Fotografie

Gerty Simon — eine Fotografin im Exil: Liebermann Villa Berlin zeigt ihre Porträts von Einstein & Co

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Obwohl die deutsch-jüdische Fotografin Gerty Simon viele berühmte Figuren der Berliner Gesellschaft der 20er Jahre fotografierte, ist sie heute völlig in Vergessenheit geraten.

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Die Ausstellung rekonstruiert das Leben der Fotografin

Das wellige Haar schwungvoll nach hinten gekämmt, der Blick ruhig und pragmatisch. So hat sich Gerty Simon selbst porträtiert. Jetzt hängt ihr Bild direkt neben dem Foto, das sie 1929 von Max Liebermann aufgenommen hat, wahrscheinlich in seiner Villa am Wannsee.

Gerty Simon (Foto: Pressestelle, Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections)
Albert Einstein, 1929 Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen
Max Liebermann, 1929 Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen
Lotte Goslar, 1925-1933 Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen
Unbekannt, Gerty Simon, ohne Datum Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen
Renée Sintenis, um 1929-1932 Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen
Selbstporträt, um 1934 Pressestelle Gerty Simon, The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections Bild in Detailansicht öffnen

Die spannende Ausstellung „Gerty Simon. Berlin/London“ rekonstruiert mit Hilfe von Fotos und Dokumenten aus dem Nachlass das Leben der Fotografin. Gerty Simon, 1887 in Bremen geboren, zieht mit ihrem Mann Wilhelm Simon 1919 nach Berlin. Ihr Studio richtet sie in der Charlottenburger Wohnung ein.

1933 muss Simon nach London emigrieren

Im Berlin der zwanziger Jahre startet Gerty Simon ihre Karriere mit Porträts berühmter Schauspielerinnen und Künstler. Bei Käthe Kollwitz sieht man die Augenringe und damit die Verletzlichkeit der Bildhauerin.

In einer Ausstellung des Folkwang Museums werden ihre Bilder neben denen der berühmtesten Fotograf*innen ihrer Zeit gezeigt, den Bauhäuslern, Man Ray oder Berenice Abbot.

Als Gerty Simon 1933 emigrieren muss, bereitet sie ihren Neustart in London professionell vor. Ihr Mann bleibt bis 1938 in Berlin. In London nutzt die Fotografin das Netzwerk der deutsch-jüdischen Emigranten. Eine ihrer Ausstellungen wird von dem einflussreichen Kunsthändler Alfred Flechtheim kuratiert, der ebenfalls aus Berlin fliehen musste.

Das Museum hofft, die Lücken in Simons Biografie schließen zu können

Die britischen Journalisten staunen über den Trainingsanzug, den Gerty Simon bei der Arbeit trägt. Ein Journalist hat geschrieben, die Fotos sind Kiss or kill photographs. Wenn man sie sieht, will man Gerty Simon entweder küssen oder töten, es kommt darauf an, wie ehrlich man ist, über das eigene Erscheinen.

Noch ist wenig bekannt über das Ende der Karriere von Gerty Simon. Offenbar hat sie nach 1936 nicht mehr fotografiert. In London nahm die Fremdenfeindlichkeit zu, sagt Lucy Wasensteiner.

Das Museum hat jetzt auf Flickr den Hashtag findingGerty eingerichtet und hofft, so Informationen über die unbekannten Menschen zu sammeln, die Gerty Simon auch porträtiert hat. Vielleicht lassen sich dann weitere Lücken schließen in der Biografie dieser unbestechlichen Fotografin.

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Seit 30 Jahren erkundet die Fotografin, Autorin und Filmemacherin Désirée von Trotha die Welt der Tuareg. Die Hälfte des Jahres lebt sie als Chronistin und Freundin unter den Saharanomaden. Mit ihren poetischen Fotos und kämpferischen Berichten engagiert sie sich gegen das Verschwinden einer uralten Saharakultur.  mehr...

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