Ausstellung

Gekommen um zu bleiben: Die Geschichte der Normannen in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

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AUTOR/IN
Marie Dominique Wetzel

Die Normannen, das waren die wilden „Nordmänner“ und die Nachfahren der Wikinger. In einer neuen Ausstellung mit erstaunlich vielen Original-Exponaten zeichnen die Reiss-Engelhorn-Museen die eindrucksvolle Geschichte ihrer Eroberung Europas nach.

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„Normannen“ bedeutet nichts anderes als „Nordmänner“

Es ist nur eine kleine Figur aus Walross-Elfenbein, aber sie sagt viel darüber aus, wie der Normanne von seinen Zeitgenossen gesehen wurde: Ein Krieger mit Nasal-Helm und tropfenförmigem Schild, das Schwert gezückt, aus seinen Augen blitzt es mordlustig und voller Tatendrang beißt er mit den Zähnen in sein Schild.

Viking Raider Stone. Museum of Lindisfarm Priory, Berwick upon Tweed  (Foto: Pressestelle, Historic England Archive )
Viking Raider Stone. Museum of Lindisfarm Priory, Berwick upon Tweed Pressestelle Historic England Archive Bild in Detailansicht öffnen
Altartafel mit Darstellung von Erzengeln und der Gargano-Legende. Barcelona, Museu Nacional d’Art de Catalunya Pressestelle Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona Bild in Detailansicht öffnen
Hisham-Kästchen. Museu Tresor de la Catedral, Girona Pressestelle Colección Capítol Catedral de Girona. Autor 3DTecnics Bild in Detailansicht öffnen
Sogenannter Mantel Karls des Großen. Metz, Chapitre de la Cathédrale Saint-Etienne Pressestelle Conseil de fabrique de la cathédrale de Metz, Trésor de la Cathédrale Saint-Etienne de Metz; photo: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Jean Christen Bild in Detailansicht öffnen
Reliquienkästchen der alten Abtei von Saint-Évroult. Sées, Musée départemental d’art religieux Pressestelle Crédit photographique: Conseil départemental de l’Orne / Thierry Ollivier Bild in Detailansicht öffnen
Goldring. Barcelona, Museu d’Història de Barcelona Pressestelle MUHBA Pep Parer Bild in Detailansicht öffnen
Staurothek in Form eines Tryptichons. Monopoli, Museo Diocesano Pressestelle Museo Diocesano di Monopoli – Diocesi di Conversano Monopoli (BARI) - Dal Tesoro della Concattedrale Bild in Detailansicht öffnen
Votivkrone Rogers II. Museo della Basilica di San Nicola, Bari Süditalien, 12. Jh. Pressestelle © Bari, Museo della Basilica di San Nicola , Foto: Beppe Gernone Bild in Detailansicht öffnen
Emailplatte mit Krönung Rogers II. durch den Hl. Nikolaus Museo della Basilica di San Nicola, Bari Süditalien, zweites Viertel 12. Jh. Pressestelle © Bari, Museo della Basilica di San Nicola , Foto: Beppe Gernone Bild in Detailansicht öffnen
Figürlicher Elfenbeingriff Antiquarium e Parco Archeologico di Canne della Battaglia, Barlettaanglo-normannische Werkstatt, 2. Viertel 12. Jh Pressestelle © Su conessione del Ministero per i Beni e le Attività Culturali e per il Turismo – Direzione regionale Musei Puglia. Antiquarium e Parco Archeologico di Canne della Battaglia Bild in Detailansicht öffnen

Fast möchte man sagen, die kleine Figur sieht aus als wäre sie aus dem Comic „Wickie und die starken Männer“ entsprungen. Und das ist gar nicht so falsch, denn die Wikinger sind sozusagen die Vorfahren der Normannen.

Erst als die skandinavischen Seekrieger die Normandie eroberten und dort sesshaft wurden, nannte man sie Normannen, was nichts anderes als „Nordmänner“ bedeutet.

Schwerpunkte der Ausstellung sind England und Sizilien

Von Nordfrankreich aus eroberten die Normannen viele weitere Gebiete. Im Westen bis ins heutige Spanien, im Osten bis Syrien. Von Grönland im Norden bis Tunesien im Süden.

Forum Grausame Krieger und geschickte Eroberer – Wer waren die Normannen?

Marie-Dominique Wetzel diskutiert mit
Dr. Viola Skiba, Kuratorin und Projektleiterin der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Dr. Nikolas Jaspert, Professor für Mittelalterliche Geschichte, Universität Heidelberg
Dr. Rudolf Simek, Professor für germanistische Mediävistik und Skandinavistik, Universität Bonn  mehr...

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Die Normannen kamen als Eroberer, da sie aber auch bleiben wollten, brauchte es mehr als Kriegskunst und Grausamkeit, erklärt der Heidelberger Historiker Nikolas Jaspert, der die Konzeption der Ausstellung wissenschaftlich begleitet hat.

Sicher einer der Gründe für ihren Erfolg! Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll wie weit die Normannen zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert gekommen sind. Schwerpunkte sind natürlich England und Sizilien, wo die Normannen wohl am erfolgreichsten Fuß gefasst haben.

Verschiedene Perspektiven auf die Normannen und ihre Zeit

Die Schlacht von Hastings etwa wird in einem Video in der Ausstellung nachgestellt. Überhaupt haben die Ausstellungsmacher viel Wert darauf gelegt, Geschichte lebendig werden zu lassen: es gibt immer wieder Rätselspiele, Hörstationen und Videos.

Doch das Kuratorenteam hat auch erstaunlich viele historische Original-Exponate nach Mannheim holen können: Zum Beispiel den Krönungsmantel von Friedrich II., jener Normannen-Sproß, der König von Sizilien wurde oder die wertvolle Textsammlung „Exton Domesday Book“, in dem der Normanne Wilhelm der Eroberer den gesamten Besitz und die Ländereien der Bewohner von Westengland auflisten ließ.

Die Mannheimer Ausstellung schafft es, aus verschiedenen Perspektiven auf die Normannen und ihre Zeit zu schauen und althergebrachte Bilder aufzubrechen. Sie entgeht der Versuchung, die Normannen zu mystifizieren oder zu Helden zu stilisieren.

Gelungene Ausstellung mit Wermutstropfen

Interessant ist auch, zu sehen, wie unterschiedlich die Normannen in verschiedenen Teilen der Welt aufgetreten sind, ihre Spuren hinterlassen haben und wie gut oder schlecht sie sich integriert haben. Daneben versucht die Ausstellung auch immer wieder Brücken ins Heute zu schlagen.

„Das sind auch Dinge wie Mobilität, Migration, Integration, Interkultureller Austausch, Vernetzung", sagt Ausstellungskuratorin Viola Skiba, „Das Mittelalter entdecken wir gerade neu zusammen mit den Normannen Das war wesentlich vernetzter als wir uns das hätten träumen lassen!"“

Ein Wermutstropfen bleibt bei dieser gelungenen Ausstellung: die hochwertigen Exponate, die von den normannischen Siedlungen in der Region um Kiew erzählen, sind wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine nicht in Mannheim zu sehen.

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Marie Dominique Wetzel