Wort vom Weltuntergang, der ihn nicht hindern werde, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, vermutlich erst im 18. Jahrhundert, womöglich sogar erst während des Zweiten Weltkriegs, entstanden. Aber, so Irene Dingel: „Jemandem so etwas zuzuschreiben hat ja auch einen wahren Kern: Tatsächlich war Luther jemand, der eine große Stärke aus der Hoffnung auf die Zukunft selbst erfahren hat, der andererseits aber auch um die Ängste der Menschen wusste.“  mehr...

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Worms

Spektakel Luther für jede*n — Martin Luther in Worms als große Multimediaproduktion

Der deutsch-iranische Komponist und Sounddesigner Parviz Mir-Ali ist ein Spezialist für Crossover-Produktionen, die ein breites Publikum anziehen. Er hat schon Soundtracks für die André Heller-Show und das Burgtheater komponiert, aber auch für ein Multimedia-Spektakel auf den Fassaden der Frankfurter Skyline. In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche projiziert der Frankfurter Komponist ein Multimedia-Spektakel auf die Fassade der Wormser Dreifaltigkeitskirche. Die „Zeitmaschine" für dieses Event zum 500. Jahrestag von Luthers Gewissensentscheidung hat Parviz Mir-Ali selbst gebaut. Der „Luthermoment" ist ein Brückenschlag von 1521 bis heute.  mehr...

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