Fotografie

„gesichtslos – Frauen in der Prostitution“: Mannheimer Ausstellung wirft den Blick auf ein Tabuthema

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Prostitution, auch genannt Sex-Arbeit, bleibt trotz der scheinbaren gesellschaftlichen Akzeptanz und gesetzlichen Regelung ein Tabu-Thema. Vor allem die Frauen, die schlecht bezahlt und ohne Krankenversicherung in der Armutsprostitution landen, leben abseits der sozialen Wahrnehmung. Die Mannheimer Prostituierten-Beratungsstelle Amalie zeigt zusammen mit den Reiss-Engelhorn-Museen eine Foto-Ausstellung, die die Frauen aus der Unsichtbarkeit holen möchte.

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Ohne voyeuristische Klischees

Mehr als 1.800 Bilder hatte die Kuratorin Stephanie Hermann zur Auswahl, um daraus die Ausstellung zu machen. Gerade mal 40 haben es an die Museumswände geschafft. Geleitet von dem Ziel „den Besuchern einen Einblick in die Prostitution zu geben, den sie so nicht haben, ohne voyeuristische Klischees zu bedienen, oder überhaupt Klischees zu bedienen. Es geht um die Frauen“, so Hermann.

Ausstellung „gesichtslos - Frauen in der Prostitution" in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (Foto: Pressestelle, Hyp Yerlikaya, Serie „Amalie“, 2021, www.yerlikaya.de )
Bilder von Hyp Yerlikaya in der Ausstellung „gesichtslos - Frauen in der Prostitution" in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Pressestelle Hyp Yerlikaya, Serie „Amalie“, 2021, www.yerlikaya.de Bild in Detailansicht öffnen
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Viele haben ihre Heimatländer verlassen, um der Armut und der Perspektivlosigkeit zu entfliehen — in Deutschland finden sie sich dann in einer noch prekäreren Lage wieder. Es gibt auch selbstbestimmte und gut bezahlte Prostituierte, aber das sind nicht die Frauen, die zur Amalie-Beratungsstelle kommen und die man auf den Schwarz-Weiß-Bildern dieser Ausstellung sieht.

Zehn Frauen haben mitgemacht

Denn: Keine zeigt ihr Gesicht, alle tragen ausdruckslose weiße Masken. Etwa die Frau in schwarzen Dessous, die sich das Gesicht wäscht oder eine andere, die allein in einem Raum voller Spielautomaten sitzt. Zehn Frauen haben bei dem Projekt mitgemacht, bei dem es nicht um dokumentarische, sondern um inszenierte Fotografie geht. Und bei dem es nach Angaben der Beratungsstelle Amalie kein Problem war, dass ein Mann — Fotograf Hyp Yerlikaya— die Bilder macht.

Julia Wege von der Beratungsstelle erzählt: „Und dann haben wir die Frauen selbst gefragt, welche Orte sind euch wichtig? Wir haben auch gesagt: ihr könnt euch gerne beteiligen: Was wollt ihr anziehen? Welche Details sind euch wichtig?“ Vor den Foto-Sessions gab es Interviews und Gespräche und auch daraus finden sich Teile in der Ausstellung wieder.

Ausstellung „gesichtslos - Frauen in der Prostitution" in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (Foto: Pressestelle, Hyp Yerlikaya, Serie „Amalie“, 2021, www.yerlikaya.de )
Bilder von Hyp Yerlikaya in der Ausstellung „gesichtslos - Frauen in der Prostitution" in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Pressestelle Hyp Yerlikaya, Serie „Amalie“, 2021, www.yerlikaya.de

In der Mitte der Gesellschaft sichtbar machen

So erzählen die Bilder, von denen keines sexuell oder erotisch aufgeladen wirkt, an einem bei Familien sehr beliebten Ort — zwischen „Eiszeitsafari“ und „Ägypten — Land der Unsterblichkeit“ von einem sehr harten und einsamen Leben, aber auch von Hoffnung und der Suche nach Normalität. Damit holt die Ausstellung die Frauen in die Mitte der Gesellschaft. Und da gehören sie hin.

Blick in die Ausstellung mit den Landesnachrichten:

Gesellschaft Sexkauf verbieten? – Der Streit um Prostitution in Deutschland

Prostitution wird immer noch oft als moralische Frage behandelt. Doch eine selbstständige Sexarbeiterin ist nicht mit einer Zwangsprostituierten zu vergleichen. Wie können alle sicher arbeiten?  mehr...

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SWR2 Feature | das ARD radiofeature Licht aus im Bordell – Die Zukunft der Prostitution in Deutschland

Von Michael Weisfeld
(Produktion: SR 2021)  mehr...

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Ausstellung „Arbeit & Migration: Geschichten von hier“ — Technoseum Mannheim zeigt die Schicksale der Gastarbeiter

Hunderte Lebensgeschichten und Schicksale von Gastarbeitern in Deutschland präsentiert das Mannheimer Technoseum in einer großen Landesausstellung unter dem Titel „Arbeit & Migration“. Eine große Schau von Erinnerungen, die nicht möglich gewesen wäre ohne Helfer wie den 72-jährigen Giuseppe Londero und seine Familienbilder.  mehr...

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