Ausstellung

„Geht doch! Erfindungen, die die Welt (nicht) braucht“

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AUTOR/IN
Tobias Ignée

Ob im Haushalt, in der Arbeitswelt, im Verkehr oder in der Freizeit – große und kleine Erfindungen sind allgegenwärtig. Das Museum der Alltagskultur in Waldenbuch blickt in einer neuen Ausstellung auf das Thema Innovation und hat bewährte, kurzlebige und unsinnige Erfindungen vom 18. Jahrhundert bis heute aus seiner Sammlung zusammengetragen.

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Meilensteine der Zivilisationsgeschichte und weniger bahnbrechende Innovationen

Der Mensch hat das Rad erfunden, den Buchdruck, die Dampfmaschine, das Penicillin oder das Internet – Meilensteine der Zivilisationsgeschichte. Er hat aber auch den Staubsauger, die Kaffeemaschine, den Schnellkochtopf, den Thermomix oder den sprachgesteuerten Lautsprecher Alexa ausgetüftelt. Konsumgüter und Haushaltsgeräte, die vielleicht nicht gerade so bahnbrechend sind und die dennoch die Welt verändert haben.

Alle diese Erfindungen sollen das Leben einfacher gestalten und bestimmte Bedürfnisse befriedigen. Wie etwa eine Holzkiste, ausgestopft mit Dämmmaterial und zwei Vertiefungen in der Mitte: eine Kochkiste aus den 20er Jahren, mit deren Hilfe Essen warm gehalten wurde.

Itera-Fahrrad aus Kunststoff (Foto: SWR, Tobias Ignée)
Es sollte robust, rostfrei und leicht sein, erwies sich aber als Flopp: Das Kunststoff-Fahrrad des schwedischen Unternehmens „Itera“. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Viele Erfindungen erleichtern den Alltag, so wie dieser Flaschenöffner. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Praktisch, aber dennoch unkleidsam: Der Dosenhalter des japanischen Erfinders Kenji Kawakami. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Vom Gebrauchsgegenstand zum Klamauk: Gebiss-Flaschenöffner. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Laufend Radio hören? Mit dem mobilen Armbandradio (Radio Modell R-72S) aus dem Jahr 1972 ist das möglich. Pressestelle Foto: Heike Fauter Bild in Detailansicht öffnen
Eine echte Innovation: Der Openbike-Sensor zur Ermittlung des Abstandes zwischen Fahrrad und vorbeifahrendem Auto. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Eine Erfindung aus der Community: Unterwäsche für trans und nicht-binäre Menschen. Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Kochkiste, 1920er Jahre Tobias Ignée Bild in Detailansicht öffnen
Elektrischer Bratenmesser "Moulinex", 1970er Jahre Pressestelle Museum für Alltagskultur, Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen

Die Suche nach Lösungen steht am Anfang von Innovationen

Es gibt fast nichts, wofür der Mensch nicht schon eine Lösung gesucht und gefunden hätte. Und so ist die Kernfrage der Ausstellung, ob wirklich alles, was an Neuerungen auf den Markt kommt auch tatsächlich innovativ ist.

„Wir stellen prinzipiell die Frage, ob wirklich alles immer eine Innovation ist, was als Innovation benannt wird oder ob das nicht einfach nur ein Verkaufsargument ist.“

Deutlich machen das etwa unzählige Flaschenöffner, die in der Schau präsentiert werden: vom Hochglanz-Design-Öffner und Statussymbol über ein Plastikgebiss mit Metallhaken bis hin zum Öffner mit eingebautem Zählwerk zur Kontrolle des Alkoholkonsums. Gimmicks, die die Welt nicht braucht und die sie auch nicht vorantreiben.

Viele Erfindungen kommen heute direkt aus der betroffenen Community

Demgegenüber stehen echte Innovationen, wie etwa ein Sensor zur Ermittlung des Abstandes zwischen Fahrrad und vorbeifahrendem Auto oder aber Unterwäsche in Regenbogenfarben für trans- und nicht-binäre Menschen.

Erfindungen, mit denen die Ausstellung zeigt, dass viele Probleme nicht nur im stillen Kämmerchen eines Daniel Düsentrieb gelöst werden, sondern kreative und interessante Ideen gerade heute oft in Communitys entstehen. Es muss nicht immer ein großer Konzern mit seinen Vermarktungsstrategien dahinterstecken.

Nicht fehlen dürfen natürlich Erfindungen, die floppten oder gleich im Museum gelandet sind – weil sie beispielsweise ihrer Zeit und der Technologie voraus waren, so wie das hellblaue „Itera“-Fahrrad komplett aus Kunststoff.

Amüsanter und spannender Einblick in die Kulturgeschichte des Erfindens

Die Ausstellung im Museum der Alltagskultur bietet einen spannenden und amüsanten Blick in die Kulturgeschichte des Erfindens. Und sie will mit ihrem Angebot auch die Besucher zum Tüfteln und Experimentieren einladen – vielleicht findet sich ja so die Lösung für das eine oder andere Problem der Zukunft.

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