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Fotoband „Die Kunst des Augenblicks. Begegnungen im Museum“ des Schweizer Fotografen Filip Haag

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In diesem Bildband geht es um den perfekten Augenblick: Jener Augenblick, in dem alles passt. The Perfect Match.

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Eine Symbiose aus Kunstwerk und Betrachter

Als der Maler Filip Haag vor fünf Jahren im Museum of Modern Art in New York durch die Ausstellungsräume ging, war er plötzlich da, dieser Augenblick: Eine Besucherin stand vor einem Bild von Mark Rothko und die Farben ihres Kleides waren mit dem des Gemäldes identisch, gingen eine Art Symbiose ein.

Seit diesem Tag ist der Schweizer Künstler in den Museen der Welt unterwegs und sucht sie, diese Momente.

Fotoband "Die Kunst des Augenblicks" (Foto: Pressestelle, DuMont Buchverlag)
Es ist kaum zu glauben, dass diese Bilder nicht gestellt sind. Doch das sind sie nicht, versichert Filip Haag – er, der Künstler, der etliche Runden in der gleichen Ausstellung dreht, die High-End-Handykamera griffbereit, um den perfekten Moment einzufangen. Pressestelle DuMont Buchverlag Bild in Detailansicht öffnen
S. 30/31: Jean Joseph Perraud, Die Verzweiflung, 1869, Musee d’Orsay, Paris Pressestelle 2021 DuMont Buchverlag / Foto: Filip Haag Bild in Detailansicht öffnen
S. 15: Rembrandt, Selbstporträt, 1660, The Met, New York Pressestelle 2021 DuMont Buchverlag / Foto: Filip Haag Bild in Detailansicht öffnen
S. 8/9: Henri Fantin-Latour, Astern und Obst auf einem Tisch, 1868; August Renoir, Blumenstrauß aus Chrysanthemen, 1881 The Metropolitan Museum of Art (The Met), New York Pressestelle 2021 DuMont Buchverlag / Foto: Filip Haag Bild in Detailansicht öffnen

Haag malt sich Szenarien aus und hofft dann, dass sie auch eintreten

Filip Haag sagt über sein Vorgehen: „Ich gehe ins Museum. Und dann spaziere ich in der Regel zuerst einfach mal den Bildern nach. Und dann in zweiter Linie stelle ich fest, was an Besonderheiten sichtbar werden könnten, beispielsweise an Verhaltensweisen von Leuten oder an Kleidungen oder an irgendwelchen Konstellationen, wo ich dann halt kombiniere: Diese Konstellation, die würde passen bei dem und dem Kunstwerk.“

Dann heftet er sich unbemerkt an die Fersen dieser Person und hofft, dass sie tut, was er sich in seinem Kopf schon ausgemalt hat. „Was aber eigentlich noch häufiger vorkommt ist, dass es Konstellationen gibt, die ich mir gar nicht ausdenken konnte“ meint Haag.

Eine Berührung von Vergangenem und Gegenwärtigem

Pelzkrägen, die sich doppeln; spiegelglatte Glatzen, die Totenköpfen ähneln; Gesten, die wie zufällig dem Bild dahinter entsprungen scheinen. Es ist ein Spiel mit Farben, Mustern und Motiven, die sich wiederholen, mit Ausdrucksweisen und Formen, die Besucherin und Ausstellungsobjekt zusammenbringen.

Wenn dieser Dialog entsteht – sich Vergangenes und Gegenwärtiges berühren, symbiotisch und doch spannungsgeladen, ist das für den studierten Kunsthistoriker Haag besonders bewegend.

Ein Fotoband, der Zwiegespräche anzustoßen vermag

Das sind teilweise schier unglaubliche Fotografien, Begegnungen. Etwa wenn ein Rollstuhlfahrer an einem Gemälde von Giovanni Battista Moroni vorbeifährt: Auf der Leinwand sitzt ein reicher Mann in seinem klobigen Stuhl. Es scheint grad so, als würden die beiden sich kreuzen, den Blick dabei fast schon lakonisch aufeinandergerichtet. „Du hier im Stuhl? Tu nicht so! Ich auch!“.

Die Fotografie amüsiert – doch nicht nur das: Sie lässt uns auch nachdenken darüber, welchen Status der wohlhabende Portraitierte hatte, damals im 16. Jahrhundert, und wie Menschen im Rollstuhl gesehen werden, heute im 21. Jahrhundert.

So ähnlich sich die beiden Sitzenden auf den ersten Blick sind, so unterschiedlich sind sie sich auf den zweiten. Und so wird dieses witzige, schmale Büchlein spätestens beim zweiten Rundgang zu einem Band, der Zwiegespräche anzustoßen vermag, über Kunst und Kulturgeschichte.

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