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Tinder-Date mit Foto-Shooting: Justyna Koeke und Mimosa Pale zeigen „Frauen im Wald“

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Versprochen wurde „ein Abenteuer im Wald“ mit zwei Künstlerinnen. Diese Einladung auf Tinder klang anscheinend für viele Männer verlockend. Bei den Dates selbst, in Finnland und im Schwarzwald, ging es dann zur Sache: Es wurden Fotos gemacht — witzig, frech, nachdenklich, absurd über weibliche Sexualität und das Verhältnis zur Natur. Zu sehen bis 19. Dezember 2021 in Mannheim.

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Vom Wald-Urlaub zum Tinder-Kunstprojekt

Entstanden ist die Idee für das Projekt „Women in the Forest“, also „Frauen im Wald“, bei einem gemeinsamen Urlaub der beiden Künstlerinnen und Freundinnen Justyna Koeke und Mimosa Pale in deren Ferienhaus, mitten im Wald: „Wir wollten einfach Fotos machen“, sagt Justyna Koeke, und um Leute für die Fotos zu finden, hätten sie dann das Angebot auf Tinder gestellt, „wir dachten, die Leute dort sind ja so abenteuerlustig, die lassen sich ein auf verrückte Sachen“.

Paravent, 2019 (Foto: Mimosa Pale und Justyna Koeke )
Paravent, 2019 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Der heiße Traum des Eisprinzens, 2021 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Peter und der Fuß, 2019 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Pfau in blau, 2019 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Wohin fliegt der Geier?, 2017 Justyna Koeke und Mimosa Pale Bild in Detailansicht öffnen
Steinfick, 2017 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Schneeengel, 2021 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen
Granit, 2019 Mimosa Pale und Justyna Koeke Bild in Detailansicht öffnen

Kennenlernen außerhalb der allgegenwärtigen digitalen Inszenierung

Der erste Mann war schnell gefunden. Die beiden Künstlerinnen holten ihn am nächsten Parkplatz ab, hatten Picknick besorgt und fuhren in den Wald. Dort überlegten sie dann gemeinsam, welche Fotos entstehen könnten. Und sie sprachen darüber, wie es ist, wenn man sich bei einem Date dann zum ersten Mal wirklich begegnet, nicht nur im virtuellen Raum, sondern draußen in der Natur.

Man habe sich heutzutage im Digitalen schon sehr weit von der Natur entfernt, sagt Koeke: „Wir wollten ein anderes Setting fürs Erotische geben, außerhalb des gewohnten Umfelds“. Auch hätten sie weibliche Sexualität anders, neu inszenieren wollen, freier als in „dieser sexistischen Männer-Sichtweise“.

Frauen sind hier im Mittelpunkt

Baroness Münchhausen, 2020 (Foto: Justyna Koeke und Mimosa Pale)
Baroness Münchhausen, 2020 Justyna Koeke und Mimosa Pale

So sieht man die Künstlerin Justyna Koeke auf einem Foto im leuchtenden Herbstlaub eines Baumes nackt auf einem Ast fläzen. Keck hält sie sich ein Blatt vor die Vulva. Auf einem anderen Bild steht Mimosa Pale splitternackt im Schnee und umarmt ekstatisch eine tiefverschneite, phallische Tanne.

Männer zwischen Alpha-Tier und Lust-Objekt

Die Männer blieben meist hinter der Kamera versteckt – aber sie hatten oft verwegene Ideen, wollten Flöße bauen, große Steinbrocken bewegen, erzählen die Künstlerinnen lachend. Nur sehr wenige trauten sich selbst auch nackt ins Bild. Einer ließ sich aber sogar wie eine Jagdtrophäe von den beiden Frauen durch den Wald tragen.

Beute, 2017 (Foto: Mimosa Pale und Justyna Koeke )
Beute, 2017 Mimosa Pale und Justyna Koeke

Nur ein einziges der Treffen habe sich in eine unangenehme Richtung entwickelt, so Koeke und Pale: „Dann haben wir dieses Date ziemlich schnell abgebrochen“.

Wichtig war den beiden Künstlerinnen vor allem, andere Bilder des weiblichen Körpers zu kreieren und zu zeigen, keine normierten, mit Bildbearbeitungsprogrammen geschönte Körper, wie sie sonst im Internet zu Hauf zu finden sind. Eben natürliche Körper in der Natur, sagt Mimosa Pale.

Originelle Foto-Ausstellung

Aus hunderten Fotos haben Justyna Koeke und Mimosa Pale 25 ausgesucht, die sie im Mannheimer „zeitraum.exit“ präsentieren. Sie haben aus dem kleinen Ausstellungsraum eine Art Wald-Erlebnisparcours gemacht, Die Fotos hängen in einem Tannenbaum oder sind hinter einer kleinen Hecke aus trockenem Gras versteckt.

Viele der Bilder sind wirklich schräg, wie das von den beiden in den Himmel gestreckten Hintern, auf denen Pilze sitzen. Andere sind einfach nur witzig, zum Beispiel wenn die beiden Frauen mit auf Stecken gespießten Würstchen nackt durch einen Farnwald pirschen. Als Performance ist „Frauen im Wald “ originell – mehr aber auch nicht.

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